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  02.00.2005  21:01   +Feedback

Da geht einem der Hut hoch

Ganz dicht war er noch nie, dafür aber immer ein Dichter, der für Aufregung sorgte: Rolf Hochhuth. Berühmt wurde er schon 1963 mit seinem Papst-Stück "Der Stellvertreter", über die katholische Kirche und den Holocaust. Zuletzt schrieb er das bankenkritische Drama "McKinsey kommt", das von einigen Kritikern auch als Aufruf zur Ermordnung des Vorstandschefs der Deutschen Bank verstanden wurde.
"Der Autor, der seine Werke stets aus Originaldokumenten collagierte, steht für ein Studienratstheater der penetranten Art" schrieb die taz über den ewigen Tabubrecher vom Dienst. Nun aber ist er vollkommen durchgeknallt. Er gab der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" ein Interview, was für sich genommen noch nicht sensationell wäre, weil das Blatt immer wieder mit viel Geschick Promis aufs Glatteis führt, um sie einbrechen zu lassen. Sogar Eckhard Henscheid und Charlotte Knobloch haben sich von der JF in aller Unschuld interviewen lassen.
In dem Interview mit Hochhuth ging es u.a. um den britischen Revisionisten und Holocaust-Leugner David Irving, der vor fünf Jahren von einem Gericht in London als "aktiver Holocaust-Leugner, Antisemit und Rassist" disqualifiziert wurde und einen Prozeß verlor.
1993 wurde er in München zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, nachdem er behauptet hatte, die in Auschwitz gezeigte Gaskammer sei eine Attrappe, "die nach dem Kriegsende von den Polen gebaut wurde". Auf seiner eigenen Homepage behauptet er, es seien mehr Menschen durch Reemtsma-Zigaretten getötet worden als im Holocaust.
Und diesen Knallkopp verteidigt nun ausgerechnet Hochhuth mit aller Kraft: "Irving ist ein ehrenwerter Mann" und "Der Vorwurf, er sei ein Holocaust-Leugner, ist einfach idiotisch."
Wenn aber Irving kein Holocaust-Leugner ist, was ist dann Hochhuth nicht? Auf alle Fälle wäre der Vorwurf, es könnte sich um einen klugen Kopf handeln, einfach idiotisch.

(Dank an den Kollegen Frank Jansen vom Tagesspiegel, der die Junge Freiheit gelesen hat. http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/19.02.2005/1656689.asp)

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