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  02.00.2006  02:01   +Feedback

Der Klub der toten Hosen

Gut denken können sie schlecht, aber schlecht schreiben können sie prima. Kleine Auswahl von Leserbriefen auf einen Artikel von Klaus Bittermann in der "jungen welt":

DAS SIND SIE MIR NICHT WERT, DASS ICH MEINE ZEIT VERGEUDE...

Sg Damen und Herren,

über den „Gift und Galle“ spuckenden Beitrag von Klaus Bittermann kann
ich nichteinmal mehr lachen. Zwar könnte ich auch gegen diesen Beitrag
gerichtlich vorgehen, aber das sind Sie mir nicht wert, dass ich meine
Zeit vergeude, um diese perfide Lügen und Unterstellungen zu verbieten.
Ihre Leserschaft ist intelligent genug sich selber ein Urteil zu bilden
und die Sympathie und Solidaritätskundgebungen, die ich nach dem Urteil
gegen Broder erhalten habe, sind mir wichtiger, als ein solcher Beitrag
voller Häme und dummes Geschwafel von jemanden, der offensichtlich
Broder in Schutz nehmen will. Meinetwegen.

Meinen offenen Brief an Stefan Aust mit „verpetzte er Broder bei dessen
Chef“ zu kommentieren, ist nicht nur infantil, sondern dumm. Und während
die gesamte Presse (FAZ, SZ, FR u.a.) ganz klar betitelt hat, dass
Broder im Prozess unterlag (FAZ: Gericht fällt Urteil gegen Broder;
Rhein-Main-Zeitung: Melzer obsiegt über Broder;TAZ: Frankfurter Gericht
untersagt dem jüdischen Autor Broder, den jüdischen Verleger Melzer
einen Antisemiten zu schelten), schreibt Broders Freund Bittermann von
einem „salomonischen Urteil“. Papier ist geduldig und das Papier auf dem
Ihre Zeitung gedruckt wird muß offensichtlich viel erdulden.

Mit freundlichen Grüßen
A. M.

EIN AKT DER GESELLSCHAFTLICHEN HYGIENE

Über Herrn Bittermanns Beitrag zum Prozess Melzer gegen Broder habe
ich mich sehr gewundert. Plötzlich glaubte ich, Springers/ WELT/,
nicht die /*Junge Welt*/* *zu lesen. Ich fühle mich in die
Regenbogenpresse versetzt. Anstelle der Sache der tatsächlichen
Problematik, der gelegentlich differenzierten, meist aber
undifferenzierten Drohung mit der Antisemitismus-Keule anlässlich des
Frankfurter Prozesses auf den Grund zu gehen, verliert sich Herr
Bittermann in Privatem. Das, was sich Herr Broder anlässlich der
Ringvorlesung an der Universität Leipzig und danach gegenüber dem
Autor Hajo Meyer und seinem Verleger Melzer an Ausfällen
gegengeleistet hat, ist aber keine private Frage. Privat ist jedoch
die mögliche frühere Beziehung der Beiden, Melzer und Broder und für
die Klage Melzers gegen Broder irrelevant, ja deren breite Behandlung
durch Bittermann peinlich bis ehrenrührig. Auf welch niedriges Niveau
begibt sich Ihr Autor Bittermann, wenn er sich eine Beurteilung der
verlegerischen Qualität von Abraham Melzer anmaßt? Wobei er sich
übrigens auf Glatteis gegibt, den die Arbeit des Melzer Verlages wird
von anderen als Herrn Bittermann sehr wohl positiv beurteilt. Was hat
Melzers Vater mit den andauernden Beleidigungen und Schmähungen seites
des Broder in dieser Angelegenheit zu suchen? Wie auch immer, eines
kann man Klaus Bittermann sehr wohl bescheinigen: eine totale
Unkenntnis der Inhalte der im Verlag Melzer erschienenen Bücher. Das
ist das tatsächliche Problem. So wurde, in der /Jungen Welt/ ein
Problem Broder zu einem Problem Bittermann. Dass der Jude Melzer mit
seiner Klage einen Akt der in Deutschland bitter notwendigen
gesellschaftlichen Hygiene erfüllt, gleichzeitig seinen Autor, den
81-jährigen Auschwitz-Überlebenden Dr. Meyer vor Beschmutzung
schützt und damit gleichzeitig eine neue, rationale Betrachtung der
Nahost-Politik fördert, das übersieht Herr Bittermann. Mit seiner
abschließenden Bemerkung bezeugt Bitteman im übrigen keine
Originalität: dies hat er woanders abgeschrieben. Ich las es zum
gleichen Thema kürzlich in einer Agitation gegen den Verleger Melzer

