Henryk M. Broder 01.02.2006 21:25 +Feedback
Mal so herum und mal andersrum - Zörner gegen Konken
DJV kritisiert Abdruck vom Mohammed-Karikaturen
Berlin (epd). Der Deutsche Journalisten-Verband hat den Abdruck von
Mohammed-Karikaturen in deutschen Tageszeitungen kritisiert. Die
Karikaturen seien geeignet, das religiöse Empfinden von Muslimen zu
verletzen. Dies sei nach Ziffer zehn des Pressekodex jedoch nicht mit
der Verantwortung der Presse zu vereinbaren, sagte DJV-Sprecher
Hendrik Zörner auf epd-Nachfrage.
Deutsche Tageszeitungen, darunter „Die Welt“ und die „Berliner
Zeitung“, hatten am Mittwoch Karikaturen über den Propheten Mohammed
abgedruckt. Unter anderem wurde Mohammed mit einem Turban in Form
einer Bombe gezeigt. Die Karikaturen waren Teil der Berichterstattung
zu dem seit Herbst 2005 in Dänemark entbrannten „Karikaturen-Streit“.
Am 30. September 2005 hatte die bürgerliche „Jyllands-Posten“ zwölf
Mohammed-Karikaturen gedruckt. Hintergrund war der Wunsch des
dänischen Jugendbuchautors Kore Bluitgen, ein Buch über das Leben des
Propheten Mohammed illustrieren zu lassen. Drei Zeichner, die er
anfragte, lehnten ab, weil der Islam es untersagt, den Propheten
abzubilden. „Jyllands-Posten“ erfuhr von der Geschichte und
beschloss, den Vorgang zu prüfen. Die Zeitung fragte bei der
Vereinigung der dänischen Zeitungskarikaturisten an, ob ihre
Mitglieder bereit wären, Zeichnungen des Propheten zu entwerfen.
Zwölf griffen schließlich zum Stift.
DJV-Sprecher Zörner erklärte, er habe sich die in der „Welt“
nachgedruckten Karikaturen angesehen. Auf Grund der Anzahl (fünf) und
der Art der Zeichnungen, sei ein Verstoß gegen Paragraf zehn des
Pressekodex' möglich. In ähnlichen Fällen habe der deutsche Presserat
bereits Rügen ausgesprochen, dabei sei es auch um Karikaturen zu
christlichen Symbolen gegangen.
In Dänemark ist der Streit um die Karikaturen in den vergangenen
Tagen eskaliert. Libyen schloss Ende der vergangenen Woche seine
Vertretung in Kopenhagen, Saudi-Arabien rief seine Botschafter nach
Hause. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und die
Arabische Liga beschwerten sich bei der dänischen Regierung. In
Saudi-Arabien wurde zudem zum Boykott dänischer Waren aufgerufen.
Über das Internet wurden die Karikaturen auch in den
Palästinenser-Gebieten verbreitet. Dort kam es zu Demonstrationen,
bei denen eine dänische Flagge verbrannt wurde. In einem
Internetaufruf wurden Muslime aufgerufen, die Internetseite von
„Jyllands-Posten“ lahm zu legen. Am Dienstag ging bei der Zeitung
eine Bombendrohung ein.
Am selben Tag hatte sich „Jyllands-Posten“ bemüht, den Streit
beizulegen und eine Erklärung verbreitet, nach der das Blatt es
bedauere, „eine Reihe von Menschen in ihrem Glauben verletzt“ zu
haben. Gleichzeitig erklärte das Blatt, dänische Imame und arabische
Botschafter in Dänemark wären in der Lage, den Brand, den diese
erzeugt hätten, auch wieder zu löschen. Die dänische Regierung und
auch „Jyllands-Posten“ hätten die Hand ausgestreckt. Dänemarks
Botschafter in Berlin, Carsten Sondergaard, hatte bekräftigt, dass
sein Land sämtliche Religionen respektiere. (01409/1.2.2006)
DJV: "Meinungsfreiheit ist ein demokratischer Grundwert"
„Die Mordaufrufe von Islamisten gegen dänische Journalisten sind durch nichts zu rechtfertigen“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken am heutigen Mittwoch. Die freie Meinungsäußerung sei ein Grundwert der Demokratie. Konken nahm damit Stellung zu den Reaktionen radikaler Gruppierungen in Bezug auf die Veröffentlichung von islamkritischen Karikaturen in einer dänischen Zeitung.
Der Nachdruck der Karikaturen in deutschen Zeitungen sei, so der DJV-Vorsitzende, ein notwendiger Beitrag zur Meinungsbildung, dessen Ziel nicht die Verletzung religiöser Gefühle gewesen sei.
