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  09.00.2004  22:01   +Feedback

Bitte einen Preis!

Talentsucher aufgepasst! Auf der Suche nach Informationen über Ludwig Watzal den weltweit führendsten Nahostexperten, der je für die "Junge Welt" schrieb führte mich google soeben zu einem der großartigsten journalistischen Werke unserer Zeit. Es handelt sich um ein Porträt aus der "Ost-West-Wochenzeitung Freitag". Die Autorin Marina Achenbach hat sich mit der Politaktivistin Julia Deeg getroffen, die berühmt wurde, als sie vor zweieinhalb Jahren im Hauptquartier von Jassir Arafat als Schutzschild herumsaß und seitdem die weltweit zweitplazierte Nahostexpertin ist, die je für die "Junge Welt schrieb. Aber, genug der Vorrede, Bahn frei für Marina Achenbach:

"... Wieder treffen wir uns in ihrer großen Wohnung. Wieder streichen die Hunde um uns herum. Julia hat ein arabisches Frühstück vorbereitet, mit Rührei, Zwiebeln, Kräutern, Tomaten, gegrillten Zucchinis. Morgens hat sie schon einige Stunden im Badezimmer gearbeitet, in dem sie eine Dunkelkammer eingerichtet hat. Denn nach den Erlebnissen in Palästina hat sie sich an einer Fotoschule beworben und studiert dort jetzt. - Du machst nun doch nichts mit Tieren, sondern mit Fotografie? frage ich nach. Aber nicht mit dem Ziel, als Fotografin Karriere zu machen, schränkt sie gleich ein. Sie lerne, was sie im Moment wichtig finde zu lernen. Die Dinge zu dokumentieren, die sie sieht - in Berlin oder in Palästina - findet sie manchmal sehr wichtig. So tastet sie sich vor im Leben. Im Sommer wird sie nach Griechenland fahren, zu ihrem Vater, an den sie sich kaum erinnert. Wieder ein neuer Faden, den sie aufnimmt. Sie lacht und zeigt ihre Zähne, von denen sie viel mehr zu haben scheint als andere Leute."

Mir bleibt nur noch, beschwingt auszurufen: Eine Zahnarzt muss her für Julia Deeg! Und ein Journalistenpreis für Marina Achenbach! Ach was, schüttet sie mit Preisen zu, sendet diesen Text als Grußbotschaft ins All und verbuddelt ihn in der Erde, auf dass dereinst folgende Generationen ihn als Zeugnis unserer untergegangenen Kultur lesen können. Am besten bei einem arabischen Frühstück mit gegrillten Zucchinis.

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