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  18.07.2015   17:06   Leserkommentare (2)

Deutschland – ein Fetisch

Als größter Wohltäter der deutschen Linksdenkenden erweist sich seit Wochen Wolfgang Schäuble. Dessen harte Linie zum Thema Griechenland-Kredite dient ihnen als Steilvorlage. Mit großem Enthusiasmus machen sie sich jetzt über ihn her. Endlich mal wieder erhebt der für die linke Identität so wichtige Typus des „hässlichen Deutschen“ sein lang vermisstes Haupt. Endlich kann man sich mit Wonne von ihm distanzieren. Und so quellen die sozialen Medien über mit rhetorischen Orgien nationaler Selbstkritik und Prozessen linker Selbstvergewisserung – jeweils via Verdammung der hartherzigen Regierung.

Um Griechenland geht es dabei nur am Rande. Die Frage, ob und wie Athen zu einem eigenen Wachstumspfad gelangen könnte, wird nur peripher und relativ gelangweilt gestreift. Sie interessiert die Schäuble-Kritiker nicht. Diese drehen...

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Wirtschaft 

  25.01.2015   06:55   Leserkommentare (14)

Pegida-Pegada-Pegaga: Anti-Amerikanismus als gemeinsamer Nenner

Man wundert sich fast, dass es so lange gedauert hat. In Erfurt haben unter PegXda-Banner Tausende „gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ demonstriert. Es war klar, dass der enge Fokus auf den Islam den Selbstdefinitionsversuchen der demonstrierenden Kleinbürger nicht ausreicht. Die wahre Stoßrichtung musste eine andere sein, jene, die den deutschen Mainstream ohnehin hysterisiert wie keine andere: der Antiamerikanismus. Amerika, gern noch gepaart mit Israel, ist die Orientierungsfigur, an der sich der deutsche Nationalismus bevorzugt abarbeitet. Neu ist das nicht. Schon der frühe Thomas Mann fabulierte vom teutschen Geist als etwas ganz Eigenem, viel Tieferem als der schröcklich oberflächliche, amerikanisch-angelsächsische Liberalismus.

Die PegXda-Demos, ohnehin ein Schaulaufen sämtlicher unsympathischer Haltungen...

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  21.01.2015   07:24   Leserkommentare (10)

Immer wieder die Frage: Was ist liberal?

Die große Enttäuschung gleich zu Beginn: Ich habe als Antwort auch keinen Einzeiler, der so klar ist, dass der Text hier aufhören könnte. Ich erspare Ihnen (und mir) auch das Wälzen von Definitionen. Hier nun John Locke zu zitieren, John Stuart Mill oder ältere FDP-Parteiprogramme, und zu fragen, ob das alles heute noch relevant ist? Bringt uns nicht weiter. Ich will aber einen anderen Autor erwähnen: Gilles Deleuze. Der wird eigentlich, grob gesprochen, als Dekonstruktivist gesehen. Er selbst verstand sich als Marxist. Sein Denken kreiste immer um Konzepte von Wandel und der Dekonstruktion von allem – auch des Individuums als rational handelndem, mit eindeutiger Identität behaftetem Wesen. Genau das macht Deleuze zur Gegenfigur des klassischen liberalistischen Denkens. Es gibt aber eben auch Versuche, seine Grundgedanken in...

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  17.01.2015   09:45   Leserkommentare (1)

Terror und die Mediengesellschaft

An den Charlie Hebdo-Debatten zeigt sich ein Mechanismus unserer Mediengesellschaft besonders deutlich: Die Tendenz letztlich jedes Diskurses, in seinem Verlauf zunehmend reflexiv zu werden. Am Ende diskutieren wir jeweils nicht mehr über die Sache, sondern über unsere Herangehensweise an die Sache. Was nicht schlecht ist oder “weich”, sondern ein Wesenszug aufgeklärter Gesellschaften.

Zumal es in diesem Fall ja auch eine direkte Reaktion auf die „Botschaft“ des Pariser Attentats ist. Dieses bildete das brutale und lächerlich eindimensionale Pendant islamistischen Terrordenkens zur Medienkritik. Insofern ist die ganze Diskussion bei uns eine passende Antwort auf die Attentäter. Auf einer Meta-Ebene lautet die Message: Schaut her, Terroristen, sogar auf Eure plumpen Mordaktionen kann unsere diskursive Kultur reagieren. In diesem...

