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  03.09.2006  11:24   +Feedback

Nie wieder Täter!

von Walter Schmidt

In jedem Jahr gibt es hierzulande drei markante Daten im Kalender, an
denen vornehmlich der toten Juden im Nationalsozialismus gedacht und
jener unermeßliche Verlust beklagt wird, welcher durch deren plötzliches
Verschwinden der deutschen Kultur hinzugefügt wurde:

Ich meine den 9. November, den 27. Januar und die Woche der
Brüderlichkeit Anfang März.

In nicht enden wollenden ritualisierten Gedenkveranstaltungen setzen aus diesem Anlaß die politische Führung dieses Landes, die Vorsitzenden der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sowie
zahlreiche Pädagogen der Achtundsechzigergeneration ihre Trauermienen auf
und zeigen sich unheimlich betroffen darüber, daß sie nicht mehr wie
einst mit wirklich authentischen jüdischen Freunden oder Mitbürgern in
den interreligiösen Dialog treten, mit ihnen gemeinsam jiddeln, Klezmer
hören und vielleicht sogar am Schabbattisch eine Portion "Gefilte Fish" genießen dürfen.

Etwas anders verhält es sich dagegen, wenn die Juden aus ihrer
angestammten Opferrolle, für die man sie so sehr liebt, heraustreten und als
Israelis auf einmal zu Tätern werden, die sich nicht scheuen, die Grenzen
ihres Landes zu verteidigen und sich gegen einen neuen atomaren
Holocaust seitens der Mullahs in Teheran zur Wehr setzen.

In einem solchen Fall heißt es dann sehr schnell:

Der Jude ist an allem schuld, sogar am Antisemitismus, sei es, weil er
nicht an die Bergpredigt glauben mag, sei es, weil er sich weigert,
erneut wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt zu werden, kurz, weil er auf
seinem ureigenen Existenzrecht besteht.

Dann zeiht man ihn des öfteren einer Unverhältnismäßigkeit der Mittel,
wie z.B. die Weltumseglerin Völkerrechtsexpertin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die eine UN-Untersuchungskommission gegen das brutale Vorgehen der Israelis im Libanon angemahnt hat.

Und siehe da:

Schon sind auch die zahlreichen Anhänger eines sogenannten "guten
Judentums" zur Stelle, die wie Uri Avnery, Hajo G. Meyer, Abraham Melzer
offenbar der Ansicht sind, Auschwitz müsse so etwas wie eine "moralische Besserungsanstalt" gewesen sein, deren einzig gültige Lehre für die Juden darin bestünde, niemals so zu werden wie ihre damaligen Peiniger, die Nazis.
Eher würden sie sich massakrieren lassen, als die hand gegen ihre Feinde zu erheben.

Jüngstes Exempel jener politisch korrekten jüdischen "Israelkritiker"
sind die Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden
in Deutschland, Heinz Galinski, Evelyn Hecht-Galinski, sowie das
ehemalige Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, Rolf Verleger.

Als ob die Zeiten für die Kinder Israels hierzulande nicht schon schwer
genug wären, kritisieren Hecht-Galinski und Verleger den Zentralrat der
Juden in Deutschland, weil dieser sich angeblich zum kritiklosen
"Sprachrohr der israelischen Regierung" mache, oder fordern Verhandlungen mit der fundamentalislamistischen Hamas bezüglich der Gründung eines
unabhängigen Palästinenserstaates.

Für beide liegt der Grund des gegenwärtigen Antisemitismus nicht im
Vernichtungswillen der Muslimbrüder von Hamas und Hizbullah gegen Israel,
sondern in einer angeblich unkritischen Identifikation des Zentralrats
mit dem "Staatsterrorismus" Israels gegenüber den Palästinensern,
getreu dem Motto:

"Der Jud´ist schuld, denn er ist da!"

Stattdessen würden beide es offenbar lieber sehen, wenn die Juden bzw.
Israelis sich in jene traditionelle Opferrolle zurückbegeben würden,
wie sie Bob Dylan einst in seinem Song "Neighborhood Bully" im Kontext
des ersten Libanon-Krieges von 1982 treffend charakterisiert hat.

Wer solche Freunde hat wie Evelyn Hecht-Galinski, Judith Bernstein, die "Europäischen Juden für einen gerechten Frieden" oder Rolf Verleger und die "Andere Jüdische Stimme" von Hajo G. Meyer, Abraham Melzer u.a., der braucht in der Tat keine Feinde mehr.

Wie mit solchen Freunden des "guten Judentums" die Grenzen des Staates
Israel von 1948, um die es jüngst im Libanon-Krieg ging, verteidigt
werden sollen, bleibt deren ureigenstes Geheimnis.

Wahrscheinlich würden manche von ihnen sogar zum Islam konvertieren, um
endlich für eine nachhaltige Lösung der Nahostfrage zu sorgen.

Doch statt gemeinsam mit Hanije, Nasrallah und deren Freunden von der
Muslimbrüderschaft friedlich unter der Kefiah Pfefferminztee zu trinken
und mit MichaelLüders und Peter Scholl-Latour eine Nargilla zu genießen, werden sich Evelyn Hecht-Galinski und Rolf Verleger vermutlich eher doch in einem fensterlosen Sonderzug wiederfinden, sofern sie nicht schon vorher gemäß der Scharia vor laufender Kamera und einem Millionenpublikum rutuell enhauptet worden sind, nachdem sie erklärt haben, dass sie sich von allen Übeltaten der Zionisten ein für allemal distanzieren. Allahu Akhbar!

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