Henryk M. Broder 04.11.2005 22:44 +Feedback
Finkelstein zum Zweiten!
Der Piper Verlag, 19o4 gegruendet, war mal ein kleines und feines Familien-
unternehmen, die Liste der Autoren liest sich wie die Kulturgeschichte des 2o. Jahrhunderts. U.a. erschien bei Piper auch Hannah Arendts "Ëichmann in Jerusalem". Inzwischen gehoert Piper einem schwedischen Mischkonzern und verlegt alles, das sich verkauft, darunter den Junk von Michael Moore und den Schrott von Andreas von Buelow, der seit seinem Rueckzug aus der Politik als Experte fuer die Machenschaften der Geheimdienste gilt. Anfang 2oo1 erschien bei Piper "Die Holocaust-Industrie - Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird" von Norman Finkelstein, dessen claim to fame darin besteht, dass er Antisemiten koschere Argumente liefert. Der Mann ist irre, kein Opfer der Nazis sondern seiner Eltern. Wer bei der Vorstellung des Buches in der ausverkauften Berliner "Urania" war, weiss seitdem, was die Deutschen umtreibt: nicht der Holocaust sondern dessen "Missbrauch" durch die Juden. Das Buch ist so daneben, dass nicht einmal mein alter Freund Abi es unter sein Sitzkissen gelegt haette. Piper hat es verlegt, weil, so sagte es mir der unverantwortliche Lektor, es besser waere, dass so ein Titel in einem "buergerlichen Haus" erscheint als in einem rechten Verlag.
Ja, ja der Antisemitismus ist eine viel zu ernste Sache, als dass man ihn den echten Antisemiten ueberlassen koennte.
Nun hat Finkelstein das gleiche Buch noch einmal geschrieben. Diesmal geht es um den "Missbrauch" des Antisemitismus durch die Juden, um Israels Politik zu rechtfertigen. Es soll im Fruehjahr bei Piper erscheinen, und so wie der Verlag das Buch in der Vorschau ankuendigt, muss man damit rechnen,
dass es wieder eine "Finkelstein-Debatte" geben wird: wie man nicht den Antisemiten sondern den Juden das Handwerk legt. Piper ist nichts peinlich.
Den folgenden Brief hat unser Kollege Alan Posener an die Pressechefin bei Piper, Eva Brenndoerfer, geschrieben. Eine Antwort steht noch aus.
Sehr geehrte Frau Brenndörfer,
Daß Sie dem jüdischen Judenhasser Norman Finkelstein eine Plattform geben, werden Sie vermutlich mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen. Sie und ich wissen natürlich, daß es nicht darum geht. Sie können aber vermutlich gar nichts dafür, daß Ihre Verlagsleitung um der Publizität willen gern im Trüben fischt. Wofür Sie aber etwas können, das ist der Text der Vorankündigung des neuen Finkelstein-Machwerks in Ihrem Pressedienst (Vorschau Frühjahr 2006):
"Israel und seine Unterstützer besonders in den USA benutzen den Antisemitismus, um die Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Palästinensern zu bemänteln, sich gegen Kritik zu immunisieren. Detailliert untersucht Finkelstein, wie der Antizionismusvorwurf immer dann eingesetzt wird, wenn die Kritik am Vorgehen in den besetzten Gebieten zu laut wird. Ein polemisches Plädoyer eines jüdischen Denkers (sic!) gegen die Instrumentalisierung des Holocaust und den Mißbrauch der Geschichte."
Der gesamte Text ist im Indikativ. Es heißt nicht, Finkelstein behaupte, es sei so; sondern er "untersucht" einen Sachverhalt, der von Ihnen als wahr vorausgesetzt wird. Ich finde das skandalös.
Ich darf hinzufügen, daß ich mich als "Unterstützer Israels", obwohl ich nicht in den USA lebe, durch Ihren Text persönlich beleidigt und erniedrigt fühle.
Mit freundlichen Grüßen
Alan Posener
