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  08.02.2006  23:32   +Feedback

"Dänisch essen gegen die Mullahs!"

Von Walter Schmidt, Leipzig

"Dänisch essen gegen die Mullahs!", das ist für mich die moderne
Version des altbekannten Slogans "Saufen gegen rechts!"

Wer da behauptet, es sei nahezu unmöglich, auch nur einen einzigen Tag
auf dieser Welt ohne direkte oder indirekte ökonomische Abhängigkeit
von den Mullahs zu überleben, der lügt!

Ich habe es heute selbst ausprobiert, war mehr oder weniger erfolgreich und bin nunmehr fast autark. Hier der Beweis:

Frisch geduscht, natürlich mit kaltem Wasser, wie es in nordischen
Breiten allgemein üblich ist, um den Kreislauf in Schwung zu bringen,
genehmigte ich mir zunächst ein opulentes dänisches Frühstück mit
Fruchtaufstrich der Firma "Den Gamle Fabrik", einem Frühstücksei mit
Sardellencreme sowie schwedischem Kaviar von "Larsen Danish Seafood", anschließend zwei Scheiben Räucherlachs von "Norfisk Delikatessen" - immerhin wurden in Gaza auch norwegische Flaggen abgefackelt (!) - ein halbes Brötchen mit "BUKO"-Frischkäse - zugegeben: es gibt Besseres (!) - und aufs Pausenbrot für die Schule den Esrom-Schnittkäse von der durch den Mullah-Boykott arg gebeutelten Firma "Arla".

Auf dem Heimweg von der Schule versuchte ich dann verzweifelt im
Supermarkt "Marktfrisch" eine Flasche "Aalborg Jubiläumsaquavit" (kurz:
"Jubi") für unseren morgigen dänischen Heimatabend der Freunde der ACHSE DES
GUTEN in Leipzig zu erstehen, mußte jedoch zu meinem Leidwesen
feststellen, daß dieser Supermarkt, der in einem Stadtviertel mit starkem
Migrationshintergrund (!) liegt, offenbar bereits präventiv vor den Mullahs
kapituliert und sämtliche dänischen Produkte aus den Regalen entfernt
hatte. selbst im Getränkemarkt waren die Marken "Carlsberg", "Faxe" und
"Tuborg" beim besten Willen nicht mehr aufzufinden. (Allerdings kenne
ich noch einen Geheimtip, nämlich einen hierzulande noch aus DDR-Zeiten
sehr beliebten Straßenverkauf in der Südvorstadt, der die o.g. Marken
zumindest bis zur vergangenen Woche regelmäßig im Angebot hatte.)

Etwas gefrustet von derartigen Negativerlebnissen wollte ich mich
sodann mit dem Kauf des noch nicht in meinem Besitz befindlichen Buches von Samuel P. Huntington "Kampf der Kulturen" wenigstens intellektuell ein
wenig entschädigen, doch siehe da, eine Verkäuferin der "Buchhandlung
an der Thomaskirche" schleuderte mir ein nett gemeintes "Ham wa nich!"
entgegen, das ich noch allzu gut aus DDR-Zeiten kannte.

Tief enttäuscht begab ich mich sodann auf den Heimweg. Da leuchtete mir
an der Gaststätte "Brauerei an der Thomaskirche" doch tatsächlich ein
dänisches Werbeplakat für "Frische Qualitäts-Muscheln von Vilsund"
entgegen, umrahmt von, man glaubt es kaum, einem echten Danebrog, und das bei einem arabischen Restaurantbesitzer. Chapeau!

Ich gestehe: Die Muscheln waren wirklich köstlich, und angesichts
dieses fulminanten Beitrages zur Ankurbelung der dänischen Seafood-Branche nehme ich etwaige Gewissenskonflikte im Hinblick auf verbotene Speisen gerne in Kauf!

Jetzt freue ich mich schon auf das unmittelbar bevorstehende kalte
dänische Abendbrot mit all den leckeren Sachen von "Arla Foods", "Glyngore" und "Danablu" (übrigens ohne (!) "e" am Ende) sowie auf ein blondes Helles von "Tuborg", und wenn der "Kaufhof" mit seiner
Feinschmeckerabteilung sich nicht schon der präventiven Kapitulation von "Marktfrisch" angeschlossen hat, bekomme ich vielleicht sogar noch die heiß ersehnte Flasche "Jubi" und werde am Ende eines ereignisreichen Tages mit einem "Aalborg Aquavit" selig in Morpheus Arme absacken.

Ein kräftiges dänisches "Skal!" aus der Heldenstadt Leipzig sendet
allen Mitarbeitern und Freunden der ACHSE DES GUTEN herzlichst Walter
Schmidt.

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