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  08.10.2014   23:36   Leserkommentare (3)

Urlaubsgrüße aus dem Backofen

Ein Naturbad in Galiläa, nahe an den Gilboa-Bergen, von deren kühlen Gipfeln man einen Blick auf Jenin in der Westbank werfen kann, heißt Gan Haschloscha. Dank warmer Quellen lässt sich hier in herrlicher Umgebung rund ums Jahr baden. Heute sind 33°, aber trotzdem sind nicht gera-de viele im Wasser. Die arabischen Familien aus den umliegenden Dörfern lagern stattdessen am Rande und grillen. Es sind die Tage des islamischen Opferfestes. Die Männer tragen kurze Hosen und Feinrippunterhemden und lassen sich’s wohl sein; die Frauen sind, bis auf ein paar Ausnah-men, von Kopf bis Fuß verhüllt. Zwei Frauen sind sogar im Wasser, in Ganzkörperbadeanzügen, über denen zusätzlich noch ein Hemd getragen wird. Umso mehr Aufmerksamkeit erregen Touristinnen im Bikini. Junge Araber pirschen sich in ihre Nähe und können es nicht fassen....

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Kategorie(n): Ausland  Bunte Welt 

  04.10.2014   21:49   Leserkommentare (8)

Jahrmarkt der Frömmigkeiten

Dass die Bewohner von Tel Aviv häufig keine blasse Ahnung haben von dem, was im Rest des Landes vor sich geht, bestätigte uns einst Miriam von der Touristeninfo in Arad in der Negev-Wüste. Sie sprach perfekt deutsch mit schwäbischer Dialektfärbung und riet uns augenblicklich, statt den langen Umweg über Beer Sheva einfach direkt über Jerusalem ans Tote Meer zu fahren. Wer uns denn zu dem Quatsch geraten hätte? Na, ein Polizist aus Tel Aviv. Und ein Buchhändler hatte uns darüber hinaus dringend davon abgeraten, die Wüste zu besuchen, viel zu gefährlich! So kamen wir also mit Miriam ins Gespräch. Alles Unsinn, versicherte sie uns.

Sie erzählte, dass ihr Vater in den dreißiger Jahren eingewandert sei und kein Wort hebräisch gelernt habe. Er hatte eine Bäckerei in Haifa und die Jemeniten, die dort arbeiteten, lernten alle...

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Kategorie(n): Ausland  Kultur  Bunte Welt 

  26.09.2014   14:56   Leserkommentare (2)

Bitte nicht mit Steinen auf Klippschliefer werfen

Ein Gedi ist ein winziges, fragiles Paradies mitten in der judäischen Steinwüste am Toten Meer, dem tiefsten Punkt der bewohnten Erde. Dort, wo das Leben spendende Wasser in herrlichen Kaskaden die Berge hinuntersaust, um schließlich in der Salzsuppe des Toten Meeres aufzugehen, konzentriert sich das artenreichste Biotop Israels. Es ist eine touristische Attraktion ersten Ranges, komplett mit Kibbuz, Guest House, Youth Hostel und Spa.

Genauso wie Ein Gedi habe ich mir seit frühester Kindheit die Oase von Herrn Tur Tur aus „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ vorgestellt: Ein wunderschöner Traumort voller Quellen, Leben und üppigem Grün, wo man, entspannt im kühlen Nass liegend, dem Kreisen der Geier zusehen kann.

Für den Naturfreund bleibt hier kaum ein Wunsch offen. Wölfe, Schakale, Füchse und sogar die sehr...

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Kategorie(n): Ausland  Kultur  Bunte Welt 

  10.09.2014   18:09   Leserkommentare (2)

Kinder, wie die Zeit vergeht…

Hallo, liebe Freunde!

ich freue mich mit Euch über zehn spannende Jahre Information, Polemik, Spaß, Unterhaltung, Rückhalt und Freundschaft. Dafür möchte ich Euch herzlich danken! Zuerst die schlechte Nachricht: Nach unserem großen Vorbild, der RAF, haben wir jetzt in Hamburg konspirative Zellenbildung betrieben. Ich wurde gestern Abend auf allegmeinen Wusch zur Ortsgruppenleiterin ernannt. Die gute Nachricht:Ich habe anlässlich der vergangenen zehn Jahre ein Brainstorming veranstaltet. Welche Veränderungen mir sofort aufgefallen sind:


U-Bahn-Fahrt 2004
Sechsundzwanzig Leute, die Bücher, Zeitschriften und Lehrbücher lesen, sich unterhalten, kichern, grölen, essen, reden, trinken und einer, der telefoniert.
U-Bahn-Fahrt 2014
Sechsundzwanzig Leute, die auf ihr IPhone starren

Großväter 2004
Fünfundachtzigjährige...

