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  02.-1.2005  02:02   +Feedback

Ein Irrer kommt selten allein - es duerfen auch mal viere sein

Unser Kollege Paul Nellen (www.lifeinfo.de) macht uns darauf aufmerksam, dass wir es nicht mit einer virtuellen menage a trois sondern mit einer veritablen Viererbande zu tun haben. Der vierte im Bunde ist der in London lebende Musiker Gilad Atzmon. Er ist vor einer knappen Woche bei einem Musik-Literatur-Festival in Bochum aufgetreten, worauf es in der lokalen Presse zu einer Auseinandersetzung darueber kam, was Atzmon gesagt und wie er es gemeint hatte.

Hier der Vorgang im O-Ton:

1. EIN ABEND VOLLER DISSONANZEN
Ruhr Nachrichten (Bochum), 29.11.05

"Wenn wir nicht mutig genug sind, uns der Vergangenheit wie erwachsene Menschen zu stellen, dann sind wir auch nicht reif genug, uns dem zu stellen, was ich als das wahre Böse unserer Zeit betrachte."

Eigentlich war es als Lesung mit anschließendem Konzert geplant, doch der Auftritt des israelischen Schriftstellers und Musikers Gilad Atzmon am Sonntag im Bahnhof Langendreer entwickelte sich anders als erwartet.

Statt aus seinem neuen Roman zu "My one and only Love" (Meine eine und einzige Liebe) zu lesen, wollte Atzmon lieber über das Buch und dessen Entstehungshintergründe erzählen. "In Israel", so der seit 1994 im Londoner Exil lebende Atzmon, "wird man eingesperrt, wenn man nicht mit der offiziellen Meinung übereinstimmt". Dies gelte insbesondere im Hinblick auf die Vergangenheit. In seinen Büchern versuche er, diese Vergangenheit neu zu arrangieren.

Hitzige Debatte

Was folgte, war eine hitzige Debatte zwischen dem Literaten und dem Publikum, in deren Verlauf mehrere Zuschauer unter Protest den Saal verließen. Atzmon bezeichnete die uns bekannte Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust als eine komplette, von Amerikanern und Zionisten initiierte Fälschung. Der wahre Feind sei nicht Hitler, sondern Stalin gewesen. Die Deutschen sollten dies endlich erkennen und sich nicht länger schuldig und auch nicht verantwortlich fühlen. "Ihr seid die Opfer", meinte Atzmon.

Massive Kritik

Die Bombenangriffe auf deutsche Städte hätten stattgefunden, weil die Amerikaner diese Bomben besaßen und einsetzen wollten. Und genauso sei es auch in Vietnam und heute in Afghanistan und im Irak gewesen. Das wahre Böse unserer Zeit seien George W. Bush, Tony Blair und Ariel Sharon.

Besonders heftig entbrannte die Diskussion, als Atzmon die Zahl der während des Holocausts umgekommenen Juden in Frage stellte und argumentierte, es gäbe "keinerlei forensischen Beweis" dafür, dass diese wirklich 6000000 betragen habe. Eine These, die ihm massive Kritik seitens des Publikums einbrachte.

Schließlich unterbrach Frank Schorneck, Veranstalter des Festivals, das Streitgespräch, um den musikalischen Teil des Abends einzuleiten. Doch den im Saal verbliebenen Zuhörern war die Lust auf die durchaus beeindruckenden Jazz-Improvisationen von Atzmon und "The Orient House Ensemble" sichtlich abhanden gekommen. - tho

2. AUS DEM RAHMEN
Eine Klarstellung des Bahnhof Langendreer
zum Auftritt von Gilad Atzmon

"Der Bahnhof Langendreer war am Sonntag, dem 27.11.2005, Veranstaltungsort für den Abschluss des Macondo Literaturfestivals mit dem Auftritt des israelischen Schriftstellers und Musikers Gilad Atzmon, der zu heftigen Diskussionen und Protesten von Besuchern geführt hat. Wir wollen bewusst nicht zu allen in Atzmons Vortrag verbreiteten Thesen und Auffassungen Stellung nehmen, sondern stellen fest, dass der millionenfache Mord der deutschen Nationalsozialisten und ihrer Helfer an den Juden Europas und die Verbrechen an den Völkern der Welt mit keinem anderen Ereignis der Vergangenheit oder Gegenwart vergleichbar ist. Jede Relativierung, jeder Vergleich mit anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, egal vor welchem politischen, religiösen oder philosophischen Hintergrund auch immer, verlässt eindeutig den Rahmen einer von uns gewollten streitbaren und kontroversen Auseinandersetzung und wird von uns aus tiefster Überzeugung abgelehnt."
29.11.05