G. S.

AN ZYNISMUS GRENZENDE INDOLENZ

Ohne im Einzelnen in die Details dieser Auseinandersetzung eingeweiht zu
sein, haben mich doch Diktion und Argumentation des Beitrags von Klaus
Bittermann gleichermaßen irritiert. Statt der gebotenen sachlichen
Auseinandersetzung mit dem politisch brisanten Rechtststreit, flüchtet
sich der Autor in flapsige Bemerkungen, wie sie einem echten Altsponti in der taz zur Zierde gereichen würden. Bemerkenswert ist vor allem seine an Zynismus grenzende Indolenz gegenüber dem von den israelischen Besatzern an den Palästinensern verübten gravierenden Menschenrechtsverletzungen. Diese Menschenrechtsverletzungen sind traurige Realität, und das völlig unabhängig von der Person derjenigen, die sie kritsieren, ob sie nun Melzer oder Möllemann heißen. Die Diffamierung von Kritikern des israelischen Besatzungsregimes in Palästina als "Antisemiten" oder duchgeknalle Juden scheint mir hier nur einen Zweck zu verfolgen, nämlich den, diese Kritik generell moralisch ins Zwielicht und damit unter den Pauschalverdacht des Antisemitismus zu stellen. Es wundert mich, einen solchen Beitrag ausgerechnet in der "junge Welt"
zu lesen, von der ich im Allgemeien ein anderes Niveau gewöhnt bin.

Mit freundlichen Grüßen
A. B.

EIN SELBSTMORDATTENTAT

Nicht nur mir hat der Artikel von Klaus Bittermann zum Prozess Melzer
gegen Broder am Montag das Frühstück verdorben. Schon am Vormittag
erreichten mich mehrere Anrufe und Mails mit der Frage, ob ich „den Mist
schon gelesen“ hätte.
Mir ist unverständlich, dass zu diesem Thema ein Autor zu Wort gelassen
wurde, der offenbar zu Broders Hofstaat gehört und der gegenüber dessen politischem Kampfbegriff des „Antisemitismus“, der kaum noch etwas mit der Sache an sich zu tun hat, nicht die geringste kritische Distanz
erkennen lässt. Da die Junge Welt unter Broders Hassobjekten einen der
ersten Plätze einnimmt, erscheint mir diese Veröffentlichung wie ein aus
Kurzsichtigkeit zugelassenes Selbstmordattentat.
Die Webseite mit dem entlarvenden Namen „Achse des Guten“, deren Inhalt maßgeblich von Broder gestaltet wird, ist Teil eines Netzwerks, das sich im widerlichsten McCarthy-Stil der gezielten persönlichen Denunziation
und Hetze gegen „US- und Israelgegner, Saddam-undPalästinenserfreunde“
widmet, wie es eine besonders aktive Dreckschleuderin aus diesem Kreis
formulierte. Wer Zweifel hat, möge sich diese Seiten anschauen: Gemeint
ist unter anderem die Junge Welt. Und der Zweck ist Beihilfe zur
Vorbereitung des „Weltkriegs“ gegen immer mehr moslemische Staaten.
Ich hoffe, dass für Figuren aus Broders Hofstaat, ob sie dort nun als
Taschenträger, Mundschenk oder Hofnarr fungieren, künftig in der Jungen
Welt kein Raum mehr sein wird.
K. M.