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Kategorie(n): Kultur  Bunte Welt  Hausnachrichten 

  21.08.2014   17:34   Leserkommentare (7)

Von Einbahnstrassen und frühkindlichem Narzissmus

Zwei Jahre wohne ich jetzt schon neben einer Riesenbaustelle. Auf einem halben Kilometer Länge wird täglich bis zu zehn Stunden gebaggert, gebohrt und gerammt. Dann schreiten die Rohrverleger zur Tat, und anschließend wird alles wieder hübsch zugeschaufelt und an der nächsten Stelle weitergebuddelt. Ab und an wird auch alles wieder aufgerissen und erneut gebaggert, gerammt und gebohrt. Da das ganze auf mehreren Kreuzungen an einer der Verkehrshauptschlagadern der Stadt geschieht, herrscht seitdem ein ungeheures Chaos. Dabei ist alles verkehrstechnisch bestens geregelt: Fußgängerüberwege sind gesichert und gekennzeichnet, mobile Ampelanlagen errichtet, Stoppschilder aufgestellt.

Trotzdem kommt es laufend zu Verkehrsunfällen. Diese Ecke der Stadt ist auch zu Baustellenfreien Zeiten ein kompliziertes Labyrinth von einspurigen...

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Kategorie(n): Inland 

  06.08.2014   16:57   Leserkommentare (13)

Wieder eine Freundin weniger…

Seit Beginn der Operation „Protective Edge“ habe ich prompt schon wieder eine Freundin weniger. Stein des Anstoßes war, dass ich nach der Ermordung der drei israelischen Jugendlichen Eyal Yifrach, Gilad Shaer und Naftali Frenkel spontan und in unschönen Ausdrücken äußerte, die Araber, die jetzt in Jerusalem mit Böllern und Knafeh dieses Massaker feierten, seien barbarisch und unzivilisiert. Die besagte Person verlinkte daraufhin einen Artikel, bei dem es um die Ermordung von Muhammad Abu Khdeir ging. Was sie mir damit sagen wollte, war, dass israelische Juden keineswegs besser oder schlechter seien als israelische Araber.

Als sich anderntags herausstellte, dass der arabische Junge wirklich von Juden ermordet worden war, war man in Israel schockiert, entsetzt, beschämt. Keiner feuerte vor Freude Knallfrösche ab, Kuchen wurde...

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur 

  28.05.2014   12:47   Leserkommentare (3)

Kreuzung aus Arafat und altem Fensterleder

Neulich ging ich an einem etwa sechzehnjährigen Mädchen vorbei, dessen Dekolleté breitflächig von einem bunten, tätowierten Cupcake geziert wurde. Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Früher galten Tätowierungen als vulgär und proletarisch, ja geradezu verdächtig. Es gab eigentlich nur drei Bevölkerungsgruppen, die Tätowierungen hatten: Seeleute, Ex-Häftlinge und Rocker.

Bei den Seeleuten gehörten die pfeildurchbohrten Herzen mit dem Namen der Liebsten oder der Mutter, der Anker und die Bark mit vollen Segeln hart am Wind schlicht zur Folklore. Ex-Häftlinge hatten die von Tattoo-Joe aus Zellenblock III dilettantisch handgestochenen Knastkennzeichen an abartigen Stellen wie auf den Fingerknöcheln und zwischen den Augenbrauen. Und die Tätowierungen der Rocker konnte man gebührend bewundern, wenn sie im Sommer ihre...

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Kategorie(n): Kultur 

  07.05.2014   14:46   Leserkommentare (10)

Der Verfassungsschutz ist nicht bös, sondern nur blöd

In den frühern Achtzigern, als ich noch in linken Demonstrantenkreisen zuhause war, fürchteten wir uns nicht unerheblich vor dem Verfassungsschutz, weil wir in dem Wahn lebten, von dieser Behörde überwacht, erkannt und verfolgt zu werden, sobald wir am helllichten Tage die Straße betraten. Seit der Podiumsdiskussion „Islamismus: Nur eine jugendliche Subkultur?“, zu der der Verfassungsschutzes in Hamburg anlässlich der Ausstellung „Islam – die missbrauchte Religion“ im April geladen hatte, weiß ich allerdings: .

Normalerweise habe ich ja die größten Schwierigkeiten, meine vorlaute Klappe zu halten.  Bei einer Lesung von Paul Auster im Hamburger Schauspielhaus habe ich als einzige von annähernd zweitausend Besuchern laut und deutlich “Ich nicht!“ gebrüllt, als Moderator Jan Josef Liefers sagte, er sei sicher, dass...

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Kategorie(n): Inland