Henryk M. Broder 04.01.2005 05:01 +Feedback
Drama im Diner
Der Christian Science Monitor in Boston, an sich keine schlechte Zeitung, führt zur Zeit eine Umfrage unter seinen Lesern durch, ob amerikanische Kirchen Firmen boykottieren sollten, die Handel mit Israel treiben ("Should US-based churches boycott certain companies doing business with Israel?"). Anlaß der Umfrage ist ein Beschluß der Presbyterianischen Kirche, "ökonomische Sanktionen" gegenüber Unternehmen zu praktizieren, die Produkte aus Israel einführen bzw. Waren nach Israel verkaufen. Die CSM-Leser sollen nun darüber abstimmen, ob sie solche Maßnahmen für angemessen halten oder nicht.
Die Idee klingt nicht schlecht, aber sie dürfte in der Praxis kaum durchsetzbar sein. Denn nicht überall, wo Israel drin ist, steht auch Israel drauf. Es könnte sein, daß Jaffa-Orangen im "Tropicana"-Orangensaft ("home made") sprudeln, auch im "Heinz Ketchup" könnten Tomaten aus dem Hule-Tal spurlos aufgehen. Israelische Pharma- und Software-Firmen beliefern europäische und amerikanische Companies. Da werden die braven Presbytarianer (und alle anderen, die ihrem Beispiel folgen wollen) alle Hände voll zu tun und keinen ruhigen Moment mehr haben. Besonders lustig stelle ich es mir, wenn eine vierköpfige Familie aus Intercourse/Alabama in den örtlichen Family Diner geht und vier Burger bestellt. Die Kellnerin stellt die übliche Ketchup-Flasche auf den Tisch, worauf der Familienvater sagt: "Nein, so lange die Israelis Bethlehem besetzt halten, benutzen wir kein Ketchup."
Lange hält er das nicht durch. Wäre es da nicht einfacher und effektiver, wenn die Presbyterianer und der CSM auf eine erprobte Parole zurück greifen und sie ein wenig modifizieren würden? "Christen wehrt Euch, kauft nicht bei Juden!"