VOM ETHISCHEN HER MACHT ES MICH FASSUNGSLOS,
VOM JOURNALISTISCHEN HALTE ICH ES FÜR EIN UNDING

Sehr geehrtes Redaktionsteam der "jungen welt",

ich habe gerade Klaus Bittermanns Beitrag "Tanz den Adolf Hitler" gelesen.
Was bitte ist hier passiert? Ist die "junge welt" von der "Welt" übernommen
worden? Liegt Ihr verantwortlicher Redakteur mit einer schweren Grippe
darnieder? Ich kann nicht ganz glauben, was ich da lese! Bisher war es doch
vor allem Ihre Zeitung, die auf das Leiden der Palästinenser und an ihnen
begangene Untaten hinwies und die es zu Recht ablehnte, dass Kritik an
solchen Greueln mit dem schlichten Etikett "antisemitisch" abgewatscht
wurde. Werner Pirker ist hier ein echter Hoffnungsschimmer im deutschen
Journalismus!
Wenn der Auschwitzüberlebende Hajo Meyer die mit eigenen Augen gesehenen Schrecken der israelischen Besatzung mit den ebenfalls eigenen Erfahrungen im Deutschland der dreißiger Jahre vergleichen kann, dann ist es selbstverständlich nicht nur sein Recht, dies auch zu äußern, statt brav
die Klappe zu halten, sondern sogar seine moralische Pflicht! Menschen wie
Henryk Broder versuchen, solche Warnungen unmöglich zu machen, indem sie die Kritiker schmähen und mit dem Antisemitismusvorwurf zu Unpersonen machen wollen. Jetzt hat dem ein Gericht einen Riegel vorgeschoben und in einer klugen Urteilsbegründung sämtliche rabulistischen Formulierungszaubereien Broders kühl und sachlich in ihre Einzelteile zerlegt. Und da lässt sich ausgerechnet die "junge welt" vor den PR-Karren eines solchen Mannes spannen? Man fasst es nicht!
Warum beteiligt sich die "junge welt" an solchen unsachlichen
Diffamierungen, etwa wenn sie Abraham Melzer eine "schlecht übersetzte
Poe-Gesamtausgabe" zuschreibt (was hat das mit dem Thema zu tun – das dient doch wohl nur dazu, Melzer noch mal eins reinzuhauen), ihn als "Gift und Galle spruckendes Rumpelstilzchen" herabsetzt (schon mal die Texte Broders gelesen?), über Möllemanns Tod geschmacklose Witze reißt ("zu hart auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen") und den Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck als "durchgeknallt" beleidigt (was tut eigentlich Herr Bittermann, um Flüchtlingen zu helfen?). Bitte, was IST das alles? Merken Sie nicht, wie verloren jemand auf der Sachebene sein muss, wenn er auf dieses Niveau herabsinkt?
Die "Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost" brachte in
einer aktuellen Verlautbarung auf den Punkt, was hier gerade politisch geschieht:
"Sowohl die USA als auch Israel gerieten und geraten wegen ihrer Politik in
der Öffentlichkeit überall auf der Welt, nicht zuletzt in Europa, in ein
schlechtes Licht. Deswegen betreibt Israel nun auch verstärkt in Europa
eine Propagandaoffensive. Ein Hauptpropagandainstrument dabei ist der Vorwurf des Antisemitismus mit dem Zweck, alle Menschen als Antisemiten zu diffamieren, die Israels Politik gegenüber den Palästinensern kritisieren. Eine andere Propagandastrategie (…) ist die Dämonisierung der Muslime, die Hetze gegen die Muslime, als neuen Feind, deren angebliche Bedrohung für die ganze Welt George W. Bushs `Feldzug gegen das Böse´ rechtfertigen soll. (…) Der Missbrauch von angeblichem Antisemitismus ist moralisch verwerflich. Es brauchte Hunderte von Jahren und Millionen von Opfern, bis der Antisemitismus – ein besonderer Fall von Rassismus, der geschichtlich zum Genozid führte – tabusiert war. Menschen, die dieses Tabu missbrauchen, um Israels rassistische und genozidale Politik gegen die Palästinenser zu unterstützen, schänden, ja: schänden das Andenken jener jüdischen Opfer, deren Tod aus humanistischer Sicht Sinn nur insofern hat, als er der Menschheit als ewige Warnung vor allen Arten der Diskriminierung, des Rassismus und des Genozids dient."
Vom Ethischen her macht es mich fassungslos, dass sich ausgerechnet die
"junge welt" durch Klaus Bittermanns Artikel an dieser Schändung beteiligt.
Dass Broder und seine Co-Autoren der "Achse des Guten" täglich Loblieder
auf George Bush und seine militärischen Angriffe singen, dass Broder den
Überfall auf den Irak ausdrücklich befürwortet, dass dieser Verein die
Friedensbewegung regelmäßig als Halbidioten hinstellt und Muslime nur im
Zusammenhang mit Terrorismus erwähnt - ist Ihnen das nicht bekannt?
Ausgerechnet Ihrer Zeitung? Solche Leute möchten Sie gerne publizistisch
unterstützen? Auf dem Webblog der "Achse" lacht sich Broder gerade ins
Fäustchen, wie er Sie an der Nase herumgeführt und für seine Zwecke
instrumentalisiert hat.
Vom Journalistischen hingegen halte ich es für ein Unding, wenn Bittermann
einen Artikel verfasst, in dem er offenbar komplett naiv die Behauptungen
Broders übernimmt, ohne sie gegenzuchecken, so etwa wenn er schreibt,
Suhrkamp habe Ted Honderichs Werk "Nach dem Terror" aussortiert, als
ob es Ramschware wäre. Stattdessen wurde es nach der lautstarken Empörung Micha Brumliks eilfertig vom Markt genommen, was selbstverständlich eine Form von Zensur darstellt. Peinlich für Brumlik, dass er sich danach vorhalten lassen musste, das Buch offenbar nicht richtig gelesen zu haben. Judith Butler erklärte sehr gut, warum die Entscheidung des Verlages hochproblematisch war: "Suhrkamp hat die Kritik, die von einigen Intellektuellen, darunter einige Juden, vorgebracht wurde, akzeptiert, was bedeutet, daß diese
Position als die `richtige´ bevorzugt worden ist und damit die gewaltige
intellektuelle Verpflichtung, Zensur und Antiintellektualismus zu
bekämpfen, übergangen wird, die so viele jüdische Denker mit den Grundsätzen des politischen Liberalismus verbindet." Schließlich könnte die Entscheidung des Suhrkamp-Verlages sogar den Verschwörungstheorien von Judenhassern dienlich sein: "Wenn Leser des weiteren denken, daß `Juden´ die Macht haben, ein Buch zu unterdrücken, stärkt diese Tatsache die antisemitische und paranoide Überzeugung, daß Juden die letzte Kontrolle über Verlage und Medien ausüben – was eindeutig falsch ist."
(Ganz nebenbei bemerkt hatten Sie Ted Honderich in Ihrer Ausgabe vom 14.
November 2003 im Interview, sollten also selbst gut wissen, wie der Hase
läuft.)
Ich hoffe doch sehr, dass die heutige Entgleisung von der pflichtbewussten
Aufklärung zur verantwortungslosen Demagogie in Ihrer Zeitung ein
einmaliger Ausrutscher war. Unerklärlich bleibt sie mir noch immer.