3. DAS KLINGT NACH DAVID IRVING
Thomas Wessel, Pfarrer an der Christuskirche Bochum,
schreibt einen Leserbrief an die Ruhr-Nachrichten:

"Eine literarische Provokation!" hatten die Veranstalter des Macondo-Literaturfestivals angekündigt. An deren Ende hatte der RN-Autor so ziemlich alle irren Meinungen aus dem Arsenal des modernen Antisemiten dokumentiert. Aber selbst an der Grenze, die das Strafrecht zieht - für die Ermordung von 6 Millionen Juden gäbe es "keinerlei forensischen Beweis", das klingt nicht nach Literatur, das klingt nach David Irving - verließen nur fünf Zuhörer den Saal. Und niemand, der so viel - so wenig - Courage besessen hätte, den Strom abzustellen, das Licht zu löschen, die "Diskussion" zu beenden. Im Bahnhof Langendreer hat es - der nachträglichen Distanzierung von solchen "Thesen" zum Hohn - dieses Minimum an politischer Geistesgegenwart nicht gegeben.
"Wenn wir dies im Vorfeld geahnt hätten", schreiben jetzt die Macondo-Veranstalter, hätten wir diese wahnwitzige Veranstaltung nicht etwa abgesagt, sondern "hätten wir uns um eine professionelle zweisprachige Moderation bemüht, die Missverständnisse vermieden hätte". Als könne man Antisemitismus missverstehen, als sei es Aufgabe eines mit öffentlichen Mitteln geförderten Literaturfestivals, Antisemitismus zu moderieren.
"Wenn wir das geahnt hätten." Keiner 5 Minuten hätte es "im Vorfeld" bedurft, um die kruden Ideen des Vortragenden Punkt für Punkt zu recherchieren. Auf seiner Homepage faselt der Mann seitenlang über all das, was er nun im Bahnhof Langendreer zum Besten gab, "American Jews (in fact Zionist) do try to control the world", heißt es da beispielsweise. Dutzende solcher Sätze stehen da, mühelos zu finden.
"Wenn wir das geahnt hätten." Wenn man keine Ahnung hat, soll man es sein lassen. Ungleich schlimmer aber, dass die Veranstalter sehr wohl auf eine "Provokation" spekuliert haben: Auf ihren Werbeträgern präsentierten sie den Vortragenden als jemanden, der in Israel geboren sei und nun im "Londoner Exil" lebe. Exil heißt soviel wie Ort der Vertreibung, der Verbannung. Unfassbar, welche Vorstellungen die Veranstalter über den Staat Israel verbreiten - und dann noch behaupten, das sei "subversiv, sarkastisch und witzig".
"Aber es gibt keine Antisemiten mehr", heißt es bei Horkheimer / Adorno. "Sie waren zuletzt Liberale, die ihre antiliberale Meinung sagen wollten."
1.12.05

4. EIN JUDE KANN KEIN ANTISEMIT SEIN
Die Veranstalter des Festivals sehen keinen Grund zur Selbstkritik.
Sie meinen: Es war der Reporter der Ruhr Nachrichten, der alles miss-
verstanden und aus dem Zusammenhang gerissen hatte.

