Henryk M. Broder 05.11.2006 19:10 +Feedback
GENOZID!
Wole Soyinka, nigerianischer Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur, über das Morden in Darfur:
"Nicht ein Mitglied der Weltfamilie hat bislang verlangt, dass gegen die Jauchegrube krimineller Straflosigkeit im Sudan Sanktionen verhängt werden. Welche größere Dimension an staatlichem Terrorismus braucht die Welt eigentlich noch, um tätig zu werden, wenn eine Regierung ihre bis an die Zähne bewaffneten Helfershelfer nicht nur loslässt, sondern auch massiv unterstützt, ausrüstet und durch ihre eigenen Streitkräfte und Geheimdienste unterstützt; wenn die Beweise für eine vom Staat eingesegnete „ethnische Säuberung“ vorliegen, derartige Vorkommnisse von Zeugen belegt sind, von Organisationen der Vereinten Nationen vor Ort festgestellt und berichtet wurden; wenn die Folgen dieser Handlungen in die sudanesische Landschaft eingebrannt sind, und zwar als: Massengräber, Ruinen niedergebrannter Dörfer, vergiftete Quellen, hingeschlachtete Herden, wie auch in der dauernd wachsenden Zahl verstümmelter Überlebender, der Opfer von Massenvergewaltigungen, von überfüllten Flüchtlingslagern, in denen Massenerkrankungen herrschen?
Aber nein, Darfur liegt nicht im Herzen Europas. Darfur ist nicht das Herz Libanons und liegt nicht an den Grenzen Israels. Darfur liegt in einem der Verachtung anheimgegebenen Land, bekannt allein als die Heimat des Mangels und – gelegentlich – als ein Ort mit großen natürlichen Vorkommen. Wie heißt also dieses Wort, welches anklagt, verdammt und das sich nicht zum Schweigen bringen lässt? Wie heißt dieses Wort, für das so viele Ersatzbegriffe angehäuft werden und das doch des in ihm enthaltenen Imperativs beraubt wird, und zwar in den Korridoren und Sälen der Vereinten Nationen?"
Der ganze Text:
http://www.tagesspiegel.de/meinung/archiv/05.11.2006/2875653.asp