Mit freundlichen Grüßen
A.H.


DIE KAMPAGNEN DIESER KREISE

Das Feuilleton ist nicht die Stärke der jungen Welt und das einzige Gute
an den Beiträgen von Klaus Bittermann ist, dass sie weiter hinten
stehen, als ich üblicherweise blättere.
Diesmal bin ich doch über einen gestolpert und war, milde gesagt,
entsetzt. Sein gestriger Artikel unterscheidet sich kaum von dem , was
pro-zionistische Dreckschleuder, wie "Honestly Concerned"
unterschiedslos gegen alle Kritiker israelischer Politik absondern.
Dies ist um so ärgerlicher, als sich Bittermanns Hetzschrift
offensichtlich an eine der vielen üblen Kampagnen dieser Kreise gegen
israel-kritische Veranstaltungen anknüpft:
"Honestly Concerned" hat kürzlich im Verein mit ähnlichen Gruppierungen
und mit Schützenhilfe Henrik M. Broders eine Veranstaltung in Frankfurt
torpediert. Am 20.1. sollte dort Rupert Neudeck aus seinem im
Melzer-Verlag erschienen Buch "Ich will nicht mehr schweigen - Über
Recht und Gerechtigkeit in Palästina" lesen. Hajo Meyer war als
Gastredner und Abraham Melzer als Moderator eingeladen. Wie so oft
knickte der Vermieter, hier der Evangelischen Regionalverband, ein und
kündigte kurzfristig den Veranstaltungsraum.
Die Hetz-Kampagne arbeitete dabei mit ähnlichen Diffamierungen wie
Bittermann nun in der jungen Welt - vermutlich hat er sie einfach
abgeschrieben. Lest doch bitte - auch wenn es nur das Feuilleton ist -
in Zukunft die Texte vorher durch, bevor Ihr sie druckt. Ich denke, man
muß kein Freund der geschmähten Personen sein, um Hetze von Polemik
unterscheiden zu können.

Beste Grüße,
J. G.

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