Auf den Leserbrief von Thomas Wessel müssen wir reagieren, da leider aus unserer Stellungnahme eine Passage gekürzt wurde, die sich auf die von Thorsten Hoops verfälscht zitierte Passage zur Ermordung von 6 Millionen Juden bezieht:
"Was die Diskussion zur Anzahl der ermordeten Juden im Holocaust angeht, so ist es schwierig, den Verlauf innerhalb weniger Sätze wiederzugeben. Atzmon kritisiert, dass ein öffentliches Anzweifeln der Zahl von 6 Millionen unter Strafe gestellt wird, wenn selbst vom Holocaust-Museum Yad Vashem verschiedene Studien mit unterschiedlichen Zahlen genannt werden. Dabei macht Atzmon deutlich, zu welchem Fetisch diese abstrakte Zahl geworden ist - als ob der Holocaust gleich harmloser erscheine, wenn "nur" halb so viele Juden ermordet worden seien." (vgl. www.yadvashem.org)
Gilad Atzmon Antisemitismus zu unterstellen, ist völlig unsinnig und an den Haaren herbeigezogen. In seinem Ensemble spielen vier Juden - darunter er selbst. Seine Angriffe richten sich nicht gegen das Judentum, sondern gegen die (Palästina-)Politik Israels. Er hat in der israelischen Armee seinen Militärdienst geleistet und hat sich in dieser Zeit zunehmend in eine Täter-Rolle gedrängt gesehen.
Die Veranstaltung in einem Leserbrief als "wahnwitzig", Atzmons Ideen als "krude" und "irre" zu bezeichnen, und sich dabei nur auf einen Zeitungsartikel zu stützen, ist sehr denkwürdig. Von einer Homepage wahllos Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen, ist in der Tat "mühelos", wie Thomas Wessel treffend beschreibt - vielleicht sollte man sich aber auch die Mühe machen, das "Gefasel" wirklich zu lesen, um dann ein begründetes Urteil zu fällen. Wer jemanden als Antisemiten brandmarkt, sollte dies nicht auf oberflächliche "Recherchen" gründen.
Von den fünf Personen, die die Veranstaltung verlassen hatten, sind übrigens zwei zurückgekehrt, um nach dem Konzert mit Atzmon zu diskutieren. Im Laufe dieser Diskussion, die der RN-Journalist nicht mehr mitbekam, konnte so manches Missverständnis ausgeräumt werden.
Zu der von Thomas Wessel zitierten "politischen Geistesgegenwart" zählt auch die Dialogbereitschaft. Da die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Atzmon lächerlich sind, sehen wir keinerlei Anlass, uns von der Einladung des Autors und der Veranstaltung als solcher zu distanzieren.

5. MIT LIEBEN GRUESSEN, EUER GILAD

Gilad Atzmon gibt eine Erklaerung ab, in der er versichert, sei sei kein
"Holocaust denier"; zugleich sagt er, er sehe keinen Unterschied zwischen dem Zionismus und der Ideologie der Nazis.

This is to confirm that I am not a Holocaust denier, I have never denied the Nazi Judeocide and I do not have any intentions to do so. For me racism and Nazism are categorically wrong and it is that very realisation that made me into a devoted opponent of Israel and Zionism.

For me, Zionism, being a racist expansionist movement, is no different from Nazi ideology. In my writings, I try to suggest some alternative philosophical and ethical realisation of historical narratives and current world affairs. This of course applies to the Holocaust. I would argue that atrocities should be realised in ideological terms rather than in measurable positive terms.

Occasionally I question the impact of the Holocaust as a "means of justification". I try to scrutinise its role within western politics and discourse. In fact, I am not interested in the debate concerning the scale of Jewish casualties. As we all know, it wasn't only Jews who died in that bloody war and it isn't the number that makes the difference.

For me the Holocaust isn't a question of quantity but rather a moral lesson, it is search into the essence of being amongst others. These ideas make me very unpopular among Zionists and their supporters.

I may mention as well that I am a jazz musician and a novelist. I am not a politician; I have never been a member in any political party. I am acting independently. I am not associated with any political body and I do not intend to be associated with one in the foreseen future. I deeply believe in an open intellectual exchange in which people with many different and opposing views can hear and be heard. I do believe that we must learn to listen to our opponents. Unless we do that we will never win. I would argue that any form of discourse is acceptable as long as it doesn't bridge the elementary ethical barrier i.e. endorsing violence and discrimination.

Those who try to stop me from appearing in Marxism 2005 next month and Bookmarks later this week are in fact reactionary forces who aim to shatter the most intrinsic notion of intellectual life. They fight against freedom of speech, freedom of interpretation and ideological diversity. They are trying to forcefully implant their obscure views in the very core of British left discourse.

It is devastating to find out that those calls are expressed under the banner of British Jewish left (Anti Zionist Jews, JPUK etc). I would rather prefer to believe that, after such a long history of Jewish suffering, left Jews would position themselves at the forefront of the battle against discrimination and defamation. No doubt many Jews do and I am very thankful for that.

I use this opportunity to call my opponents to attend the coming events and to engage themselves in a fruitful dialogue with me and everybody else.

