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  02.-1.2005  12:01   +Feedback

"Ich bin nicht offen anti-israelisch"

Dr. Ludwig Watzal antwortet auf einen Text von Christian J. Heinrich.


Dr. Ludwig Watzal bittet uns um den Abdruck einiger
„Richtigstellungen“ auf einen Text von Christian J.
Heinrich, der sich auf „achgut.de“ kritisch mit dem
Wirken und den Werken von Dr. Ludwig Watzal
beschäftigt hat. Wir kommen der Bitte von Dr. Ludwig
Watzal gerne nach. Erstens sind wir Meinung, daß ein
Kritisierter die Gelegenheit haben sollte, seinem
Kritiker zu antworten, zweitens wollen wir Dr.
Ludwig Watzal nicht die Chance vermasseln, sich bis
zur Kenntlichkeit zu entblößen.

Der vor ein paar Tagen verstorbene Hanns Dieter Hüsch
läßt in einem seiner Texte zwei Reisende miteinander
reden. „Entschuldigen Sie bitte“, fragt der eine,
„fahren Sie nach Turin?“ – „Nein“, antwortet der
andere, „ich fahre nach Turin“. – „Ach so“, sagt der
erste, „ich dachte schon, Sie würden nach Turin
fahren“.

Das ist auch die Methode Watzal, nur ohne den Witz von
Hanns Dieter Hüsch. Hat man seine „Richtigstellungen“
gelesen, reibt man sich verwundert die Augen und fragt
sich: Was hat der Mann nur? Der bestätigt doch alles,
was er nicht gesagt haben will.

In einem Punkt freilich hat unser Kollege Christian J.
Heinrich, der gerade Indien und China bereist und
deswegen nicht selbst antworten kann, zu hoch
gegriffen. Dr. Ludwig Watzal ist in der Tat kein
„führender Mitarbeiter“ der Bundeszentrale für
politische Bildung, sondern nur ein Rädchen im
Getriebe der angewandten Umtriebigkeit, ein Experte
für alles und nichts, der mit großer Hingabe über
Dinge schreibt, von denen er keine Ahnung hat, einer
von drei Redakteuren der Zeitschrift „Aus Politik und
Zeitgeschichte“, die als Beilage zur Wochenzeitung
„Das Parlament“ erscheint.

Watzal hat, nach eigener Zählung, im Jahre 2oo3
sechs Texte auf „antiimperialista.org/intifada“ veröffentlicht, findet
es aber „abwegig“, aus dieser Tatsache „eine Nähe zu
dieser Website“ abzuleiten. Er hat aus großer
Entfernung zugesehen, wie seine Texte, die er per
e-mail eingeschickt hatte, veröffentlicht wurden.
Dabei hat er nicht einmal mitbekommen, daß die
Betreiber von „antiimperialista.org/intifada“ den
„Widerstand“ im Irak unterstützen und zu Geldspenden
für die Widerständler aufrufen, die fast jeden Tag
Zivilisten in die Luft jagen.

Gegen eine Nähe zudieser Website spricht auch,
daß Watzal auf seiner Homepage noch vor kurzem
jede seiner Geschichte auf „antiimperialista.org“
verlinkt hatte. Diese Links hat er erst entfernt,
als seine Connection ruchbar wurde. Besonders apart
ist der Hinweis, was denn an den „Vorwürfen“
zutreffend sein soll, wenn „die Organisation und die
Zeitschrift“ „frei arbeiten bzw. erscheinen können“.
Diese Frage müßte Watzal an die zuständigen
österreichischen Stellen richten.

Auch das ist die Methode Watzal. Er argumentiert am
liebsten über die Bande.

„antiimperialista.org/intifada“ darf frei arbeiten und
erscheinen, also ist nichts dabei, wenn Dr. Ludwig
Watzal dort veröffentlicht, was er aber genau genommen
nicht getan hat, weil er seine Texte nicht persönlich
abgegeben, sondern nur per e-mail hingeschickt hat.
Und was die Frage nach dem „Inhalt“ der Beiträge
angeht: die Terror-versteher und Unterstützer von
„antiimperialista.org/intifada“ haben die Texte von
Dr. Ludwig Watzal wohl nur deswegen übernommen, weil
sie mit der Tendenz der Beiträge nicht einverstanden
waren. Wie das so üblich ist bei Überzeugungstätern,
die ihre Theorie in die Praxis umsetzen wollen.

