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  28.05.2014   12:47   Leserkommentare (3)

Kreuzung aus Arafat und altem Fensterleder

Neulich ging ich an einem etwa sechzehnjährigen Mädchen vorbei, dessen Dekolleté breitflächig von einem bunten, tätowierten Cupcake geziert wurde. Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Früher galten Tätowierungen als vulgär und proletarisch, ja geradezu verdächtig. Es gab eigentlich nur drei Bevölkerungsgruppen, die Tätowierungen hatten: Seeleute, Ex-Häftlinge und Rocker.

Bei den Seeleuten gehörten die pfeildurchbohrten Herzen mit dem Namen der Liebsten oder der Mutter, der Anker und die Bark mit vollen Segeln hart am Wind schlicht zur Folklore. Ex-Häftlinge hatten die von Tattoo-Joe aus Zellenblock III dilettantisch handgestochenen Knastkennzeichen an abartigen Stellen wie auf den Fingerknöcheln und zwischen den Augenbrauen. Und die Tätowierungen der Rocker konnte man gebührend bewundern, wenn sie im Sommer ihre...

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Kategorie(n): Kultur 

  07.05.2014   14:46   Leserkommentare (10)

Der Verfassungsschutz ist nicht bös, sondern nur blöd

In den frühern Achtzigern, als ich noch in linken Demonstrantenkreisen zuhause war, fürchteten wir uns nicht unerheblich vor dem Verfassungsschutz, weil wir in dem Wahn lebten, von dieser Behörde überwacht, erkannt und verfolgt zu werden, sobald wir am helllichten Tage die Straße betraten. Seit der Podiumsdiskussion „Islamismus: Nur eine jugendliche Subkultur?“, zu der der Verfassungsschutzes in Hamburg anlässlich der Ausstellung „Islam – die missbrauchte Religion“ im April geladen hatte, weiß ich allerdings: .

Normalerweise habe ich ja die größten Schwierigkeiten, meine vorlaute Klappe zu halten.  Bei einer Lesung von Paul Auster im Hamburger Schauspielhaus habe ich als einzige von annähernd zweitausend Besuchern laut und deutlich “Ich nicht!“ gebrüllt, als Moderator Jan Josef Liefers sagte, er sei sicher, dass...

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Kategorie(n): Inland 

  01.05.2014   11:44   Leserkommentare (im Wartemodus)

Schweben in Stuttgart

Ballettomanen wie ich haben den Ehrgeiz, die großen Ballette am liebsten an den Schauplätzen ganz großer Tanzgeschichte zu sehen: Schwanensee in Moskau! Dornrösschen in St. Petersburg! The Nutcracker in New York!

Bisher habe ich nur letzteres geschafft, und die Vorstellung des New York City Ballets war die schlimmste Verstümmelung dieses herrlichen Klassikers, seit meine Banknachbarin Tamara als Dreizehnjährige in der Nussknackersuite bei der Weihnachtsaufführung ihres längst untergegangenen Wandsbeker Ballettstudios auf die Schnauze gefallen ist.

Aber „Giselle“ zu Ostern im württembergischen Staatstheater Stuttgart – und man weiß wieder, dass kein Weg zu weit sein muss. Es gibt kaum ein Ballett, das deutscher sein könnte als das 1841 uraufgeführte Tanzdrama. Die Handlung nach Motiven von Heinrich Heine spielt im...

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Kategorie(n): Kultur 

  30.03.2014   13:01   Leserkommentare (1)

Meine Lieblingskaffeehäuser weltweit

Zabar’s, 2245 Broadway, New York City

Ein Café im europäischen Sinne ist Zabar’s weiß Gott nicht. Das will es auch gar nicht sein, solche Mätzchen überlässt man in New York lieber den Cafés in Soho und Greenwich Village. Eher ist es die an den besten Delikatessenladen weltweit angeschlossene Imbissstube.
Als Deutsche outet man sich augenblicklich, wenn man, so wie ich, angewidert den Müll vom Tisch sammelt und ihn anschließend abwischt. „Wow, I’ll take You home with me, honey!“  kommentierte eine ältere Dame prompt. Nirgendwo sonst in New York kann man gleichzeitig so preiswert und so hervorragend speisen. Gemütlichkeit kommt in der übervollen Winzkantine zwar nicht auf, aber dafür kann man beim Essen durch die großen Fenster das brausende Volksleben auf dem Broadway beobachten. Es gibt herrliche Klassiker der...

