Archiv



  02.05.2005  16:26   +Feedback

"Ihr liebt das Leben ..." – sechs Thesen

Einmal in einem Offiziersheim der Bundeswehr übernachten – ein Angebot, das ich als ehemaliger Zivi nicht ausschlagen konnte. Deshalb habe ich am vergangenen Donnerstag in Oldenburg bei der Reserveoffiziersgemeinschaft Oldenburg einen Vortrag gehalten. Thema: "'Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod' – Der Westen, Deutschland und der Internationale Terrorismus". Mehr als siebzig Besucher waren gekommen. Ganz links im Saal des Offizierscasinos der Donnerschwee-Kaserne saß in der ersten Reihe ein bärtiger, langhaariger Mann. Barfuß. Der letzte Alt-Achtundsechziger Oldenburgs schrieb fleißig mit und diskutierte sich später in einen Rausch, bis er den ganzen Saal gegen sich hatte – ein fast sympathisches Fossil. Vorne ganz rechts (die Sitzverteilung habe ich mir NICHT ausgedacht!) saß ein treuer Leser der rechten "Jungen Freiheit". Und dazwischen erstaunlich viele Schüler – die zwar durchaus kritisch, aber intelligent und höflich waren – dazu Unifomierte und Zivilisten aus der Gegend. Ein paar Anregungen für den Vortrag habe ich dankenswerter Weise unter anderem durch Texte von Hannes Stein, Maxeiner/Miersch und Henryk Broder erhalten, weswegen die folgende, vereinfachte Kurzversion des Referats vielleicht eine durchaus repräsentative Haltung der "Achse" zum Thema darstellt.

„Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“
Sechs Thesen zum Kampf des Westens gegen den islamistischen Terrorismus

von Tobias Kaufmann

Der internationale Terrorimus, der im Jahr 2004 laut US-Regierung 1.900 Todesopfer fordete – die meisten von ihnen Moslems – ist eine Bedrohung, der sich in der globalisierten Welt kein Staat entziehen kann. Nicht nur für die USA ist „kein Zaun hoch und kein Meer tief genug“, wie es der US-Politologe Benjamin Barber ausdrückte. Auch Deutschland ist vom Terrorismus betroffen. Nicht nur, dass unter den Opfern vieler Anschläge – etwa im World Trade Center in New York, auf Djerba und auf Bali – auch Deutsche waren. In Deutschland sind die Anschläge vom 11. Semptember 2001 über Jahre hinweg geplant und vorbereitet worden. Zudem ist Deutschland vom fein verwobenen Netz der modernen Wirtschaft extrem abhängig – und eben dieses Netz wird durch Terror massiv bedroht, ebenso wie die Werte, die das sogenannte „Abendland“ schließlich ausmachen: wie die universalen Menschenrechte, Demokratie, Privateigentum. Die islamistischen Terroristen hassen diese Werte. Sie sind nicht in ein hierarchisches System eingebunden, sondern operieren unter dem ideologischen Dach eines weltweiten Heiligen Kriegs in vielen Regionen der Welt weitgehend autonom. Der israelische Terrorexperte Jonathan Fighel sagt: Die Terroristen schlagen dort zu, wo es logistisch machbar ist, und wo mediale Aufmerksamkeit garantiert ist. Ist der „Krieg gegen den Terror“ zu gewinnen? Dazu sechs Thesen:

1. Der islamistische Terrorismus folgt keinem politischen Konzept, das verhandelbar wäre. Ziel ist die Vernichtung der „dekadenten Welt der Ungläubigen“, die von den verhassten Juden kontrolliert wird. Eliminatorischer Judenhass und fanatische Todessehnsucht sind wesentliche Merkmale dieser Mordkultur. Es kann deshalb keine politischen Zugeständnisse und keine Kompromisse mit den Islamisten geben. Im Gegenteil: jede Form der Annäherung ist kontraprodutiv, weil es die Extremisten nur in Ihrer Annahme bestärkt, der „weiche“ Westen halte den Angst und Schrecken verbreitenden und moralisch überlegenen Gotteskriegern auf Dauer nicht stand.

2. Der islamistische Terrorismus begründet sich nicht durch soziale Probleme auf der Welt. Die Aktivisten der Terrorgruppen sind in ihrer übergroßen Mehrzahl wohlhabende, teilweise hervorragend ausgebildete Männer, die von Armut nie betroffen waren. Soziale Fragen haben seit der Gründung der Muslimbruderschaften in den dreißiger Jahren für die Islamisten nie eine Rolle gespielt – und sie tauchen auch in der aktuellen Propaganda der Terroristen nie auf. Der Terror kann deshalb, entgegen der landläufigen Behauptung, nicht mit sozialen Veränderungen (allein) bekämpft werden.

3. Der Westen ist nicht „schuld“ am Terrorismus. Er ist keine Antwort auf eine westlich/amerikanisch/zionistische Aggression. Wer das Gegenteil behauptet, muss sich der Gefahr bewusst sein, einer unmoralischen und faktisch nicht haltbaren Propagandalüge der Islamisten auf den Leim zu gehen: Die Opfer des Terrors sind selbst schuld.

4. Die Befriedung einzelner Konfliktfelder kann dem Terror zwar Schwung nehmen, löst aber nicht die Ursache des Problems. Tschetschenien-, Irak- oder Palästinafrage sind Vorwände der Terroristen, die allesamt Symptome derselben Krankheit sind, aber diese Krankheit nicht verursachen – im Gegenteil, sie werden durch diese Krankheit angefacht. Der deutsche Terrorexperte Berndt Georg Thamm schreibt: „Kein indonesischer Dschihad-Kämpfer würde wegen Palästina das Schwert aus der Hand legen.“

5. Der Westen kann den Terrorismus nur erfolgreich bekämpfen, wenn er zusammensteht und entschlossen ist, die nötigen Gegenstrategien gemeinsam umzusetzen. Kein westliches Land kann sich diplomatisch bei Osama Bin Laden und seinen ideologischen Brüdern vom Terror freikaufen. Die Piraterie (und die staatliche Kollaboration mit Piraten) vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wäre dazu ein passender Vergleich – erst durch die Erklärung von Paris 1856 wurden die sogenannten Kaperbriefe geächtet und die Piraterie besiegt. Im Kampf gegen den Terror ist nicht Vulgärpatriotismus oder der leichtfertige Abbau bürgerlicher Rechte erfolgversprechend, sondern eine gemeinsame politisch-sozial-militärische Offensive in den Regionen, aus denen der Terror kommt.

6. „Die schmerzhafte Wahrheit: Alle Terroristen der Welt sind Muslime" schrieb die in London erscheinende arabische Zeitung Asharq al-Awsat nach dem Massaker von Beslan. Das mag im Schock übertrieben sein, es trifft aber einen Kern, den viele in Europa nicht wahrhaben wollen. Konkret bedeutet dies: der Westen kann den Terrorismus zwar bekämpfen. Politisch besiegen können dieses Phänomen aber nur jene Gesellschaften, die ihn geboren haben: die arabischen Diktaturen im Nahen und Mittleren Osten und die „islamische Welt“.

Permanenter Link


Zurück zur Blog-Ansicht (ältere Beiträge)

Zum aktuellen Blog von Die Achse des Guten