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  00.-1.2006  09:01   +Feedback

Zwergenaufstand Runde zwei - Frau Evelyn ist auch dabei

Früher protestierte das Fußvolk der Friedensbewegung noch gegen die atomare Aufrüstung, die Globalisierung, George W. Bush, den Krieg im Irak, lazergesteuerte Präzionsraketen, Streubomben oder wenigstens die Castor-Transporte und genmanipulierte Tomaten. Jetzt geht es nur noch darum, meine Teilnahme an einer Diskussion in Zürich zu verhindern. So ändern sich die Zeiten, zum Guten, finde ich. Hier die Resolution und die Liste der illustren Unterzeichner. Für Satzbau, Orthografie und Grammatik sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich:


= Wir protestieren gegen die Beteiligung des Publizisten Henryk M. Broder an einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Else-Lasker-Schüler-Forums in Zürich am 29. Oktober 2006 unter dem Titel: "Die ewige Lust an den Tätern" (http://www.els.gesellschaft.wtal.de/forum/programm13.pdf) und gegen die Ausladung der bekannten israelischen Menschenrechtlerin Felicia Langer.

Die jüdische Lyrikerin Else Lasker-Schüler trat - wie ihr Freund, der Philosoph Martin Buber - für die Versöhnung zwischen Juden/Jüdinnen und AraberInnen ein. Broder hingegen macht genau das Gegenteil: Der Gedanke der Versöhnung und einer Verständigung zwischen den Kulturen ist ihm fremd, denn er attackiert und diffamiert in vulgärem Ton AraberInnen, MuslimInnen und Friedensbewegte, was man auf seiner website unschwer feststellen kann (http://www.henryk-broder.de oder http://www.achgut.de). Manche sehen ihn als Stichwortgeber für Rechtsradikale, http://www.taz.de/pt/2006/10/07/a0142.1/text, was seine Äußerungen gegen den Islam betrifft.

Aus diesen Gründen ist Broder auf einer Gedenkveranstaltung für eine friedliebende Lyrikerin völlig fehl am Platze.

Mit ihrem Engagement für Versöhnung und Verständigung steht die mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnete Felicia Langer der verstorbenen Lyrikerin geistig näher als Broder.

Dass ausgerechnet Felicia Langer wegen vorgeblicher finanzieller Schwierigkeiten ausgeladen wurde, ist sehr bedenklich. Denn dass es nicht allein finanzielle Gründe sein können, zeigt die Tatsache, dass das Angebot Evelyn Hecht-Galinskis und ihres Mannes, den Auftritt Langers zu finanzieren, von Hajo Jahn, dem Vorsitzenden der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft und Organisator der Veranstaltung, abgelehnt wurde. Stattdessen wurde Broder eingeladen.

Jahn verteidigt auf erste Proteste die Teilnahme Broders mit Rosa Luxemburgs Leitsatz «Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden». Allerdings sind wir der Meinung, dass nicht Broders Meinungsäusserungsfreiheit zur Debatte steht, denn ihm als einem „der bekanntesten jüdischen Publizisten im deutschsprachigen Raum“ (Jahn) wird genug Raum gegeben, sein Gedankengut zu verbreiten.

Tatsache ist jedoch, dass Felicia Langer und vielen anderen FriedensaktivistInnen diese „Freiheit der Andersdenkenden“ zunehmend verwehrt wird. Und nun soll Broder auf einer Gedenkveranstaltung für eine friedliebende Frau ein Forum für seine zynische „Lust an den Tätern“ bekommen:

«Es stimmt, Israel ist heute mehr Täter als Opfer. Das ist auch gut und richtig so, nachdem es die Juden fast 2000 Jahre lang mit der Rolle der ewigen Opfer versucht und dabei nur schlechte Erfahrungen gemacht haben. Täter haben meistens eine längere Lebenserwartung als Opfer und es macht mehr Spass, Täter als Opfer zu sein.» (Henryk M. Broder, Jüdische Allgemeine, 17.3.2005)

Selbst der Titel der Podiumsdiskussion scheint auf Broder zugeschneidert. Ursprünglich ging es um den Umgang mit Exilanten gestern und heute und nicht um die ewige Lust an den Tätern.

Es ist offensichtlich, dass die Einladung Broders und die Ausladung Langers mit politischen Forderungen von einer oder mehreren unterstützenden Organisation/en zu tun haben.

So oder so hat der ganze Vorgang weder mit Meinungsfreiheit noch mit Else Lasker-Schüler zu tun.

Im Sinne des geistigen Vermächtnisses von Else Lasker-Schüler fordern wir deshalb, dass Felicia Langer wieder ein- und Henryk M. Broder ausgeladen wird.