Peace, Gilad Atzmon

6. STOERTEBEKERS TRAUM
Waehrend fast alle den armen Gilad missverstanden hatten - die empoerten Besucher des Festivals, der RN-Reporter, der Pfarrer der Christus-Kirche -
kam seine Friedensbotschaft bei den Internet-Nazis gut an. Die Macher von stoertebeker.net, die sich damit ruehmen, dass sie vom Verfassungsschutz beobachtet werden, stellten sich hinter Atzmon und monierten nur eine Kleinigkeit: dass Nichtjuden, die sich im gleichen Sinne aeussern, verfolgt werden, waehrend Gilad sagen kann, was er will, ohne belangt zu werden.
"Offenbar muß man in der Tat wohl erst Jude sein, um solche Thesen in Deutschland verbreiten zu können, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten." Hier der ganze Text:

= Bochum / NRW: Was einem Jupiter erlaubt ist, ist bekanntlich nicht jedem Ochsen erlaubt. Ein antiker Spruch den sicherlich nicht nur Absolventen eines gepflegten Lateinunterrichtes zu ihrem geistigen Eigentum rechnen dürften und der auch heute noch nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. Dies konnte man auch am Abend des 27. November im Bochumer Bahnhof Langendreer erleben, einem linksorientierten „Zentrum für Soziokultur“.

Dort trat an diesem Abend der als Klarinettist und Saxophonist bekannt gewordene jüdische Musiker Gilad Atzmon auf. Allerdings bot er seinem Publikum nicht nur jüdisch-orientalisch gefärbte Jazzimprovisationen, sondern auch ein wenig Nachhilfe im Geschichtsunterricht und zwar auf eine Weise die man im Bahnhof Langendreer von einem Juden am allerwenigsten erwartet hätte. So stellte Atzmon an diesem Abend nämlich nicht nur musikalische Rhytmen vor, sondern auch seinen neuen Roman „My one and only Love“ (Meine eine und einzige Liebe) vor, wobei er sich jedoch nicht mit einer einfachen Lesung begnügte, sondern auch noch über die Hintergründe berichtete, die zur Entstehung dieses Buches führten. So eröffnete der Musiker seinem sichtlich schockierten Publikum u. a.: „In Israel wird man eingesperrt, wenn man nicht mit der offiziellen Meinung übereinstimmt”, um dann zu betonen, daß dies besonders im Hinblick auf die Vergangenheit gälte und er versuche, diese Vergangenheit in seinen Büchern neu zu arrangieren.

Atzmon spricht dabei aus Erfahrung, so verließ er das Gelobte Land schon im Jahre 1993, weil er die geistige Enge und zionistische Indoktrination seiner Landsleute dort nicht mehr aushielt. Seit 1994 lebt er in London, von wo aus er sich nicht nur in musikalischer Richtung betätigt, sondern auch in israelkritischer. Die Reaktionen in Israel auf letzteres ließen nicht lange auf sich warten. So wurde sein Buch „Anleitung für Zweifelnde“, das 2001 erschien, in Israel trotz hervorragender Kritiken schon nach zwei Wochen verboten. Ein klares Beispiel dafür aus welcher Materie die angeblich einzige Demokratie des Nahen Ostens tatsächlich beschaffen ist.

Über seine Kritik an Israel sagte Atzmon schon im vergangenen Jahr u. a.: „Möglicherweise gibt es Leute, die mir Antisemitismus vorwerfen, weil ich Israel kritisiere. Viele der kritischsten und wichtigsten Stimmen gegen Israel kommen von Juden. Wir kritisieren Israel wegen der andauernden untragbaren Grausamkeiten, die von diesen Israelis begangen werden.“ Gleichzeitig betonte er: „Jeder Palästinenser muss die gleichen Rechte erhalten und vollständig mit den israelischen Juden gleichgestellt werden.“

In Bochum ging er jedoch sogar noch etwas weiter. So schreiben die RUHR-NACHRICHTEN in ihrem Bericht über diese Veranstaltung am 29. November: „…Was folgte, war eine hitzige Debatte zwischen dem Literaten und dem Publikum, in deren Verlauf mehrere Zuschauer unter Protest den Saal verließen. Atzmon bezeichnete die uns bekannte Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust als eine komplette, von Amerikanern und Zionisten initiierte Fälschung. Der wahre Feind sei nicht Hitler, sondern Stalin gewesen. Die Deutschen sollten dies endlich erkennen und sich nicht länger schuldig und auch nicht verantwortlich fühlen. “Ihr seid die Opfer”, meinte Atzmon. Die Bombenangriffe auf deutsche Städte hätten stattgefunden, weil die Amerikaner diese Bomben besaßen und einsetzen wollten. Und genauso sei es auch in Vietnam und heute in Afghanistan und im Irak gewesen. Das wahre Böse unserer Zeit seien George W. Bush, Tony Blair und Ariel Sharon.“

