Henryk M. Broder 07.07.2006 12:58 +Feedback
"They don't make Jews like Jesus anymore..."
sang mal Kinky Friedman, Gründer der Rockband "The Texas Jewboys". Er hat sich von der Bühne zurück gezogen und kandidiert jetzt für das Amt des Gouverneurs von Texas. Falls er gewählt wird, was nicht sehr wahrscheinlich aber auch nicht unmöglich ist, wäre er der zweite texanische Jude, der es zu was gebracht hätte. Der erste ist Gary Smith, Direktor der American Academy in Berlin.
In jedem Fall verdanken wir Kinky Friedman den großartigen Satz "They don't make Jews like Jesus anymore", der nicht nur witzig, sondern auch wahr ist.
Seit dem jüdischen Aufstand gegen die römische Besatzung im Jahre 73, der mit dem Fall von Masada endete, bis zum Aufstand im Warschauer Ghetto 1943, haben sich die Juden 187o Jahre lang brav und widerstandslos umbringen lassen. Von den christlichen Kreuzfahrern, den Kosaken, den Russen, den Ukrainern, den Polen, den Litauern, den Ungarn, den Deutschen. Sie waren die nettesten und höflichsten Opfer, die es jemals in der Geschichte gegeben hat. Ganz zum Schluss standen Dr. Kohn und Dr. Levy nackt und wehrlos in der Schlange zum Duschraum, und als sie an der Tür, die vom Leben zum Tode führte, angekommen waren, sagte Dr. Levy zu Dr. Kohn: "Nach Ihnen, Herr Doktor!"
Da hatten die Juden noch Anstand und Manieren. Doch dann beschlossen sie, aus der Geschichte auszusteigen und als Opfer nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Seitdem schlagen sie zurück, wenn sie angegriffen werden, manchmal auch schon vorher. Und dieselben Leute, die vor kurzem noch ihre Diplomarbeiten über die Frage geschrieben haben, warum sich die Juden wie die Schafe zur Schlachtbank haben führen lassen, raufen sich nun die Haare über das Verhalten der Israelis: Ja, haben die denn nix aus ihrer Geschichte gelernt?
Seit dem israelischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen vor fast einem Jahr wurden einige Hundert Kassam-Raketen aus Gaza nach Israel abgefeuert. Zuletzt schlug eine im 12 km entfernten Ashkelon auf. Zwar nähert sich die Lage in Gaza einer "humanitären Katastrophe", wie wir es fast jeden Tag in den Nachrichten hören können, aber offenbar sind die Palästinenser dennoch in der Lage, sich jeden Tag eine kleine Kassam vom Mund abzusparen. Der blauäugige Claus Kleber spricht von "primitiven" Waffen bzw. "Kleinraketen", sagt uns aber nicht, wie er reagieren würde, wenn so ein Spielzeug in seinem Vorgarten explodieren und den Zierteich mit Goldfischen verwüsten würde.
Vermutlich würde er die Bastler aus Gaza zu einem Kaffeeplausch in der ZDF-Kantine auf dem Lerchenberg einladen.
Er hat eben Anstand und Manieren, wie früher die Juden. Was man von den Israelis eben nicht behaupten kann. Die rollen einfach in Gaza ein und demolieren ein paar Gebäude, ohne Claus Kleber und den Rest der Welt um Erlaubnis zu fragen. "They don't make Jews like Jesus anymore."
Der neu gegründete Menschenrechtsrat der UN, der noch keine Gelegenheit hatte, sich zu Darfour zu äußern, veurteilte in seiner ersten Sondersitzing Israel wegen "Bruchs der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts", ohne auch nur mit einem Wort die vorausgegangenen Aktionen der Palästinenser zu erwähnen. Die Organisation islamischer Staaten, denen die Menschenrechte noch mehr am Herzen liegen als die Religionsfreiheit, hatte die Resolution ein- und durchgebracht.
Eine Handbreit darunter hat sich auch in Deutschland ganz spontan eine Initiative besorgter Friedensfreunde etabliert und einen "Aufruf an israelische Soldaten, Kriegsverbrechen zu stoppen" ins Netz gestellt: "Wir, Friedensbefürworter aus Deutschland, rufen israelische Soldaten auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um Kriegsverbrechen gegen Palästinenser zu stoppen und mitzuhelfen, nach Wegen für einen gerechten Frieden zu suchen." Die deutschen Friedensfreunde haben auch eine Idee, was die israelischen Soldaten tun könnten: "Heute, im Computerzeitalter gibt es Möglichkeiten des aktiven Widerstandes, die es eigentlich bis jetzt nicht gab. Die starke Abhängigkeit von IT-Systemen macht die israelische Armee anfällig für Störungen von innen. Bestimmte Mitglieder der bewaffneten Kräfte haben dazu Zugang und kennen sich damit aus. Sie können und sollten Verbrechen verhindern."
Ist das schon lustig, so ist die Liste der 1o1 Unterzeichner noch lustiger.
Sie enthält alle Knallchargen der Republik, die ihr eigenes Leben nicht in den Griff bekommen, aber genau wissen, wie man einen Weltkonflikt löst und "Kriegsverbrechen" verhindert - angefangen bei dem in Mainz weltberühmten Dichter, der Krokodilsgedichte schreibt, über den Frührentner in Westfalen, der 24/7 im Internet wildert, bis zum Auschwitz-Überlebenden und Bestseller-Autor Hajo Meyer, der schon immer der Meinung war, daß die Israelis den Palästinensern das antun, was die Nazis den Juden angetan haben. Eine illustre Gesellschaft, die im Zusammenhang mit den Palästinenern auch gern von "Völkermord" redet, ungeachtet der Tatsache, dass es sich um den ersten Völkermord in der Geschichte handelt, dessen Objekte sich rasant vermehrt haben. Fehlt nur Christian Anders, um das Ganze künstlerisch abzurunden.
Derweil versucht Kinky Friedman Gouverneur von Texas zu werden. Schafft er es, könnte der zweitgrößte Staat der USA (doppelt so groß wie die BRD) die Union verlassen und sich wieder für unabhängig erklären, wie schon einmal unter General Sam Houston im Jahre 1836, bei der Loslösung von Mexiko. Damals dauerte die Unabhängigkeit nur neun Jahre, diesmal könnte es besser laufen, denn Jewboy Kinky Friedman läßt sich von keinem an der Nase herum führen: "They don't make Jews like Jesus anymore..."
PS. Die Bücher von Kinky Friedman (u.a. "Ballettratten in der Vandam Street") sind bei Klaus Bittermann in der "edition tiamat" erschienen.
