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  23.04.2015   00:44   Leserkommentare (3)

Wie man einem Shitstorm die Kraft nimmt

Kein Unternehmen will einen Shitstorm riskieren. Deswegen ist die oberste PR-Devise für den Fall der Fälle, höflich zu sein, Verständnis zu zeigen und dennoch unaufdringlich für die eigene Position zu werben. Auf jeden Fall die Empörten nicht weiter provozieren. Dieses Vorgehen stammt noch aus dem Prä-Internetzeitalter und es ist längst nicht mehr zeitgemäß. Früher gab es sicherlich gute Gründe, Kunden zu besänftigen, die im Laden stehen und sich beschweren. Nicht zuletzt, weil es sich um Kunden handelte. Wer aber heute im Internet an einem Shitstorm teilnimmt oder ihn anzettelt, sieht sich oft nicht als Kunde, sondern als moralische Instanz, die eine Ungerechtigkeit korrigieren will. Irgendetwas entspricht nicht den eigenen Vorstellungen und soll sich darum verändern. Dabei ist der Aufbau von Druck oft der effektivste Weg,...

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur  Wirtschaft 

  31.03.2015   17:43   Leserkommentare (1)

Acht Arten, im Internet zu trauern

Seit dem Absturz der Germanwings-Maschine ist diese Tragödie natürlich das Hauptthema in den sozialen Medien. Die Bühne teilen sich dabei acht verschiedene Typen von Diskussionsteilnehmern:

1. Rollenspieler: Sie lassen die sozialen Netzwerke und die Kommentarspalten an ihren „was wäre wenn…“-Planspielen teilhaben, in denen immer sie selbst im Mittelpunkt der Tragödie stehen. Sie suche in ihren Unterlagen nach dem letzten Flugticket und hoffen, auch irgendwann einmal mit Germanwings geflogen zu sein, um wieder neue Reize für diesen schaurig-schönen Absturzporno in ihrem Kopf zu haben. Der wird dann wieder auf Facebook, Twitter und den Kommentarspalten verbreitet.

2. Trauerwächter: Sie belauern shitstormig die Trauerbekundungen der anderen Nutzer und kritisieren sie für ihre Art, sich zum Absturz zu äußern. Sie ätzen...

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Kategorie(n): Inland 

  23.03.2015   12:32   Leserkommentare (6)

Von Feinden Allahs und Feinden Amazons

Es ist mir schon klar, dass das, was in Leipzig nach einer Lesung passiert ist, nicht mit Amazon zu vergleichen ist. Amazon bleibt natürlich der Erzbösewicht für den Literaturbetrieb, keine Frage. Ausgestattet mit Sympathiewerten irgendwo zwischen einem nordkoreanischen Lagerkommandanten und dem Vorsitzenden der FDP in Berlin-Kreuzberg.

Und trotzdem hätte die Nachricht, dass eine Autorin angegriffen wurde, den Literaturbetrieb etwas aufschrecken können. Astrid Korten hatte aus ihrem aktuellen Krimi gelesen, bevor ihr in Leipzig zwei Moslems auflauerten. Sie beschimpften Korten, weil es im Buch um Ehrenmorde geht und schlugen danach auf sie ein. Einer rief: „Jeder Mann hat das Recht, dich mit Füßen zu treten, wenn du behauptest, dass islamische Männer ihre Töchter töten!“ Anstelle eines Ehrenmordes, beließen es die beiden...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  04.03.2015   01:33   Leserkommentare (3)

Holocaustleugnung an der Uni Auschwitz

Deutschlandweit hat die Polizei nach einem Pärchen gefahndet, das sich während der Kölner HoGeSa-Demonstration über die Opfer des Holocaust lustig machte. Die Frau trug dabei einen Pullover mit der Aufschrift „University Auschwitz“, an dem jeden guten Adolf Normalnazi sofort die überflüssige Verwendung der siegermächtigen Vokabel University stören sollte. Warum nicht einfach Universität?

Wegen des Verdachts auf Volksverhetzung wurden sie nun also zur Fahndung ausgeschrieben. Das ist genau das falsche Signal. Schließlich gehören die beiden zur seltenen Spezies der ehrlichen Antisemiten. Dieses Einfaltspaar lässt keine Fragen offen. So etwas gibt es ja kaum noch. Sogar Bundestagsabgeordnete, die sich der Hamas als Mitstreite im Kampf gegen Israel andienen, wollen keine Antisemiten sein. Dabei hat die Hamas in ihrer Charta...

