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  30.10.2005  20:13   +Feedback

Die Mumie und der Prophet

Nach dem Terroranschlag auf die Türme des WTC vor vier Jahren dauerte es keine 24 Stunden, bis sich die ersten Terrorversteher zu Wort meldeten und darlegten, daß die Amis die eigentlichen Täter und die Terroristen die Opfer der Amis sind, auch wenn es auf den ersten Blick andersrum scheinen könnte. Adrienne Goehler, damals Kultursenatorin im rot-grünen Senat, sagte auf einer Veranstaltung in der Akademie der Künste am 13.9., also zwei Tage nach den Anschlägen, u.a. die folgenden Sätze: "Ich sag noch mal was zu diesem World Trade Center. Ich bin ja von Hause aus Psychologin, und natürlich steht dieses World Trade Center nicht etwa für eine Zivilgesellschaft, sondern er sind die schlechthinnigen Symbole für Globalisierung, für Kapitalismus, für Weltmacht. Es ist ein Weltmachtsymbol, und dieses Symbol wurde angegriffen. Genauso wie natürlich das Pentagon ein Weltmachtsymbol ist und nicht irgendeine friedliebende und vor allen Dingen zivilisatorische Einrichtung...." Ein paar Minuten später rief die schlechthinnige Psychologin in den voll besetzten Saal, sie habe "vergessen zu sagen", die beiden Türme seien "auch noch phallisch" gewesen, wofür sie mit einem heftigen Lacher belohnt wurde.
Auch nach den Statements des iranischen Präsidenten über eine "Welt ohne Zionismus" am letzten Mittwoch war es abzusehen, daß es nicht lange dauern würde, bis irgendeine akademische Pappnase aufsteht und den Sachverhalt klärt. Ich rechnete fest mit Michael Lüders, der vor einiger Zeit eine Kriegserklärung von Osama Bin-Laden in ein Friedensangebot uminterpretiert hatte, weil der Chefterrorist bei seiner Ansprache die Klaschnikow an die Wand gelehnt hatte, statt sie wie üblich in den Händen zu halten.
Aber diesmal lag ich daneben. Lüders dachte noch nach, während Peter Scholl-Latour, die mummifizierte Katastrophe des deutschen Journalismus, sich schon eine Meinung gebildet hatte. Er sagte der BILD-Zeitung: ""Er (Ahmadinedschad) bringt mit einer solchen Erklärung sein Land in höchste Gefahr! Der Verdacht, daß Iran Atom-Waffen für eine Vernichtung Israels verwenden will, erhärtet sich. Israel wird darauf brennen, die Nuklear-Anlagen zu vernichten." (28.1o.o5)
Nicht Israel ist also gefährdet, sondern der Iran, und das Schlimmste, das passieren könnte, wäre, daß Israel aktiv wird, statt höflich abzuwarten, bis der Iran seine kleine Drohung wahr macht.

Während PSL sich um die Sicherheit der Mullahs sorgte, warnte Udo Steinbach, der Direktor des Deutschen Orient Instituts, davor, den Äußerungen des iranischen Präsidenten " zu große Bedeutung beizumessen", der Mann sei "außenpolitisch vollkommen unerfahren", eigentlich wolle der Iran mit dem Westen zusammenarbeiten und den Atomkonflikt beilegen.

( Hier der link zu dem Interview in der Financial Times Deutschland vom 28.1o.o5: http://www.ftd.de/pw/in/28189.html?nv=cd-rss )

Steinbach sagte in den Interview auch, dem iranischen Staatspräsidenten sei "schon bei seinem Auftritt vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen... die erste Panne passiert, indem er den Ton, der dem Auftritt angemessen gewesen wäre, überhaupt nicht getroffen hat".
Ahmadinenschad hatte sich vor den UN darüber ausgelassen,. daß die USA den 11. September 2oo1 inszeniert hatten. Das war die "Panne", die dem außenpolitisch unerfahrenen Anfänger unterlaufen war.
Wer Steinbach kennt, der weiß, daß man von ihm nichts anderes erwarten kann als eine Schönrederei des Terrors, verbunden mit anti-israelischen und anti-amerikanischen Aufwallungen. Aber hier war er noch einen Schritt weiter gegangen. Der Iraner habe nur Probleme, den richtigen Ton zu treffen. Die Ankündigung, Israel von der Landkarte auszuradieren, sei nicht seine erste "Panne".
Konsequenter kann man einen offen und ehrlich angekündigten Massenmord nicht verharmlosen. Vor über 7o jahren hat ein anderer Judenhasser ehrlich und offen erklärt, was er mit den Juden vorhat.
Er stellte sich eine Welt ohne Juden vor, Ahmadinenschad träumt laut von einer Welt ohne Zionismus. Und Steinbach ist sein Prophet.

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