Friedensfreunde und insbesondere Kulturschaffende sind aufgerufen, den beiliegenden Protest zu unterschreiben und zu verbreiten. Bitte senden Sie Ihre Unterschrift mit Namen, Beruf/Organisation, Wohnort und Bemerkungen an: art@arendt-erhard.de

Liste der Unterzeichner

Paula Abrams-Hourani - Frauen in Schwarz (Wien)

Erhard Arendt - "Das Palästina Portal" - Dortmund

Samir Awad, Journalist, Berlin
Meine Damen und Herrn, Ich finde NICHT GUT das Sie Frau Filicia Langer Ausgeladen haben.Frau Langer kann wie KEIN andere Israelin uber die Unmenschlische politik Israels reden und gleichzeitig Frau Langer ist Botschafterin der Versohnung zwischen Araber und Isarelis. Schade das Sie eine gute chance verpasst Frau Langer zuhoren. Samir Awad Journalist Berlin

elia baz dipl.-ing, heroldstatt - 1. vorsitzender des dafk e.v., 2. vorsitzender des daf e.v.
dafk e.v. deutsch arbischer freundeskreis e.v.
daf e.v. deutsch arabisches friedenswerk e.v.
dadv e.v. dachverband deusch arabische organisationen
wir begruessen das engagement von frau langer, hr. shraga, frau Evelyn Hecht-Galinskis und gleichgesinnten und fordern die gruendung einer neuen bewegung aus juden, arabern mit ihren freunden, welche zusammen den politischen zionismus ablehnen, und den gegenseitigen hass und feindschaft zwischen juden und arabern ueberwinden wollen. mehr >>>

Dipl.-Theol. Winfried Belz, Kath.Klinikseelsorge Kopfklinik, Heidelberg
Lieber Herr Arendt, ich unterstütze Ihre Forderung, Felicia Langer wieder einzuladen und Henrik Broder wieder auszuladen! Herzlichen Dank für diese Solidaritätsaktion. Mit guten Grüßen Ihr Winfried Belz

Hanna Braun, London, England

Shraga Elam, Israelischer Friedensaktivist, Recherchierjournalist, Buchautor und Israelischer Journalist und Träger des australischen Gold Walkley Award für ausgezeichneten Journalismus 2004 - Zürich/Schweiz

Armin Fiand - Rechtsanwalt - 22399 Hamburg

Andreas Friedrich, www.profi-reporte.de, Düsseldorf
Mich wundert gar nichts mehr. Es ist traurig und zutiefst beschämend, dass derartige Vorkommnisse in einem demokratischen Land mitten in Europa vorkommen. Wenn eine so couragierte Person wie Frau Langer ausgeladen wird, heißt das im Umkehrschluss, dass irgendjemand verdammt große Angst vor der Wahrheit haben muss...

Anis Hamadeh, Journalist + Künstler - "anis online"

Heike Hänsel, MdB, Tübingen
Ich unterstütze den Protest gegen die Ausladung Felicia Langers und fordere, sie als "Andersdenkende" im Sinne Rosa Luxemburgs wieder einzuladen, damit sie mit Henryk Broder auf dem Podium diskutieren kann!

Evelyn Hecht-Galinski, Malsburg-Marzell

Benjamin Hecht, Malsburg-Marzell

Werner Hörtner, Journalist, A-1060 Wien
Ich unterzeichne den Aufruf gegen die Ausladung von Felicia Langer. Ich habe sie bei mehreren Wien-Besuchen als eine engagierte Friedensaktivistin und als eine wichtige Stimme der Vernunft kennen und schätzen gelernt und kann in dieser Ausladung leider nichts anderes als eine politisch motivierte Handlung erkennen. Mit freundlichen Grüßen Werner Hörtner

Annette Klepzig, Leimen
Henryk M. Broder anstatt Felicia Langer ! Das alleine ist schon absurd und zeigt überdeutlich die Geisteshaltung der Veranstalter. Auch der Themenaustausch zeigt Unversöhnlichkeit und Radikalität - und das ganz bestimmt nicht im Sinne von Else-Lasker-Schüler

Tanja Krienen, Journalistin und Autorin, Onil (Comunidad Valencia)
Ich protestiere gegen die Teilnahme Henryk M. Broders an der Veranstaltung der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft in Zürich

Necati Mert, Dipl. Volkswirt/Publizist - Saarbrücken - Zeitschrift DIE BRÜCKE – Forum für antirassistische Politik und Kultur
Hiermit schließe ich mich dem Protest an gegen die Teilnahme von Henryk M. Broder an einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Else-Lasker-Schüler-Forums in Zürich am 29. Oktober 2006 unter dem Titel: "Die ewige Lust an den Tätern" (http://www.els.gesellschaft.wtal.de/forum/programm13.pdf) und gegen die Ausladung derbekannten israelischen Menschenrechtlerin Felicia Langer.

Nancy du Plessis, Berlin
Viel lieber Felicia Langer als Henryk Broder am EKS Forum in Zürich--er verdient das nicht, aber sie! Nancy du Plessis Berlin

Ellen Rohlfs, Mitglied von Gush Shalom - Stadt Leer
Kommentar: Als Nominatorin für den Alternativen Nobelpreis von Felicia Langer, stehe ich ganz hinter ihr. Sie gehört als Rednerin zu der Veranstaltung der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft --- so jemand wie Broder, dem Diffamierung näher liegt als Versöhnung, ist hier völlig fehl am Platze.

