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  01.00.2006  13:00   +Feedback

Ein stolzer Jude, der Israel liebt

Es läuft nix schief, Burkhard, das ist höhere Gewalt, Vorrrrsehung!
Der Tag fing gut an. Ich wachte in einer Junior Suite des Kölner Dom Hotels auf, nachdem ich am Vortag bei "hart aber fair" erklärt hatte, warum ich keinen Dauerauftrag zugunsten der GEZ ausfüllen mag, frühstückte ausgiebig und ging dann zu Fuß rüber zum Hauptbahnhof. Dabei stellte ich fest, daß die Treppe vom Bahnhofsplatz zur Domplatte nach nur 2o Jahren Bauzeit fertiggestellt war, eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, daß der Dom nach über 75o Jahren Bauzeit noch immer nicht vollendet ist. Dafür war die berühmte Reibekuchen-Bude nicht mehr da, das Beste, das die Kölner Küche lange Jahre zu bieten hatte.
Ich fuhr mit der S-Bahn nach Deutz, um dort von einem aufgeregten DB-Helfer zu erfahren, daß der ICE nach Frankfurt eine Stunde Verspätung hatte. Daraufhin hetzte ich zurück zum Hauptbahnhof und fiel in einen Zug, der zum Frankfurter Flughafen fuhr. Ich kam also noch pünktlich beim Landgericht an, dafür ließ uns die 3. Kammer eine halbe Stunde warten.
Auf dem Flur ging ein Anwalt auf mich zu und fragte: "Sind Sie Herr Melzer?" Es war Melzers Anwalt, und er hatte Melzer bis dahin nicht gesehen.
Ich nahm es ihm nicht übel, denn auch ich erkannte meinen alten Freund Abi nicht wieder. Ist der alt geworden! Ein pensionierter Gebrauchtwagenhändler sieht nach 24 Stunden Kegeln frischer aus.
Melzers Anwalt schlug sich tapfer, obwohl er nicht Melzers erste Wahl war. Abi wollte sich von RA Seibert aus Köln vertreten lassen, aber der mochte das Mandat nicht annehmen. Danke, Wim, alter Freund, Du hast Dir und mir einen großen Gefallen erwiesen!
"Herr Melzer ist kein Anti-Jude", sagte Abis Anwalt, "als engagierter Jude muß er sich nicht des Antijudaismus bezichtigen lassen!" Worauf Melzer noch einen drauf sattelte: "Ich bin ein stolzer Jude, ich liebe Israel!"
Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite und ich sah alt aus. Aber wenn sich das bei Melzers Freunden rumspricht, wird er um ihn sehr einsam werden. Leider war Hajo Meyer nicht zu der Verhandlung gekommen. Er sitzt in seinem Häuschen und wartet das Ende des Judentums ab.
Die Verhandlung dauerte eine knappe Stunde. Dann erklärte der Vorsitzende Richter, die Kammer werde eine Weile brauchen, um sich alles durch den Kopf gehen zu lassen.
Hinterher waren wir alle zusammen bei Sohar's essen. Rene hatte einen Tisch bestellt. Leon gab Autogramme. Es gab gehackte Leber, Lachs, Eiersalat, Falafel und Humus, Kalbsschnitzel und Hühnerbrust.
Und so wurde es doch noch ein schöner Tag.

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