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  02.00.2006  02:01   +Feedback

Watzal - die unendliche Geschichte

Wie der "Nahost-Experte" ein Studi-Magazin verklagte und beinah gewann

Die Professoren des ehemaligen Seminars für Politsche
Wissenschaft (jetzt: Institut für Politische Wissenschaft
und Soziologie) der Bonner Uni waren empört.
Selbstverständlich stellten sie sich hinter Ludwig Watzal,
der immer noch als Lehrbeauftragter auf der Homepage
des Seminars geführt wird. In der Ausgabe 313 des
Bonner Uni-Magazins "Akut", das vom Studierendenparlament
(SP) herausgegeben wird, machte ein unter dem Pseudonym
„Stimpson J. Cat“ schreibender Autor auf die
journalistischen Umtriebe Watzals aufmerksam. Dieser sah
sich daraufhin genötigt, seinen Kölner Rechtsanwalt Winfried
Seibert eine „strafbewehrte Unterlassungserklärung“
aufsetzen zu lassen, die RA Seibert an den damaligen
"Akut"-Chefredakteur Andie Haller und den Sprecher des
Studierendenparlamentes Felix Kalkum schickte. Sie sollten
erklären, dass in "Akut" nicht mehr zu lesen
sein werde, dass für Watzal die „Existenz Israels eine Farce“ sei
und dass der Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische
Bildung dem Staat Israel das Recht auf Selbstverteidigung abspreche.

Der Autor des fraglichen Beitrags („Transformation des
Nationalismus - Exemplarische Beobachtungen am Bonner
Seminar für Politische Wissenschaft“) bezog sich dabei auf den Text „Aus der Traum“ von Watzal aus der Wochenzeitung „Freitag“ vom 16. Februar 2001. Die meisten Texte aus Watzals Feder finden sich auf seiner Homepage www.watzal.com. Leider können dort die fünf Beiträge
Watzals, die auf der Internetseite www.antiimperialista.com erschienen sind, nicht mehr eingesehen werden. Watzal hat sie gelöscht.

Watzal argumentierte im Freitag gegen die Grundlage Israels, den Zionismus: „Die Prämissen dieser Ideologie [des Zionismus, M.E.] sind
anarchronistisch und gehören ins Geschichtsmuseum. Sie
taugen nicht mehr für ein modernes Israel im Zeitalter der
Globalisierung – ein Israel, das sich nicht mehr als ein
rein jüdischer Staat verstehen sollte, sondern als Staat
aller seiner Bürger.“ - In dem Text „Transformation des
Nationalismus“ resümierte der Akut-Autor: „Die Existenz Israels
ist für ihn [Ludwig Watzal, M.E.] eine Farce.“ Gegen diese
Behauptung wehrte sich Watzal. Dennoch ist nach seinen
eignenen Worten Israel als jüdischer Staat „im
Zeitalter der Globalisierung“ ein „Anarchronismus“.

Bezug nehmend auf einen Artikel Watzals in den Schweizer
Monatsheften schrieb Stimpson J. Cat, Watzal spreche
Israel das „sogenannte Recht auf Selbstverteidigung“ ab.
In der Tat läßt sich in den Schweizer Monatsheften
Nr.4/2004 ein Text von Watzal mit dem Titel „Gefährliche
Reduktion - Zur 'Israelisierung' amerikanischer
Aussenpolitik“ finden. Darin schrieb der "Nahost-Exxperte"
Watzal über Tötung von Scheich Ahmed Yassin
durch ein israelisches Kommando: „Weder im Völkerrecht noch
sonst in einer Rechtsordnung gibt es ein übergeordnetes Prinzip,
das einer Regierung das Töten von Menschen erlaubt – auch
nicht das sogenannte Recht auf Selbstverteidigung, auf das
Sharon sich beruft.“ Wenn Watzal die Vokabel
„sogenannt“ gebraucht, also das Recht auf
Selbstverteidigung gewissermaßen in Anführungszeichen
setzt, warum soll dann die Interpretation von Stimpson J.
Cat abwegig sein?

Der SP-Sprecher, Felix Kalkum, hatte die
Unterlassungserklärung unterschrieben. Im vorauseilenden Gehorsam ordnete
er gleichzeitig die Einsammlung der ausgelegten Exemlare
der "Akut" an, obwohl dies gar nicht gefordert war. Da
sich der ehemalige Akut-Chefredakteur weigerte, Seiberts
Unterlassungserklärung zu unterschreiben, kam es am 12.
Januar 2006 vor dem Landgericht Bonn zur Verhandlung.
Sie endete mit einem Vergleich: Die Gerichtskosten werden geteilt
und jeder zahlt seinen Anwalt. Watzal darf nun
einen Leserbrief für die nächste Ausgabe der Akut
formulieren. Der Richter gab ihm keine Gelegenheit, eine
angebliche Kampagne gegen seine Person vor Gericht zu
beklagen. Dies, so der Richter, wäre nicht Gegenstand der
Verhandlung.

Magnus Engenhorst
(Student der Physik und Mathematik und Referent für
politische Bildung des Asta der Uni Bonn)

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