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  07.07.2005  11:26   +Feedback

Helgas Hamas

Unser Volkskorrespondent W.Sch. berichtet aus Leipzig:

Ein unterhaltsamer Abend neigt sich seinem Ende zu.

Im Anschluß an den heutigen Vortrag "Hamas ante portas" von Helga
Baumgarten im antizionistischen Selbstgespräch an der Uni Leipzig erhob sich
das Publikum von den Sitzen und applaudierte stehend der Referentin wie
auf dem XII. Parteitag der SED, der genausogut auch hätte im Berliner
Sportpalast stattfinden können. Anschließend löschte Conferencier Georg
Meggle das Licht und gab dem Volkskorrespondenten zu dessen Bedauern
nicht mehr die Möglichkeit zu der geplanten Intervention.

Was war geschehen?

Nach einigen bedauerlichen Anlaufschwierigkeiten, bedingt durch eine
lästige Einlaßkontrolle seitens der Freunde vom "Bündnis gegen
Antisemitismus Leipzig" und einer wie gewohnt warmherzigen Begrüßung der Kollegin von der Anti-Scharon-Fraktion, Helga Baumgarten, sowie einem diskreten
Aufmarsch der Saalordner des Djihad, die dann später noch zum Einsatz
kommen sollten, ergriff die Büroleiterin des DAAD in Jerusalem das Wort
und erklärte dem faktenhungrigen Leipziger Publikum, was wir Deutsche
unter der Hamas zu vertstehen haben.

Zunächst aber hatte die Referentin ihr Thema mehrfach abgeändert. Hieß
es zunächst, eher neutral, "Zur Rolle der Hamas", wie langweilig, wurde
daraus im Anschluß "Die Hamas zwischen Widerstand und Opposition",
schon besser, und schließlich "Hamas ante portas", was unsere Referentin
und auch das Publikum offenbar mit sichtlicher Genugtuung erfüllte.

Die Hamas, so Conferencier Meggle in seiner Einleitung, sei momentan
dabei, vom "destruktiven Terror" zu "konstruktiver Politik" überzugehen,
nachdem sie zunächst eine reine "Widerstandsorganisation" gewesen sei,
die nicht nur "Menschen", was ja noch zu verschmerzen war, sondern auch
"Emotionen" habe hochgehen lassen.

Sodann erklärte Frau Baumgarten uns die etymologische Herkunft des
Namens "Hamas", der ursprünglich so etwas wie "Eifer(er)" bedeutet.

Die sog. "Muslimbrüderschaft" als ideologische Vorläuferin der Hamas
verfolgte nach Meinung von Helga Baumgarten in erster Linie das Ziel
einer "kulturellen Renaissance", das sie v.a. durch den Bau von Moscheen zu
verwirklichen suchte.

Erst sehr viel später, so Helga Baumgarten, ging die Hamas dann zum
"Aufbau sozialer Institutionen" über und wurde so gewissermaßen zu einer
Art neuer "Heilsarmee" für die armen, unterdrückten Palästinenser.

Der von der Hamas propagierte Djihad (zu dt. heiliger Krieg) diente
nach Meinung der Referentin hauptsächlich der Beendigung einer
terroristischen Besatzung und der Befreiung des palästinensischen Volkes von der
israelischen Fremdherrschaft.

Leider konnte die Hamas aber für dieses Ziel nicht die kontinuierliche
Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft, sprich der UNO,
erlangen, wenngleich die EU im Grunde noch heute, wenn auch nach
einigem Grummeln, dankenswerterweise die Shopping-List von Arafats Witwe bei
den Modemachern der rue Saint Honoré in Paris finanziert. Immerhin!

In jüngster Zeit, sprich nach der Absetzung Saddam Husseins, nach dem
bedauernswerten Ableben von Scheich Jassin sowie nach dem Tode Arafats,
verhandelt die Hamas nun lieber in durchaus "friedlicher Absicht" mit
dem "Nazistaat" Israel.

Also, so das abschließende Fazit von Helga Baumgarten, müssen alle
Beteiligten jetzt endlich aufeinander zugehen und versuchen, ein Ende der
Gewalt im Nahen Osten zu erreichen, die Israelis, indem sie nach dem
Gaza-Streifen endlich auch die Westbank räumen und die Hamas, indem sie
ihrem Terror sozusagen eine ethische Dimension hinzufügt, die er bisher
offenbar nicht hatte.

Schließlich, so unsere Referentin, habe eine nüchterne
"Kosten-Nutzen-Analyse" der Hamas ergeben, daß der Terror gegen Israel sich langfristig nicht auszahle, weshalb sie zu der Einsicht gelangt sei, daß es u.U.
sogar besser sein könnte, selbst mit dem "Nazi-Staat" Israel in
Verhandlungen einzutreten.

Die im Grunde einzige Kritik von Helga Baumgarten an diesem Abend bezog
sich im Grunde lediglich auf die angeblich "frauenfeindliche" Programmatik der Hamas.

Doch nachdem unsere Referentin gegen Ende ihres Vortrages mit dem hohen
Lied von Nicole "ein bißchen Frieden..." den anwesenden Leipziger
Gutmenschen offenkundig aus der Seele gesprochen hatte, waren selbst einige
militante Feministinnen im Saal bereit, ihr zu vergeben, daß sie den in
der Tat problematischsten Programmpunkt der Hamas, nämlich ihre
militante Frauenfeindlichkeit, zunächst nicht erwähnt hatte, und somit konnten
dann alle anwesenden Mitglieder der neuen deutschen "Volksgemeinschaft"
am Ende beruhigt den verdienten Heimweg antreten.

P.S.: Übrigens bezeichnete Helga Baumgarten sozusagen "en passant" den
Gaza-Streifen als das momentan größte "Völkergefängnis" der Welt.
Sorry, liebe Helga, aber ich dachte, gerade am Independance Day, das sei
nach wie vor natürlich Abu Graibh!?

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