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  00.-1.2006  29:00   +Feedback

Showdown in Zürich oder: Röschti für alle!

Natürlich gibt es in der PDS nicht nur Angeber, Knalltüten und Wichtigtuer, die auf jeden Zug draufspringen, der gerade vorbei fährt. Da gibt es auch vernünftige Leute, die Politik als Handwerk praktizieren, Petra Pau zum Beispiel. Oder auch Gregor Gysi. Der hat sich seine Fraktionskollegen Heike Hänsel und Norman Paech vorgeknöpft, nachdem diese den Aufruf der "mehr als 200 Publizisten, Kulturschaffenden und Friedensaktivisten" an die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft unterzeichnet hatten, mich vom ELS-Forum in Zürich auszuladen und durch die "bekannte israelischen Menschenrechtlerin Felicia Langer" zu ersetzen.

Gegen diese Idee wäre im Prinzip nichts einzuwenden, wenn sie nicht auch offenbaren würde, womit sich zwei PDS-Abgeordnete, die vom Steuerzahler bezahlt werden, die Zeit vertreiben. Es sind nicht nur solche Nebensächlichkeiten wie die Lösung der Palästinafrage, sondern auch so wichtige Angelegenheiten wie die Besetzung einer Diskussisonsrunde im Zürcher Literaturhaus. Es ist nicht die einzige Bütt, in die Frau Hänsel und Herr Paech steigen, aber mit Sicherheit eine, in der sie sich besonders wohl fühlen. Und so lag es an Gregor Gysi, den beiden Tupamaros eine kleine fraktionsinterne Standpauke über die Aufgaben und Verpflichtungen eines Abgeordneten zu halten.

Und das kam dabei heraus:

= Lieber Henryk, inzwischen habe ich die Antwort von Norman Paech, der nun einsieht, dass es besser gewesen wäre, für eine Podiumsdiskussion mit Dir und Frau Langer zu streiten. Frau Hänsel will Dir selbst antworten. Mit herzlichen Grüßen Gregor =

Tatsächlich wachte auch Frau Hänsel aus ihrem Solidarkoma auf und schickte mir diese lustige mail:

= Sehr geehrter Herr Broder, vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Arbeit! ... Ich habe... einen konstruktiven Vorschlag zu Streitbeilegung bzgl. verschiedener Einladungslisten gemacht, nämlich Sie und Frau Langer gemeinsam auf das Podium einzuladen. Davon habe ich nichts zurückgenommen o.ä. sondern das wurde eventuell vom webmaster von der Seite genommen, es gibt wohl unterschiedliche Versionen der Unterschriftenliste. Ich freue mich, daß Sie diesen Fall ebenfalls aufmerksam verfolgen und wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Vermehren der gewonnenen Einsichten. Mit freundlichem Gruß, Heike Hänsel =

Der webmaster wars! Frau Hänsel hatte nur einen ""Vorschlag zur Streitbeilegung" gemacht, sozusagen Mediator gespielt, weil sie gerade nix Wichtigeres zu tun hatte. Sozusagen in der kleinen Pause zwischen einer Demo gegen den Sozialabbau und für die 3o-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.

Und es machte Frau Hänsel und Herrn Paech nichts aus, unter lauter megalomanischen Irren, Halbanalphabeten und Hobby-Antisemiten zu stehen, die aus lauter Liebe zu Else Lasker-Schüler solche Sätze von sich gaben:

"Wer heute noch nicht begriffen hat, dass Israel eine Politik des Unrechts betreibt und Kriegsverbrechen begeht, dem kann man nicht mehr helfen. Herrn Broder kenne ich nicht, wohl aber Frau Langer... Es wäre also sinnvoll, sie zu Wort kommen zu lassen. Aber Israel ist halsstarrig, seit Jahrtausenden, und geht somit womöglich seiner nächsten Katastrophe entgegen."

"Wer die vielen Bücher der Menschenrechtsanwältin Felicia Langer liest, dem wird nicht entgehen wie poetisch diese Frau schreibt, selbst wenn sie die Verbrechen der 40 jährigen Besatzung schildert."

"Ich protestiere gegen die Ausladung von Felicia Langer und die Einladung von Herrn Langer zu der Veranstaltung am 29.10.06."

"Als gebürtige Wuppertalerin, die Else Lasker-Schüler verehrt und ihr Grab 1995 in Jerusalem aufgesucht hatte, bin ich sicher, dass die Dichterin sich für Felicia Langer und gegen Henrik M. Broder entschieden hätte..."

"Meine Familie und ich sind empört, dass Felicia Langer, dieser bewundernswerten Frau, eine derartige Demütigung in der Schweiz zuteil wird. Wären wir in Italien, wüßten wir, dass die Mafia das zu verantworten hat..."

"DISBAND THE ZIONIST APARTHEID REGIME OF ISRAEL NOW !"

Nicht einmal der Umstand, dass der bekannte Prosemit und Friedensprediger Jamal Karsli (früher GRüNE und FDP, heute deutsches Radio Teheran), der vor kurzem noch auf der Kölner Domplatte rumgehüpft ist und "Wir sind alle Hisbollah!" gerufen hat, den Aufruf unterschrieben hatte, vermochte Frau Hänsel und Herrn Paech in ihrer Solidarität mit Frau Langer zu erschüttern, auf deren Teilnahme verzichtet wurde, weil ihre Honorarforderungen das Dreifache der Summe betrugen, die andere Teilnehmer des ELS-Forum bekamen, und weil sie auch noch ihren musizierenden Sohn mitbringen wollte.

Jetzt bleiben den "mehr als 200 Publizisten, Kulturschaffenden und Friedensaktivisten" nur noch wenige Stunden Zeit, um ihr Projekt zu vollenden. Ich gehe derweil in die "Kronenhalle" und genehmige mir einen Teller Kalbsgeschnetzeltes mit Röschti und hinterher eine doppelte Portion mousse au chocolat.

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