So gelingt es Watzal, sich selbst davon zu überzeugen,
daß er mit seinen eigenen Texten nichts zu tun hat.
Die Überschrift „Eine Israelisierung der Welt“ wurde
„von der Redaktion bestimmt“. Das wird sicher stimmen,
nur handelt der Text genau davon, was in der
Überschrift steht. Die „US-Besatzer im Irak“ haben von
der „israelischen Besatzungs-macht“ gelernt. Und
natürlich macht es für Watzal einen Riesenunterschied
aus, ob der Titel in Wirklichkeit der Untertitel war
oder umgekehrt. Auf solche Feinheiten legt Watzal
größten Wert. Er habe nie darüber spekuliert, ob
Israel als „Atommacht Angst vor einem spastisch
Gelähmten“ haben müsse, sondern geschrieben: „Daß die
israelische Armee sich nicht scheute, diesen hilflosen
Rollstuhlfahrer anzugreifen, sprengt alle Maßstäbe.
Warum hatte eine Atommacht Angst vor einem spastisch
Gelähmten?“

Hmm? Worin liegt der Unterschied zwischen dem Satz, den er
nicht gesagt hat, und dem Satz, zu dem er sich
bekennt? Worauf will Watzal hinaus?
Da der Spasti im Rollstuhl, dort die Atommacht. Das
sprengt alle Maßstäbe. Leider war der Spasti nicht nur
hilflos, sondern auch ein Drahtzieher des Terrors.
Aber das zählt nicht für Dr. Ludwig Watzal, der ein
Herz für hilflose Rollstuhlfahrer hat, die Terror
predigen und andere in den Tod schicken.

Und so könnte man jede der Watzalschen
„Richtigstellungen“ auf ihren Kern zurückführen: Der
Mann weiß nicht, was er tut und erst hinterher fällt
ihm ein, wie er es nicht gemeint hat. Er zitiert ja
nur - u.a. solche Kapazitäten wie den irren
„amerikanischen Politikwissenschaftler Norman
Finkelstein“, der genau das sagt, was Watzal denkt,
daß nämlich die Erinnernung an den Holocaust
mißbraucht wird, um die israelische Politik gegenüber
den Palästinensern zu rechtfertigen.

Im Gegenzug desinfiziert er die Taten und Untaten der
Palästinenser.

Scheich Yassin war nur ein „hilfloser
Rollstuhlfahrer“, und wenn bei einem Terroranschlag
auf eine Disko in Tel Aviv 21 Teenager getötet werden,
dann spricht Dr. Ludwig Watzal von einer „Explosion in
der Diskothek“, (FREITAG, 3.6.2oo5), als wäre eine
undichte Gasleitung für das Unglück verantwortlich.
Von Terror ist da keine Rede, nicht einmal die Zahl
der Opfer wird genannt. Mit der gleichen Logik könnte
man sagen, die Menschen in Auschwitz seien an akuter
Atemnot gestorben, faktisch stimmt es ja, und schon
Adorno wußte, daß man auch mit der Wahrheit lügen
kann.

„Mir kann kein Antisemitismus vorgeworfen werden“,
sagt Dr. Ludwig Watzal als Zeuge in eigener Sache. Der
Antisemit, der sich zu seinem Ressentiment fröhlich
bekennen würde, ist inzwischen freilich eine Rarität,
seltener noch als die blaue Mauritius. Möllemann war
es nicht, Hohmann will es auch nicht sein. Der neueste
Trick der praktizierenden Antisemiten besteht im
Gegenteil darin, den Holocaust zu historisieren, um
auf die akuten Verbrechen der Israelis hinzuweisen.

Ob Watzal ein Antisemit ist oder nicht, ist zudem
vollkommen zweitrangig. Entscheidend ist, daß er
massive Inkompetenz mit einem unheilbar guten Gewissen
verbindet und Kritik an seinem Auftreten als
„Diffamierung“ empfindet. Dabei findet er, der den
Art. 5 des GG „für jeden Staatsbürger“, also vor allem
für Watzal gelten lassen will, nichts dabei, hinter
den Kulissen zu intervenieren, sobald er Wind davon
bekommt, daß etwas über ihn geschrieben werden soll.

Hier also Dr. Ludwig Watzals „Richtigstellungen“ auf
den Text von Christian J. Heinrich. Weitere
Richtigstellungen werden unsererseits stets gerne
entgegen genommen:


= Betr.: Artikel auf Ihrer Website „Achse des Guten: Michael Miersch"

Deutscher Bildungsbeauftragter arbeitet für eine pro-terroristische Webseite
Von VoKo Christian J. Heinrich (gekürzt von mm)

Sehr geehrte Damen und Herren der „Achse des Guten“

Ich bitte um Abdruck folgender Richtigstellungen:

Beim Artikel von Herrn Christian J. Heinrich (gekürzt von mm) handelt es sich um Collagen, die aus falschen Tatsachenbehauptungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Satzfetzen bestehen. Sie dienen einzig und allein dazu, mich zu diffamieren.

