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30.01.2012 21:33
Zwei Methoden der Erkenntnis
Auf zeit.de sind zwei Artikel zum Thema Linkspolitikerverfassungsschutzbeobachtung zu lesen, wobei die zwei konträren Positionen eingenommen und vertreten werden. Man kann an diesen beiden Texten exemplarisch beobachten, wie in reiner Form zwei verschiedene Arten der Meinungsbildung durchgeführt werden.
Der eine Beitrag vollzieht eine Schlussfolgerung aus den vorgebrachten Tatsachen. Dabei sind die Tatsachen als veränderbar und deutbar dargestellt, und es wird gezeigt, wie und warum so geschlussfolgert wird.
Diese Methode ist klassisch wissenschaftlich. Man geht davon aus und ist sich im Klaren, dass man einen Kenntnisstand hat, welcher nicht unumstößlich ist, sondern von den Tatsachen abhängig, sie sich ändern können, ebenso kann die Art des Schlussfolgerns sich wandeln.
Der andere Text geht vom gewünschten Ergebnis aus und füttert die Meinung mit Thesen. Das ist ideologisch, jedoch nach heutiger Auffassung auch schon wissenschaftlicher Standard. Ein paar im Konsens gefundene, also machtpolitisch erzeugte, Formulierungen werden als unumstößlich …
29.01.2012 17:41
Land der Gedenker
So wird das nichts mit dem Gedenken.
Der Bundestag habe der Opfer der NS-Diktatur gedacht, wird gemeldet. Wirklich, hat das jemand nachgeprüft, oder hat man sich mit der Pressemitteilung begnügt?
Garantieren kann man allein für Marcel Reich-Ranicki. Von den anderen Anwesenden wissen wir es nicht, auch wenn wir mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen können, dass kaum jemand von seiner Rede nicht erfasst worden wäre. Ist das schon Gedenken? Und wenn ja, haben die Volksvertreter wirksam für das ganze Volk gedacht? So ist es wohl gemeint, und weil es gut gemeint ist, belässt man es dabei.
Der Deutschlandfunk hat sich unter Berliner Jugendlichen, genauer gesagt Studenten, umgehört. Ach ja, Auschwitz, ja, aber Deutschland hat schon genug geleistet und irgendwann muss doch Schluss sein. Zum Glück kriegt man dazugesagt, dass es ein junger Türke war. Gott sei Dank.
Das ist das Schöne an den Nazis: …
28.01.2012 10:03
Überraschung in der ZEIT
Schön, dass zeit.de den ZEIT-Lesern auch mal das schreibt:
http://www.zeit.de/2012/05/Beobachtung-Linkspartei-Pro
Warum die Linkspartei zu Recht überwacht wird.
Hier folgen keine Zitate, weil der Text bitte ganz gelesen werden möge.
Moment, werden viele fragen, ist das noch DIE ZEIT, wie wir sie kennen, kommt da nicht noch ein sich als Relativierung gerierendes Zeugnis von Naivität und Verleugnung des gerade Gesagten?
Klar, logisch, das war das Pro, am Ende kommt die Pointe: „Lesen Sie am Donnerstag ein Contra zu Jochen Bittners Kommentar von Mariam Lau: Volksvertreter werden stigmatisiert, der Nutzen der Überwachung bleibt hingegen rätselhaft.“
19.12.2011 08:18
Vorurteile, Intoleranz und Ausgrenzung in der Herrschaftsrhetorik
Der gefühlt oder gemessen am häufigsten von einer moralischen Instanz erteilte Vorwurf lautet derzeit: Vorurteil! Intoleranz! Ausgrenzung! Auch wenn erst durch diesen Vorwurf der Vorwerfende zur moralischen Instanz wird, man hält ihm doch üblicherweise zugute, es zumindest gut zu meinen, irgendwie im Sinne der Gerechtigkeit und Gleichheit, das Gegenteil von Hitler eben.
Zwei Dinge empfindet man dabei als störend. Diejenigen, die Toleranz & Co. predigen, sind selbst unterdurchschnittlich bis gar nicht tolerant. Und die Toleranzkeule wird sehr einseitig geschwungen. Nein, nicht sehr einseitig; einseitig.