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  25.12.2014   09:33   Leserkommentare (1)

Kims großer Plan

Kim Jong-Un ist ein begnadeter Stratege. Die Mechanismen des Kapitalismus durchschaut er wie kein zweiter. Er weiß: Scheinbar drohende Knappheit eines Gutes und die Bedrohung durch ein feindliches Regime sind der beste Weg, für ein Filmerzeugnis Aufmerksamkeit zu generieren. Und globale Aufmerksamkeit für die Satire „The Interview“, in der er selber die wichtigste Figur darstellt, ist natürlich im Sinne des Regenten. Schließlich ist an ihm ja ein begnadeter Mime verloren gegangen. Seine barocke Öffentlichkeitsarbeit bezeugt dies, ebenso wie seine legendären Auftritte auf Kult-Websites wie „Kim Jong-Un looking at things“. Kim ist ein Genie der viralen Kommunikation.

Nun also seine raffinierte Hacker-Attacke. Und Sony Pictures ist natürlich drauf reingefallen. Der kapitalistische Saurier hat mitgespielt, ganz so wie es der...

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Kategorie(n): Ausland  Kultur  Satire 

  12.11.2014   08:08   Leserkommentare (4)

Lieblingthema von „Print“: „Print“

Ach ja, der Printjournalismus. Oder allgemein das „Prinzip Print“. Es stirbt, das lesen, hören und wissen wir. Irgendwie zumindest stirbt es. Gefühlt. Sagen doch alle.

Wer immer, wie ich, eine gedruckte Publikation verantwortet, weiß zumindest, dass die Zeiten tatsächlich hart sind. Wir alle suchen, mehr oder minder erfolgreich, nach Wegen, aus Medien Marken zu machen und diese in einer Kombination aus Gedrucktem und elektronisch Veröffentlichtem, aus Live-Events und sozial geteilten Inhalten zukunftsfest und relevant zu gestalten. Es gibt gelungene Beispiele und weniger gelungene. Erfolge und Misserfolge. Wie immer im Wirtschaftsleben.

Was uns dabei treibt, ist sicher auch eine gewisse Liebe zum geschriebenen Wort, zu längeren Texten. Zum guten Journalismus. Und damit auch eine gewisse Voreingenommenheit.

Immerhin: Ich bin...

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  18.08.2014   09:29   Leserkommentare (4)

Der neue “linke” Nationalismus

Als Gratmesser öffentlichen Bewusstseins eignet sich kein Medium so gut wie Facebook. Nachzuvollziehen war das hervorragend im Zuge der amerikanischen Abhöraktivitäten. Die Empörung in meinem Freundeskreis war groß. „Der Ami“ hatte wieder zugeschlagen. Die Abhöraktivitäten wurden schnell in Zusammenhang gesetzt zu einem vermeintlich keine Freunde kennenden amerikanischen Nationalismus. Man legte sehr hohe Maßstäbe an und folgerte, wer abhört, kann kein guter Staat sein.

Und nun? Angesichts der Tatsache, dass der BND sich in die Kommunikation der amtierenden US-Außenministerin eingeklinkt hat? Sie werden es ahnen – nichts. Keine Empörung, kein Entsetzen. Keine großen Analysen des deutschen hysterischen oder paranoiden Nationalcharakters. Wieso nur? Anlässlich der US-Maßnahmen waren doch so hehre moralische Standards...

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Kategorie(n): Ausland  Kultur 

  29.04.2014   22:32   Leserkommentare (14)

Schuld am FC Bayern-Desaster: die 17 anderen Bundesliga-Clubs

So fühlt er sich also an, der Boden der Tatsachen. Real Madrid hat Fußball-Deutschland demonstriert, dass sich die Grundkoordinaten des Clubfußballs mitnichten fundamental verändert haben in den letzten Jahren. Es ist wie meist: Bayern München spielt oben mit, aber nur einigermaßen. Der Rest der Bundesliga nicht. Gar nicht. Und die Bundesliga ist auch weder „die stärkste Liga der Welt“ noch ausgeglichener als die Ligen in England oder Spanien. Dem momentanen Trend zur deutschen Selbstüberschätzung zum Trotz.

Wer ist Schuld am Reinfall von München? Guardiola? Vielleicht ein wenig. Weil er Ballbesitz mit Torgefahr verwechselt. Schweinsteiger, Lahm? Sicher auch. Aber vor allem: die anderen 17 Bundesligaclubs. Weil sie in dieser Saison in dramatisch wettbewerbsfeindlicher Weise ihre Spiele gegen den FC Bayern abgeschenkt...

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur  Bunte Welt