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  09.00.2005  11:01   +Feedback

PACE-Republik Deutschland

Gastbeitrag von Ralf Schroeder:

Wenn es um den Frieden geht, dann kennt man in der Pace-Republik Deutschland keine Parteien mehr, sondern nur noch Vereine. Einer davon läßt seine Mitglieder grüne Helme mit aufgedruckten Friedenstauben tragen und nennt sich entsprechend: GRÜNHELME e.V.

In dessen Kuratorium sind illustre Persönlichkeiten versammelt: der rote Dany Cohn-Bendit trifft auf die tränenreiche Sabine Leutheusser-Scharrenberger, Ossi-Bär Thierse auf das Norbert Blümchen. Künstlersimalator Konstatin Wecker und Großhumorist Dieter Hildebrandt streiten gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime Hobohm und dem freien und mutigen Linksnationalisten Duve. Und diese Gutmenschen tun viel, bauen beispielsweise eine „Joschka-Fischer-Schule“ in Afghanistan und eine „deutsche Straße“ für Katastrophenopfer auf Sumatra. Doch soziales Engagement allein reicht nicht im Kampf gegen das Übel in der Welt. Das erkannte schon die HAMAS und richtete ihre Kassam-Raketen gegen Israel. Die Geschütze deutscher Friedensaktivisten haben weniger Pulver, lassen es aber ebenso krachen.

GRÜNHELME-Mastermind Rupert Neudeck mußte sich nicht lange an Kinn- und Backenbart kraulen, um auf der Homepage von GRÜNHELME e.V. (www.gruenhelme.de) unter der Überschrift: „Apartheid und die Mauer: Zwei überwunden geglaubte WELT-ÜBEL feiern Wiederauferstehung“ interessante Einblicke zu gewähren.

Er berichtet dort von einer Reise einer prominent besetzten Delegation in den Nahen Osten und beginnt mit dem Ende, denn dieses war nicht gut: Kaum jemand wollte an seiner Abschlußpressekonferenz im mondänen Ambassador Hotel in Jerusalem teilnehmen. Denn nach dem Selbstmordanschlag eines Palästinensers in Beer Sheva schlug der „Aktualitätsterror“ zu und ließ Neudeck und seine Kameraden recht verzweifelt auf die Journalisten warten. Diese waren nämlich unterdessen unterwegs nach Beer Sheva. So wurde auch Neudeck zum Opfer des Terrors.

Während des bangen Wartens hatte er genug Zeit für wirre Gedanken: „Wir erfahren immer noch nicht zureichend, wie tiefgreifend die tägliche Demütigung der Palästinenser geworden ist.“ Er spricht von Mauer, Stahltoren, Bantustanisierung, schleichender Landnahme, Olivenbäumen, Schädigung, Kontrolle und Apartheid. Das übliche Vokabular gipfelt im üblichen Unfug zu Hebron: „150.000 Menschen werden von knapp 400 Siedlern mitten in der Stadt terrorisiert und schikaniert.“ Genau so sieht Terror aus, wenn die deutsch-palästinensischen Koprojektion zuschlägt.

Soviel EX war selten: Zu Neudecks Delegation gehörten neben dem deutschen Rentenmarodeur Blüm, der ja oft dabei ist, wenn es gegen Israels „Mauer und Apartheid“ geht, auch ein holländischer Expremier, ein irischer Exminister, ein französischer Exbotschafter. Schließlich durfte auch Hajo Mayer nicht fehlen, der statt seinen Ruhestand zu genießen mit Vorträgen zum „Ende des Judentums“ durch die Lande tingelt.

Sie alle kamen zu ganz neuen „Konklusionen“: die Israelis „produzieren den Extremismus“ der Palästinenser (siehe: „Apartheid-Mauer“), deshalb braucht es eine „Intervention von außen“, um diesen „teuflischen Zirkel von Revanche und Gegenrevanche“ zu durchbrechen. Dazu sei „nur die Europäische Union fähig“. Ferner schlägt man eine Friedenskonferenz vor. Will Israel nicht teilnehmen, so droht man schon einmal mit einem „permanenten Krieg zwischen den beiden Parteien“ oder auch mit „ökonomischen Sanktionen gegen Israel von Seiten der EU“.

Die Delegation beklagt „die Tatsache, daß die internationale Gemeinschaft dieser Politik der auf einander folgenden israelischen Regierungen bis heute nicht Einhalt zu gebieten vermocht hat und damit eine Situation der Gesetzlosigkeit und Straflosigkeit aufrecht erhalten hat.“ Wer so redet, schweigt willentlich von den palästinensischen Terroristen und Mördern.

Derartiger Unsinn wird jedoch nicht mehr nur in Zirkeln des linken und rechten Extremismus verbreitet. Bei den GRÜNHELMEN droht der deutsche Friedenswille der radikalen Mitte. Dabei firmieren der Bundestagspräsident, einige Staatsminister und andere Politiker als Schirmherren.

Besondere Brisanz erhält dies ferner, da zu den GRÜNHELME-Kuratoren mit Marie-Luise Beck von den Grünen auch eine Dame gehört, die zugleich Mitglied und Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist. In der Eigendarstellung der DIG heißt es: „Das Existenzrecht und die Sicherheit Israels gehörten dabei zu ihren vornehmlichen Anliegen.“ Marie-Luise Beck scheint nicht die einzige zu sein, die der „besonderen Verantwortung Deutschlands“ durch besondere politische Waghalsigkeit nachzukommen gedenkt.

Die Stimmen, daß die Deutsch-Israelische sich in Deutsch-Israelkritische Gesellschaft umbenennen sollte, konnten sich noch nicht gegen den Vorschlag einer Fusion der DIG mit der Deutsch-Arabischen Gesellschaft durchsetzen. Auch eine engere Anbindung an das Hamburger Orientinstitut würde sich aufgrund personeller wie inhaltlicher Überschneidungen anbieten. Die Diskussion innerhalb der DIG ist in vollem Gange, viele Mitglieder, die die ursprüngliche Intention der DIG ernst nehmen, reiben sich die Augen vor Verwunderung wund.

Doch abschließend noch einmal zurück zu Neudeck und seiner Delegation. In deren Erklärung heißt es: „Die Entfernung von Siedlern aus dem Gazastreifen stellt keinen Rückzug irgendeiner sinnvollen Art dar.“ Es gibt nicht wenige Israelis, die dies genauso sehen. Allein: sie haben bessere Gründe.

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