- Die falschen Behauptungen beginnen bereits mit der Überschrift des Beitrages. So behauptet Herr Heinrich, „Ludwig Watzal, ein führender Vertreter der wichtigsten demokratischen Bildungsinstitution in Deutschland, der Bundeszentrale für politische Bildung, veröffentlicht wiederholt Artikel auf einer pro-terroristischen Webseite, der „antiimperialista.com“ und arbeitet für deren Internetmagazin „Intifada“.

- Dies ist falsch: Ich bin kein führender Mitarbeiter „der wichtigsten demokratischen Bildungsinstitution“, sondern einer von drei Redakteuren der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“. In dem Beitrag wird suggeriert, ich veröffentlichte wiederholt auf einer „pro-terroristischen Website“ und in deren Internetmagazin „Intifada“. Auch das ist falsch. Richtig ist, dass von mir ausschließlich im Jahr 2003 zwei Artikel und vier Buchbesprechungen gekürzt in der Zeitschrift „Intifada“ nachgedruckt wurden. Alle Beiträge waren vorher bereits in renommierten Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Daraus eine Nähe zu dieser Website herzuleiten, ist abwegig. Abgesehen von der Zusendung dieser Beiträge per e-mail hatte ich weder vorher noch nachher irgendwelchen Kontakt zu dieser Zeitschrift, zu der Website schon gar nicht. Es ist schon seltsam, dass sich Herr Heinrich nicht mit dem Inhalt meiner Beiträge auseinandersetzt. Wenn diese Vorwürfe gegen die Organisation und die Zeitschrift zutreffend sein sollten, frage ich mich, warum beide in Österreich noch frei arbeiten bzw. erscheinen können.

- Falsch ist weiterhin, dass ich an eine »Israelisierung der Welt« glaube und „antiamerikanische und antiisraelische Verschwörungstheorien“ verbreite. Mir sind alle Verschwörungstheorien ein Greuel. In keinem meiner Bücher oder zahlreichen Artikel verbreite ich „antiamerikanische und antiisraelische Verschwörungstheorien“. Außerdem glaube ich nicht an „Eine Israelisierung der Welt“. Dieser Titel wurde von der Redaktion bestimmt. In dem Beitrag in der Zeitschrift „International“ (3/2004) geht es konkret um Unterdrückungsmaßnahmen der US-Besatzer im Irak, die denen der israelischen Besatzungsmacht sehr ähneln. http://www.watzal.com/f_pub.html - also um nichts „Verschwörungstheoretisches“, sondern nur Politisch-konkretes.

- Weiterhin falsch ist die Behauptung, ich agierte „nicht nur im linksextremistischen Umfeld“ und sei „offen anti-israelisch“. Weder agiere ich in diesem Umfeld, noch bin ich “offen anti-israelisch“. Ich habe mich noch nie in diesem Milieu bewegt. Auch habe ich mich immer nur kritisch gegenüber der Besatzungspolitik Israels, den Menschrechtsverletzungen gegenüber den Palästinensern und den Verstößen Israels gegen das Völkerrecht geäußert. Was soll darin „offen anti-israelisch“ sein?

- Falsch ist ebenfalls, dass ich im Rahmen meiner Tätigkeit für die Bundeszentrale als „Redakteur“ für die Zeitschrift „Das Parlament“ arbeite. Im Rahmen der „Bundeszentrale“ arbeite ich für die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)“. Die Wochenzeitung „Das Parlament“ wird vom Deutschen Bundestag herausgegeben. In dieser Wochenzeitung bespreche ich von Zeit zu Zeit Bücher und schreibe manchmal einen Beitrag als „freier Journalist“. Ob Herr „Thomas Krüger Anfang 2005 mehrfach erklärt“ habe, Watzal dürfe sich nicht zu Israel äußern, kann ich nicht beurteilen. Gilt Artikel 5 GG nicht für jeden Staatsbürger?

