Archiv



  08.00.2005  29:01   +Feedback

Ich war dabei

Der erste Pro-Westliche-Heimatabend (PWHA) hat einen signifikanten Anteil der Deutschen, die nicht auf Nationalpazifismus und Staatsanbetung abfahren, zusammen gebracht. Die Organisatoren Enno Dittmar und Dorothee Müller (Applaus!!!) hatten das Ereignis als zwanglose Kennenlernparty konzipiert, was ihnen rundum gelungen ist.

Bei einigen lag die Erwartung höher (Manifest? Verein? Partei?). Aber die Große Mehrheit der zirka sechzig Anwesenden kam schnell überein, es erstmal eine Nummer kleiner zu versuchen: Regionale Netzwerke sollen geknüpft werden. Der Freundeskreis vieler Pro-Westler (PWs) ist erheblich geschrumpft, als sie nicht an der wütenden Amerika- und Israelverdammung der Volksgemeinschaft teilnahmen. Regionale Netzwerke könnten dieses Defizit möglicherweise kompensieren. Außerdem wird Achim Hecht von atibuerokratieteam.de gemeinsam mit den „Freunden der offenen Gesellschaft“ (Applaus!!!) einen Meta-Blog aufbauen, von dem aus alle Websites und Blogs der PWHA-Teilnehmer bequem zu erreichen sind.

Hierzu ein persönlicher Vorschlag: Da erfahrungsgemäß neue Strömungen immer auch Spinner, Querulanten und Fanatiker anziehen (das ist übrigens der Hauptgrund, warum es in Deutschland nahezu unmöglich ist, eine neue Partei zu gründen), sollten wir einen kleinen Check beim Meta-Blog einbauen. Ich fände ein Vetorecht aller auf dem Meta-Blog Versammelten gut.
Soviel zu den praktischen Resultaten.

Erfreulicherweise blieb der von mir heimlich befürchtete Zusammenprall der Kulturen aus, obwohl die Teilnehmer aus drei Gruppen mit sehr unterschiedlichem Stallgeruch kamen: Klassische Konservative, Junge Liberale und Noch- oder Ex-Linke in verschiedenen Stadien der Abtrünnigkeit vom alten Glauben. Das Spektrum reichte vom Botho-Strauß-Liebhaber bis zum Bahamas-Autor, vom CDU-Sympathisanten zum Anarcholiberalen, vom Adorno-Anhänger zum Katholiken. Vermutlich kam es deshalb nicht zu nervenden Ideologiedebatten, weil der Anteil der sympathischen, freundlichen und konstruktiv denkenden Menschen ziemlich hoch war – und weil man als deutsche Freunde Amerikas und Israels doch gern ein bisschen zusammenrückt.

Und noch ein kurzer soziologischer Überblick, für all die traurigen Menschen draußen im Lande, die diesen Abend verpasst haben und sich nun fragen, was das wohl für Leute sind, die da in München zusammenkamen: Alle Altergruppen zwischen Anfang Zwanzig und Anfang Sechzig waren vertreten, die Älteren bildeten aber eindeutig die Minderheit. Modisch stachen bei den Jüngern die bunten T-Shirts der IDF (Israels Armee) hervor. Frauen waren ebenfalls deutlich in der Minderheit. Jeden, der die wenigen aber wundervollen PWHA-Teilnehmerinnen nicht gesehen hat, kann man aber nur bedauern.

Hätte jemand im Saal die „Sonntagsfrage“ gestellt, wäre wohl absolute Mehrheit für Schwarz-Gelb rausgekommen, die Mehrzahl der Anwesenden hat jedenfalls die gegenwärtige Regierung gründlich satt. Die Telnehmer kamen hauptsächlich aus deutschen Großstädten, mehrere waren aber auch aus dem Ausland angereist (Schweiz, Frankreich, Spanien). Und ein Foxterrier war auch dabei.

Alles in allem: Bröckers, von Bülow und Co. werden sich schwarz ärgern, dass Sie diese finstere Verschwörung nicht vorher aufdecken konnten. Aber jetzt ist es zu spät, ihr Schnarchsäcke.

Ich selbst habe diesen wirklich anregenden Abend im Fast-Dating-Verfahren genutzt und versucht, mit möglichst vielen Leuten zu sprechen, die ich vorher nicht kannte. Welch ein Gefühl, mal sechs Stunde lang im Mainstream zu schwimmen. Und ich weiß jetzt wie G. Heim und Statler und Waldorf in Echt aussehen. Aber ich verrate es nicht. Ätsch.

Permanenter Link


Zurück zur Blog-Ansicht (ältere Beiträge)

Zum aktuellen Blog von Die Achse des Guten