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  18.04.2015   07:00   Leserkommentare (2)

„Kommt ein Protest zur falschen Zeit, besteht er nur aus Peinlichkeit“

Oho! In Tübingen gab es Protest. Wer macht denn so etwas?  Ich. Ich protestiere. Hiermit.

Das Stadtmuseum präsentiert noch bis Juli eine ungewöhnliche Ausstellung – genau gesagt eine Interventionsausstellung – mit dem Titel, „Protest!“ und dem Untertitel „Stricken, Besetzen, Blockieren – in den 1970/80er Jahren in Tübingen.“

Für mich hieß das: Nichts wie hin. Schließlich war ich live dabei. Beim Protest – nicht beim Stricken. Schon im ersten Raum überrumpelten mich die Erinnerungen; die Plakate des Club Voltaire begrüßten mich wie alte Freunde und ich dachte mir: Die Handschrift kenne ich doch. Richtig! Die Poster sind alle von dem unermüdlichen Aktivisten Eckard Holler beschriftet, als hätte er sie persönlich signiert.

Auf einem kleinen Bildschirm läuft ein Film, der Festival-Bilder zeigt, die mir...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  03.04.2015   12:00   Leserkommentare (1)

XY ungelöst – Cynthia Lennon ist verstorben.

Am 1. April, erlag Cynthia Lennon im Alter von 75 ihrem Krebsleiden. Mir hatte sie immer ein wenig Leid getan, weil sie von John geschieden wurde, ehe die Beatles so richtig berühmt wurden und weil sie im Schatten von Yoko Ono stand. Einmal war sie nach Hamburg gereist, um da in der Einkaufsmeile ein popeliges John-Lennon-Denkmal zu enthüllen – irgendwie traurig und peinlich.

Und doch: Ich habe mich ihr immer seltsam verbunden gefühlt. Cynthia gehörte zu den Fabelwesen meiner Kindheit. Ich war vielleicht zehn oder zwölf Jahre alt, als ich von den merkwürdigen Beatles und dem nicht ganz jugendfreien Hokuspokus, den sie veranstalteten, hörte und ich mit dem Weltknoten der erwachenden Sexualität irgendwie alleine fertig werden musste. Die Musik gab mir dazu wertvolle Hinweise. Hinweise, die ich natürlich nicht verstand. Das...

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Kategorie(n): Kultur 

  19.03.2015   08:00   Leserkommentare (im Wartemodus)

Vom Willen zur Wolle zum Studierenden

In meinem Freundeskreis gibt es einen Wolfgang, der einfach „Wolle“ genannt wird. Es gibt noch einen weiteren Wolfgang, den wir ebenfalls „Wolle“ nennen. Um den einen vom anderen zu unterscheiden, musste ein Zusatz her. Der Wolfgang, um den es hier geht, ist politisch interessiert und hatte eine Vergangenheit in der Studentenbewegung, deshalb nennen wir ihn den „politischen Wolle“ – im Unterschied zum „indischen Wolle“ (der zwar kein richtiger Inder ist, aber öfter dahin reist).

Als ich neulich mit dem politischen Wolle einkaufen war, passierte es: Ich griff ahnungslos nach einer Tüte und zuckte zurück, als ich die Aufschrift las. Hä?! Was musste ich da lesen? „Studentenfutter“. STUDENTENFUTTER! Ich legte die Tüte unauffällig wieder zurück. Muss es nicht politisch korrekt „Studierenden-Delikatesse“...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  20.02.2015   20:39   Leserkommentare (3)

„Ein Wort erscheint und tritt in Kraft.“

Der Mann mit den Eichhörnchen hat Geburtstag

„Das Leben ist das Wichtigste des menschlichen Daseins.“

So sagte er einst. So kennen wir ihn, wie er leibte und lebte. Nun lebt er nicht mehr. Er wäre am 20. Februar diesen Jahres 106 Jahre alt geworden. Die Zeit ging rasend schnell vorbei:

Kaum, dass auf diese Welt du kamst,
zur Schule gingst, die Gattin nahmst,
dir Kinder Geld und Gut erwarbst –
schon liegst du unten, weil du starbst.

So hat er es einst gedichtet. Im letzten Jahr wollte ich zu seinem Geburtstag noch einen Zweizeiler hinzufügen:

Er ist jetzt hundertfünfe
und hat noch unbekannte Trümpfe.