- Ebenso falsch ist Folgendes: Der Titel des Kommentars im „Freitag“ vom 26. März 2004 lautete nicht „Öffentliche Hinrichtung von Scheich Ahmed Yassin“, wie behauptet, sondern „Auch Arafat ist gemeint“. Ersterer Titel war nur der Untertitel. Falsch ist ebenfalls, dass ich in diesem Beitrag Hamas als „soziale Bewegung“ gewürdigt habe. Diese Bezeichnung taucht in dem Kommentar überhaupt gar nicht auf. Ich berufe mich in diesem Beitrag auf zwei israelische Wissenschaftler, wenn ich Folgendes schreibe: „Andere Stimmen – etwa die der beiden israelischen Sozialwissenschaftler Shaul Mishal und Avraham Sala, die Hamas vorzugsweise als ein soziales Netzwerk qualifizieren, das für ein beachtliches Bildungs- und Beschäftigungsprogramm in den palästinensischen Autonomiegebieten Sorge trägt – bleiben unbeachtet.“ Auch spekulierte ich nicht, ob Israel als „Atommacht Angst vor einem spastisch Gelähmten“ haben müsse“, sondern ich schreibe: „Dass die israelische Armee sich nicht scheute, diesen hilflosen Rollstuhlfahrer anzugreifen, sprengt alle Mäßstäbe. Warum hatte eine Atommacht Angst vor einem spastisch Gelähmten?“

- Die falschen Behauptungen treffen auch auf meinen Kommentar im „Deutschlandradio“ vom 16. September 2004 zu: Der Titel lautete nicht, wie von Heinrich behauptet, „Haim Sabans Geschäfte in Deutschland“, sondern „Haim Saban, die Medien und Israel“. Auf die Frage: „Was haben Michel Friedman, Michael Wolffsohn und Haim Saban gemeinsam?“ soll ich geantwortet haben „Israel“. Richtig ist: „Allen drei liegt Israels Zukunft am Herzen.“ Weiter geht es mit falschen Behauptungen, dass ich „in diesem Zusammenhang von ´Holocaust Industrie`“ gesprochen habe. Heinrich beruft sich hierbei auf Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Berliner Technischen Universität, die in einem Beitrag der Tageszeitung „Die Welt“ vom 20. September 2004 wie folgt zitiert wurde: Watzal benutze die typischen antisemtischen Klischees vom „jüdischen Kapital“ und „jüdischer Macht“. Die Bezeichnung „Jude“ oder „jüdisch“ taucht in meinem Kommentar an keiner Stelle auf. Im Original heißt es dagegen: „Kritisiert der amerikanische Politikwissenschaftler Norman Finkelstein nicht zu Recht, dass die Holocaust-Erinnerung für politische Ziele instrumentalisiert werde, um z. B. die israelische Okkupationspolitik und die damit einhergehenden Ungerechtigkeiten gegenüber den Palästinensern zu rechtfertigen? Die Eskapaden der sogenannten Holocaust-Industrie sind jedenfalls ziemlich bizarr und eine Beleidigung für die Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Die Aktionen Sabans haben aber nichts mit Verschwörungsdenken zu tun, sondern sie sind ein Beleg dafür, wie symbiotisch das Verhältnis von Macht und Geld ist.“ In meinem Leserbrief an „Die Welt“ vom 1. Oktober 2004 habe ich folgendes geschrieben: “Ein solches Verhältnis ist in einer kapitalistischen Gesellschaft nichts besonderes, es ist allgegenwärtig - in den USA, Italien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien etc. Dankenswerterweise erwähnt Mülder, dass ich Berlusconi als ein Beispiel für diese Liaison genannt habe. In unserem Gespräch habe ich auch das Verhältnis zwischen Leo Kirch und Helmut Kohl genannt, was er leider nicht erwähnt hat.“ In der „Tageszeitung“ (taz) vom 6. Oktober 2004 habe ich zu diesem Verhältnis von Macht und Geld gesagt: „Das beste Beispiel für die Symbiose von Macht und Geld war Helmut Kohl im Zusammenspiel mit Leo Kirch.“

Abschließend möchte ich noch einmal wiederholen, dass ich weder eine „pro-terroristische Website“ „unterstütze“ und für diese „arbeite“, noch als „radikaler ´antizionistischer` Aktivist bekannt“ bin. Diese Behauptungen sind ein Hirngespinst. Meine Publikationen und Vorträge geben dafür keinerlei Anlass. Mir kann kein Antisemitismus vorgeworfen werden.

Was die angehängten Informationen in meinem Fall beweisen sollen, bleibt das Geheimnis von Herrn Heinrich und dem für Kürzungen Verantwortlichen mm.

Mit freundlichen Grüßen
Ludwig Watzal =

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