Trotz dieser Auffälligkeiten werden die Werte der politischen Korrektheit gemeinhin akzeptiert. Nun, wenn einzelne mit dem Finger auf andere zeigen und von sich selbst ablenken, ist das eben so, das stellt die Werte nicht in Frage, genausowenig eine vielleicht manchmal überzogene und parteiliche Anwendung, das hat Gründe und Ursachen, aber unser Kurs ist richtig; selbst wenn man die Bestrebungen dem Reich der …
17.12.2011 18:08
Die zweite Hälfte der Wahrheit
Die Sache um die Privatkreditaffäte von Wulffi wäre also erledigt, er hat die Transparenz nachgereicht. So so, die Frau war es, die den Kredit gegeben hat, nach der war ja gar nicht gefragt. Hätten sie eben die Frage entsprechend formulieren sollen, nach geschäftlichen Beziehungen zu Firmen und Ehefrauen und Strohmännern. Haben sie aber nicht. Aha, die Kreditbedingungen auf der Bank waren dann besser, deshalb die Umschuldung. Ist eben so, wenn man keine Sicherheiten und einen unsicheren Job hat und auf Kreditgeber angewiesen ist, die nicht bei der Schufa nachfragen, kennt man doch.
Nun ja, die halbe Wahrheit ist immer noch besser als gar keine, man kann schon froh sein, wenn man von Politikern die bekommt. Wir hatten schon bei vielzitierten Sätzen des Bundespräsidenten bei Jahrestagsreden den Eindruck, da gäbe es noch eine andere Hälfte der ganzen Wahrheit.
Und hier, das betont er, ging es nur um …
15.12.2011 22:20
Unser Mann im Bellevue
„Es wurde ein Fehler gemacht, aber nicht vorsätzlich getäuscht“, sagte Präsident Wulff sinngemäß, er formulierte es ohne Plagiat: „Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das.“
Er wurde parlamentarisch nach geschäftlichen Verbindungen zu Unternehmer Geerkens gefragt und verneinte solche, wobei er nicht erwähnte, dass die Ehefrau von besagtem Unternehmer ihn mit einem Kredit über eine halbe Million Euro aus der Klemme geholfen hatte. Welcher falsche Eindruck soll da entstehen können? Das Ehepaar Geerkens lebt bestimmt in Gütertrennung. Er bringt das Geld nach Hause und lässt sie ran, dafür lässt sie ihn ran, so läuft das sicherlich, wie üblich.
Deshalb würden wir alle, wenn wir mit einem Unternehmer befreundet sind, nicht ihn um Geld fragen, sondern seine Frau. Er wimmelt ja doch bloß ab und erzählt was von hohen Steuern und Krise und festen Anlagen. Sie hat es flüssig.
Daher …
13.12.2011 19:58
Überfällige Würdigung des nicht zu sehenden Aufwands
Man ist leicht verleitet, sich von satirischen Filmchen berieseln zu lassen, etwa dem Beitrag „Entnazifizierungs-Aktion“ in der heute-Show, und verkennt, welches immensen Aufwands die Herstellung bedarf. Im fertigen Einspieler sieht man Martin Sonneborn, den Mann, der Titanic zu dem gemacht hat, was es jetzt ist, lustig, wie er einigen Ossis in ihren Zonenbauten mit Glatteisfragen rechtsextreme Sätze entlockt. Ja, das sieht so einfach aus. Aber die paar Sendeminuten haben harte Arbeit bedeutet.
Dazu sind viele Stunden von Versuchen nötig, bis man ein paar Leute findet, von denen man geeignetes Material kriegt. Dafür gibt es keine Castingagentur. Die unbrauchbaren Stunden sieht man im Beitrag natürlich nicht. Auch nicht die harmlosen Fragen, mit denen man die Leute dazu bringt loszuplappern.
Die haben keinen Medienberater und im Gegensatz zum Publikum noch nie eine Süddeutsche Zeitung von innen gesehen, das muss doch eine Fallhöhe abgeben, könnte man denken, aber aus …
10.12.2011 21:12
Beängstigende Auffassungen
Präsidentschaftsanwärter Newt Gingrich hat etwas gesagt, das so ungeheuerlich ist, dass es sogar im Deutschlandfunk in den Nachrichten kam: Israel und Palästinenser hätten nicht gleichberechtigt zu verhandeln, Rechtsstaat und Terroristen dürften nicht auf eine Stufe gestellt werden, die Palästinenser seien gar kein Volk und könnten als Araber woanders leben, was sie aus politischen Interessen nicht tun.
Bei uns wird sich Newt Gingrich damit nicht beliebt machen. Wir schlagen uns auf die Seite der Bedrohung. Der Rechtsstaat kann seine eigenen Grundlagen nicht garantieren, der Terror, die Despotie, schon. Man optimiert sein Dasein in beiden Fällen, in Rechtsstaat wie in Despotie, wenn man für die Despotie ist. Man wird höchstwahrscheinlich in Ruhe gelassen und hat Kapazitäten frei für Protest. Man lebt bequemer, wenn man beispielsweise sagt: „Wollen wir doch mal abwarten, ob die Islamisten wirklich so schlimm gegenüber Frauen sind“, als wenn man meint: was genau gibt es da noch …