Ingrid Rumpf , 1. Vors., Pfullingen - "Flüchtlingskinder im Libanon e.V."
Als Verein "Flüchtlingskinder im Libanon e.V.", dessen Schirmfrau Felicia Langer ist, schließen wir uns der Petition an. Felicia Langer ist eine von denjenigen, die an erster Stelle dazu beitragen, "den Opfern ihr Überleben zu sichern". Es ist ein aberwitziger Trugschluss, zu glauben, dass Besatzung, Unterdrückung und Krieg langfristig das Überleben des Staates Israel sichern würden. Vielmehr ist allein die Umsetzung von Völkrerecht und Menschenrechten der Schlüssel dazu. Für diese Botschaft steht Felicia Langer. Sie wäre deshalb, im Gegensatz zu Henryk Broder, ein Gewinn für das Podium gewesen. Ingrid Rumpf

Günter Schenk - "collectif judéo-arabe et citoyen pour la paix" Beinheim/Frankreich - Kommentar >>>

Angelika Schneider, 28865 Lilienthal - Mitglied des internationalen Versöhnungsbundes, deutscher Zweig.
Ich füge meine Unterschrift dem Protest gegen die Einladung von Henryk M Broder zur Gedenkveranstaltung von Else Lasker-Schüler bei. Ebenso protestiere ich gegen die Ausladung der israelischen Anwältin Felicia Langer, die sich seit Jahren - im Gegenteil zu Broder und genau im Sinne von Lasker-Schüler - für Gerechtigkeit in Israel einsetzt.Mit freundlichem Gruß, Angelika Schneider

Dr. Ingrid Schraner, Sydney - Senior Lecturer in Economics and Finance, Honours Coordinator School of Economics and Finance, Room EDG71, Parramatta Main Campus University of Western Sydney, Australia
Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, ich moechte den Protest gegen die Ausladung von Felicia Langer von der Podiumsdiskussion des Else-Lasker-Schueler Forums unterstuetzen. Da offensichtlich das Geld fuer die Teilnahme von Frau Lange zur Verfuegung steht, kann ihre Ausladung nur die gleichen Gruende haben, die zur Einladung eines anderen Herrn und einer Veraenderung der Veranstaltung in seinem Interesse fuehrte. Frau Lange auszuladen scheint auszudruecken, dass sich die VeranstalterInnen davor fuerchten, was Frau Lange an einer so veraenderten Veranstaltung zu sagen haette. Wenn das nicht der Fall sein sollte, gaebe es ja keinen Grund, sie auszuladen. Aus einer solchermassen verlogenen Situation gibt es fuer ein aufrechtes Else-Lasker-Schueler Forum nur einen Ausweg: Frau Lange sofort wieder einladen.
Mit vorzueglicher Hochachtung, Ingrid Schraner, Sydney

Michael Schiffmann, Dozent, Übersetzer, Herausgeber und Autor (zuletzt des Buches Wettlauf gegen den Tod. Mumia Abu-Jamal: ein schwarzer Revolutionär im weißen Amerika), Heidelberg.
Ein unerhörter Vorgang. Henryk Broder, dem zusammen mit Talent und Sensibilität leider auch jegliche Art von moralischem Kompass abhanden gekommen ist, hat auf einer Veranstaltung zu Ehren dieser Dichterin absolut nichts verloren. Solange er seine hämetriefenden Zynismen in so bekanntermaßen marginalen Organen wie dem Spiegel absondern kann, scheint mir sein jederzeit zu verteidigendes Recht auf Meinungsfreiheit nicht berührt.

Heidrun Singer, Klinikpfarrsekretärin
Durch diese Veränderung wird die Veranstaltung total auf den Kopf gestellt und läuft dem, was ursprünglich geplant war in meinen Augen zuwider.

Manfred Spies, Aktionskünstler - Düsseldorf
Ich schließe mich dem Protest gegen die angeblich aus finanziellen Gründen ausgesprochene Ausladung von Felicia Langer an. Was die Argumentation für die Einladung von Herrn Broder angeht (es wurde das Zitat von Rosa Luxemburg bemüht, "Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden"), so hätte man das lächerliche Kostenargument und das Andersdenken mit einer Regieklappe schlagen können: Warum läd der Veranstalter Hajo Jahn nicht den Rechtsextremen Roger Wüthrich aus Worblaufen / Schweiz ein. Da spart man Kosten und hat einen total Andersdenkenden: Das große Vorbild von Herrn Wüthrich ist der verbale Nazi-Wüterich Joseph Goebbels. Die westliche Welt mit ihren vergangenen Dichtern und Denkern verkommt zu einem Okzident der Deppen und Dödeln. Manfred Spies

Khalid Tatour, 71111Waldenbuch

Willy H. Wahl, 8006 Zuerich - www.seniora.ch
Ich protestiere vehement gegen die Beteiligung des unsaeglichen Publizisten Henryk M. Broder an einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Else-Lasker-Schüler-Forums in Zürich am 29. Oktober 2006 unter dem Titel: "Die ewige Lust an den Tätern" (http://www.els.gesellschaft.wtal.de/forum/programm13.pdf) und gegen die Ausladung der bekannten israelischen Menschenrechtlerin Felicia Langer. =

(Wird aktualisiert)

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