Die Reaktionen im Publikum kann man wohl lebhaft erahnen. Doch ist das noch nicht einmal der Höhepunkt. So heißt es in den RUHR-NACHRICHTEN weiter: „Besonders heftig entbrannte die Diskussion, als Atzmon die Zahl der während des Holocausts umgekommenen Juden in Frage stellte und argumentierte, es gäbe “keinerlei forensischen Beweis” dafür, dass diese wirklich 6000000 betragen habe. Eine These, die ihm massive Kritik seitens des Publikums einbrachte.“ Nun sollte man ja eigentlich meinen, daß eine so politisch korrekte Einrichtung wie der Langendreer Bahnhof an dieser Stelle die Polizei gerufen hätte, um diesem Fall von geradezu eklatanter „Holocaustleugnung“ ein Ende zu bereiten, doch statt dessen müssen wir am Ende des Zeitungsartikels lediglich lesen: „Schließlich unterbrach Frank Schorneck, Veranstalter des Festivals, das Streitgespräch, um den musikalischen Teil des Abends einzuleiten. Doch den im Saal verbliebenen Zuhörern war die Lust auf die durchaus beeindruckenden Jazz-Improvisationen von Atzmon und “The Orient House Ensemble” sichtlich abhanden gekommen.

Zwei Tage später folgte dann noch eine auf bo-alternativ.de veröffentlichte Erklärung des Langendreer Bahnhofs in der es hieß: „Der Bahnhof Langendreer war am Sonntag, dem 27.11.2005, Veranstaltungsort für den Abschluss des Macondo Literaturfestivals mit dem Auftritt des israelischen Schriftstellers und Musikers Gilad Atzmon, der zu heftigen Diskussionen und Protesten von Besuchern geführt hat. Wir wollen bewusst nicht zu allen in Atzmons Vortrag verbreiteten Thesen und Auffassungen Stellung nehmen, sondern stellen fest, dass der millionenfache Mord der deutschen Nationalsozialisten und ihrer Helfer an den Juden Europas und die Verbrechen an den Völkern der Welt mit keinem anderen Ereignis der Vergangenheit oder Gegenwart vergleichbar ist. Jede Relativierung, jeder Vergleich mit anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, egal vor welchem politischen, religiösen oder philosophischen Hintergrund auch immer, verlässt eindeutig den Rahmen einer von uns gewollten streitbaren und kontroversen Auseinandersetzung und wird von uns aus tiefster Überzeugung abgelehnt.”

Nicht ohne Erstaunen fragen wir: Ist das alles? Oder waren wir in den letzten Wochen so sehr in einer Art alkoholisch bedingten Dauerkoma, daß wir den Prozeß gegen Ernst Zündel, die Auslieferung Germar Rudolfs an die bundesdeutsche Justiz und die Verhaftung David Irvings, die genau aus den Gründen erfolgten, die der jüdische Musiker jetzt neulich im Langendreer Bahnhof vortrug, nur geträumt haben? Anders ist das wohl nicht zu erklären.

Offenbar muß man in der Tat wohl erst Jude sein, um solche Thesen in Deutschland verbreiten zu können, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Vielleicht sollte man sich ja bei der Bochumer Staatsanwaltschaft in dieser Angelegenheit erkundigen und nachfragen, seit wann denn es dann in Deutschland ein Zweiklassenstrafrecht gibt, daß einem Nichtdeutschen Aussagen wie diese erlaubt, während es die nahezu gleichen Inhalte, geäußert von Deutschen, oder mit ihnen sympathisierenden Ausländern, sofern diese keine Juden sind, strafrechtlich verfolgt. Das gleiche gilt natürlich auch für die Bochumer Linke, die wohl jeden anderen in der Luft zerrissen hätte, wenn dieser auf ihrem Hoheitsgebiet solche Töne geschwungen hätte. Meinungsfreiheit ist doch was feines, nur schade, daß sie nicht für alle gilt, aber da sind wir schon wieder beim Anfangsmotto unserer kleinen Betrachtung: « Quod licet Jovi, non licet bovi » =

In diesem Fall liegen die Internet-Nazis sogar richtig. Mein kluger Freund Natan aus Jaffo sagt es so: "Es kann einer aussehen wie Hitler, reden wie Hitler, stinken wie Hitler. Ist er Jude, ist er koscher."
So hat jeder seinen koscheren Juden. Der Piper Verlag seinen Finkelstein, die National Zeitung ihren Menuhin und die Scene den Gilad.

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