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Kategorie(n): Kultur  Wirtschaft  Bunte Welt 

  12.02.2014   16:59   Leserkommentare (6)

Der Mensch gewöhnt sich an allem

Junge Schauspielschülerinnen haben noch nie was von Marlene Dietrich gehört. Dafür kennen sie Miley Cyrus und zwei Adjektive: Krass und Hammer. Na gut, so ist das heute. Auch, dass mein Klempner neulich nicht wusste, wer dieser Heinrich VIII. war, dem er so lachhaft ähnlich sieht, mag noch hingehen. Aber deutsche Studenten, die nicht wissen, in welchem Jahrhundert der zweite Weltkrieg stattgefunden hat? Lehramtsanwärter, die die eigene Sprache nicht mehr beherrschen? Der streitbare Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff beschreibt in seiner vierten Publikation „SOS Kinderseele“ nicht nur Auswüchse verfehlter Bildungspolitik, sondern appelliert auch dringend an die Verantwortlichen der Gesellschaft, egal ob Politiker, Eltern, Pädagogen oder Lehrer, endlich umzudenken, bevor die Republik der völligen Verblödung anheimfällt....[Weiterlesen…]

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Kategorie(n): Kultur  Bunte Welt 

  15.01.2014   19:31   Leserkommentare (12)

Hurra, wir kommen (nicht)!

Über ihren sexuellen Höhepunkt reden Frauen in der Regel nur miteinander, wenn sie sich mindestens fünf Jahre kennen oder fünf Grappa gekippt haben oder, im günstigsten Falle, beides. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass man heute noch immer meint, der weibliche Orgasmus sei voller Geheimnisse, wie es im Artikel in der „Welt“ über die Publikation der Wiener Gynäkologin Elia Bragagna heißt.

Tut mir ja leid, aber: Nee, isser nicht.

Wenigstens hört man jetzt vielleicht damit auf, Frauen mit dem Blödsinn vom vaginalen Orgasmus zu neven. Denn dass die Vagina so ziemlich das unempfindlichste Organ ist, weiß jede Frau, die einigermaßen in ihrem Körper zuhause ist. Nicht umsonst vergessen Frauen dort tagelang Tampons der Größe Super-Plus. In der Vagina sind an manchen Stellen so wenige Nervenstränge, dass man dort...

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Kategorie(n): Wissen 

  21.12.2013   19:11   Leserkommentare (18)

Ein Gesetz kann keine Wunder bewirken

Fortsetzung der Debatte um eine Verbot von Prostitution
Eine Replik auf den Beitrag von Gérard Bökenkamp

Mit seiner Kritik am schwedischen Prostitutionsverbot unterstellt Gérard Bökenkamp Politikern und Feministen den naiven Glauben, man müsste nur die Prostitution verbieten, und schon sei die Welt in Ordnung. Niemand hat erwartet, dass das Gesetz mit einem Schlag die Prostitution abschaffen würde. Es geht auch bei der Kampagne der „Emma“ vor allen Dingen darum, eine Debatte anzustrengen. Es geht darum, die Selbstverständlichkeit, mit der Männer seit Jahrtausenden Frauen kaufen, in Frage zu stellen und zu ächten. Ja, ich weiß, dass es marginal auch Frauen gibt, die Männer kaufen, aber die sind die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die überproportionale Mehrheit von Freiern besteht aus Männern – selbst, wenn ein...

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Kategorie(n): Wissen  Wirtschaft 

  13.12.2013   23:27   Leserkommentare (11)

Das Elend der Prostitution und seine feingeistige Verbrämung

Es ist erstaunlich, was für Debatten seit der von der Zeitschrift „Emma“ angestoßenen Kampagne zur Abschaffung der Prostitution allerorten geführt werden. Prostitution, dass ist ein Thema, bei dem alle mitreden wollen. Am meisten allerdings die, die am wenigsten Ahnung haben. Wir sind doch alle ein bisschen Kiez. Bestimmt? Es galt in Hamburg schon immer die Regel, dass ein Künstler auf St. Pauli hausen muss, weil man angeblich nur dort im richtigen Leben wohnt und sich so die Streetcredibility verschafft, die man mit einer Eigentumswohnung in Harvestehude nun mal nicht so leicht hätte. Ich hatte auch jahrelang meinen künstlerischen Standort auf St. Pauli - allerdings hatte ich in meiner Jugend schon soviel Tuchfühlung mit Schmutz, Armut und Drogensucht, dass das von feingeistigen Intellektuellen so geschätzte Milieu bei mir...

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Kategorie(n): Wissen  Wirtschaft