Aber ich kam nicht dazu. Die Zeit ging rasend schnell vorbei. Nun muss es heißen:

Jetzt wird er hundertsechse.
Wie? Trümpfe gibs? Entdeckse!

Es geht, wie wir bestimmt sofort erkannt haben, um Heinz Erhardt. Aber was soll...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  30.11.2014   10:22   Leserkommentare (1)

Der gute, alte Achse-Kalender!

Im vorigen Jahr gab es hier auf den Achse einen Adventskalender mit Gedichten von mir. Jeden Tag öffnete sich ein Türchen. Und nun? Alle Jahre wieder - oder wie? Nein. Aber: Wer mag (und wer sie noch nicht kennt), kann sich die Gedichte noch einmal ansehen, die nach und nach aufrücken ... ernst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann fünf, dann sechs ... auf meiner Seite Bernhard Lassahn, unter Adventskalender.

Jedenfalls: Eine angenehme Vorweihnachtszeit wünscht Bernhard Lassahn

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Kategorie(n): Kultur 

  27.11.2014   08:00   Leserkommentare (4)

Deutsche Frauen, deutscher Sang

Es ist schon ein paar Sommer her, da geschah es unvermutet in der S-Bahn, mitten in Berlin: Die Stadt war in trübes Goldlicht getaucht, die ersten Lichter gingen an, obwohl es noch hell war, man hatte irgendwie das Gefühl, dass alle Fenster offen standen und eine angenehme Milde in der Luft lag. Polen ist nicht weit, dort nennt man so eine Dämmerung die „Stunde des Zàl“ und verbindet sie mit einem Gefühl der Wehmut. Doch es lag nicht nur Wehmut in der Berliner Luft, auch eine Ahnung von Glück.

Plötzlich fingen wie auf ein geheimes Zeichen etwa zehn junge Frauen an zu singen. Vielleicht waren sie gerade auf Klassenfahrt, sie fanden sich ganz selbstverständlich zusammen, ohne sich großartig abzusprechen. Sie waren erstaunlich textsicher, sie kannten alle Strophen, kannten sie auswendig – „by heart“, wie man auf Englisch...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  30.09.2014   09:03   Leserkommentare (1)

Leonard Cohen, der Krieg, die Menschlichkeit und die Fahrräder auf dem Meeresgrund

Am Sonntag, dem 21. September wurde in einer Reihe von transkontinentalen Veranstaltungen (1)* der achtzigste Geburtstag von Leonard Cohen zelebriert. Er selber hat sich diesen Tag als Termin gesetzt, um wieder mit dem Rauchen anzufangen. In dem Filmporträt ‚Beautiful Losers’ (ich weiß nicht, wie lange das schon zurückliegt) lobt er Weiswein und Zigaretten als „wundervolle Drogen“, er tut es in einem durchaus ernsthaften Ton, als hätte er alles durchprobiert und könnte nun nach vorurteilsfreier Prüfung Weiswein und Nikotin als Testsieger empfehlen. Er scheint eine Menge ausprobiert zu haben, einschließlich Alkoholentzug, Zen Buddhismus und Askese. Offenbar ist er auch im fortgeschrittenen Alter immer noch dabei, in Sachen Drogen, Kunst und Religion verschiedene Möglichkeiten auszutesten.

Einen unfreiwilligen...

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Kategorie(n): Kultur 

  06.04.2014   16:45   Leserkommentare (1)

Das Geheimnis von Urs Widmer

Manchmal brauche ich ein bisschen länger. Andere haben womöglich ihre Nachrufe schon in der Schublade und warten nur noch auf die Todesmeldung. Ich nicht. Meine kleine Trauerpostkarte kommt also ein wenig verspätet. Ich bin geknickt und – ehrlich gesagt – fasse ich es immer noch nicht. Bei Urs Widmer habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass er jemals stirbt.

Das klingt jetzt so, als sähe ich in ihm den ewig jungen Schriftsteller, der gerade angefangen hat zu schreiben und als hätte ich ein Verhältnis zu ihm wie zu den Eltern, von denen man auch irgendwie annimmt, dass sie niemals sterben. So ist es auch. Es kommt noch etwas hinzu. Ich kenne sein Geheimnis.

Ich habe tatsächlich seine frühen Sachen gelesen, alle. Ich habe gesammelt, was ich kriegen konnte. Er war wirklich ein junger Autor, weil er nicht so schrieb wie...

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Kategorie(n): Kultur