Henryk M. Broder 16.04.2006 14:37 +Feedback
Was will der Schmock vom Zürichsee?
Lange haben wir keine "Richtigstellung" von Ludwig Watzal mehr erhalten. Dafür hat sich Shraga Elam bei uns gemeldet, was uns natürlich auch freut, denn man bekommt nicht alle Tage Post von einem "Recherchierjournalisten" und "Friedensaktivisten", der sein Zelt am Zürichsee aufgeschlagen hat, um selbstlos und unentgeltlich den Starken die Stirn zu bieten und den Schwachen beizustehen. Dafür ist die neutrale Schweiz am besten geeignet. Was aber will uns Shraga eigentlich sagen? Vielleicht, daß er kein nützlicher sondern ein nutzloser Idiot ist?
Herr Broder,
ich danke Ihnen sehr für die außerordentliche Ehre, von Ihnen erneut erwähnt zu werden.
Ihre Texte lese ich immer mit großem Vergnügen, denn sie sind Beleg für eine alte jüdische Weisheit, die besagt, dass Intelligenz eine der wenigen Dinge auf dieser Welt ist, die gerecht verteilt ist: niemand beklagt sich, dass er/sie zuwenig davon bekommen habe.
Weil ich diese Weisheit als Übertreibung betrachte, erlaubte ich mir, die Grundidee zu modifizieren und jetzt heißt sie für mich: "Dummheit ist eine der wenigen Sachen, die gerecht verteilt ist usw."
Für Sie - wie es aussieht - gelten beide Sprüche.
Sie beherrschen meisterhaft die hohe Kunst, gegen den Wind zu urinieren, ohne selber nass zu werden.
Nur die Frage: wie lange noch? Haben Sie keine Angst, dass es einmal nicht mehr aufgehen würde?
Auch Michel Friedman musste auf schmerzhafte Art lernen, dass nicht einmal die herrschende deutsche Judeophilie einen Blankoscheck für alle Schweinereien ausstellen kann.
Im Namen meiner Muttersprache bedanke ich mich bei Ihnen ausserdem herzlich für Ihre neue Wortschöpfung. Bislang gab es auf Hebräisch den Ausdruck "nützlicher Idiot" – wie in Ihrem Titel in der Replik zu Finkelsteins Interview – eigentlich nicht. Für diese Bereicherung sind Ihnen sicherlich mehrere Menschen dankbar.
Übrigens: Hebräisch ist eine sehr sparsame Sprache und kommt mit weit weniger Wörtern aus als Deutsch. Deshalb eignet sich Hebräisch auch prima für militärische Verwendungen. Wenn Sie finden, dass "nützlicher Idiot" besser auf Hebräisch tönt, dann können Sie sich das Wort "echad" sparen. "Idiot schimuschi" reicht vollkommen.
Recht haben Sie, wenn sie Norman Finkelstein und mich als Idioten bezeichnen. Ob wir wirklich nützlich im Kampf gegen Ungerechtigkeit und für den Frieden sind, ist eine andere Frage. Wenn man sich auf die Seite der Schwachen stellt, kann man kaum viel Geld damit verdienen. Dies ist viel einfacher zu erreichen, wenn man es wie die nützlichen Genies, zu denen Sie zählen, macht. Nämlich, indem man sich auf die Seite der Starken stellt. Die Schwachen zu kritisieren ist lohnend und macht dabei auch noch Spaß. Gell?
Übrigens, Finkelstein definiert sich nicht als Antizionist und müsste eigentlich von Ihnen gelobt werden, da er offensichtlich daran glaubt, dass Zionismus ohne Menschenrechtsverletzungen möglich sei.
Ich habe noch einige Fragen, die ich Ihnen bei dieser Gelegenheit stellen möchte.
Was meinten Sie genau, als Sie Dr. Hajo Meyer unterstellten, dass er "den Adolf mache"?
Ich verstehe den Ausdruck nicht. Nachvollziehbar wäre es, wenn man Ihnen vorwerfen würde, Sie machten den Goebbels, aber was hat Hajo mit dem bösen Adolf zu tun?
Von allen Aussagen Hajos bin auch ich nicht begeistert. Dass er aber gegen Juden hetze, ist mir nicht aufgefallen. Dagegen tun Sie das. Hajo übt eine legitime, wenn auch nicht immer korrekte Kritik am Judentum und ist vom Wunsch getragen, die humanistische Hillel-Schule Oberhand gewinnen zu sehen. Ein absolut lobenswertes Ziel, welches nur von Kriegshetzern und anderen Misanthropen durch den Kakao gezogen und angegriffen wird.
Warum bezeichnen Sie Hajo als "Berufs-Auschwitz-Überlebenden"? Haben Sie Beweise, dass er damit sein Geld verdient? Haben Sie Elie Wiesel und seine Freunde von der Holocaust-Religion bzw. -Industrie je als solche bezeichnet?
Und kann man Sie, Herr Broder, nicht als Berufsjuden bezeichnen?
Shraga Elam