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Kategorie(n): Inland 

  22.02.2015   15:16   Leserkommentare (5)

Tugendtwitterer und Vernichtungsvokabeln

Twitter ist ein Medium, das Karikaturen von Diskussionen produziert. Aufgrund der wenigen Zeilen, die ein Tweet nur haben kann, beschränken sich die Meinungsäußerungen meistens auf das Formulieren von Beschimpfungen. Dabei siegt, wer die stärkere Vernichtungsvokabel verwendet. Wenn zum Beispiel jemand einen ausführlichen Artikel zur Aufnahme von Flüchtlingen verfasst und dabei pro- und contra-Argumente abwägt, kann eine Antwort folgendermaßen lauten:  „Das ist rassistischer Bullshit!“ Das ist deswegen eine super Antwort, weil die Unterstellung „Rassist“ super ist. Wer diesen Vorwurf ausspricht, sagt damit nämlich automatisch aus, dass er selbst auf der antirassistischen Seite steht. Und wer will das nicht?  Der als Rassist entlarvte wiederum muss jetzt mal sehen, wie er in wenigen Worten diesen erheblichen Vorwurf...

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur 

  14.02.2015   21:35   Leserkommentare (5)

Endlich: Gericht schafft den Antisemitismus ab

In Wuppertal haben im vergangenen Sommer mehrere Palästinenser einen Brandanschlag auf eine Synagoge verübt. Das Gericht entschied nun über die Höhe der Strafen und überraschte dabei mit der Erkenntnis, dass es in dieser Tat keinen Antisemitismus sehen kann. Die Begründung: Die Männer wollten mit diesem Angriff auf den Gaza-Konflikt hinweisen.

Sie machen also alle Juden auf der Welt für das verantwortlich, was ihnen am Vorgehen Israels stört. Für sie sind Synagogen so etwas wie Auslandsvertretungen des jüdischen Staates. Wenn sie wütend auf eine Entscheidung in der Knesset sind, greifen sie die nächstbeste jüdische Einrichtung an, um auf ihre Wut hinzuweisen. Und dass ist nicht antisemitisch, wenn alle Juden verantwortlich gemacht werden für etwas, was irgendwo anders auf der Welt passiert? Nicht einmal ein ganz kleines...

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Kategorie(n): Inland 

  05.02.2015   03:08   Leserkommentare (12)

Kein Hassprediger, ein Don Quijote

In Bremen treibt ein Hassprediger sein Unwesen, heißt es in den Medien. Ein evangelischer Pastor habe am 18. Januar in seiner Kirche zum Kampf gegen andere Religionen aufgefordert. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall. Die Sache klingt dramatisch, der Verdacht der Volksverhetzung steht im Raum.

Zeit also, sich die Hasspredigt einmal anzuhören. Was ich getan habe. Mein Fazit: Von einem Aufruf zum Kampf kann keine Rede sein, aber wir müssen uns in Deutschland dringend entscheiden, was wir von Religionen eigentlich erwarten. Sollen sie ausschließlich PR-taugliche Fotos vom friedlichen Zusammenleben produzieren? Motive, auf denen Pfarrer, Rabbiner, Imame und andere religiöse Autoritäten gemeinsam beten und sich gegenseitig bestätigen, dass sie ja im Grunde alle an das Gleiche glauben? Wenn das der Fall ist, müssen wir leider die...

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Kategorie(n): Inland 

  03.02.2015   01:29   Leserkommentare (1)

Wenn Realität und Roman verschwimmen

„Rinder-Mann, geh´ Du voran: Wieder ist ein Held aus unserer Mitte aufgestanden. Ein dreijähriger Bulle hat nahe Köln seinen Sklavenhalter angegriffen und tödlich verletzt. Wir verneigen uns vor dem Held der Freiheit. Mögen ihm viele weitere Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen.“

„Mittlerweile haben sich die Parteimitglieder der Nachhaltigen ein radikales Programm gegeben. Landwirtschaft lehnen sie ab, weil Pflanzen nicht die Sklaven der Menschen sein dürfen. Nur wild wachsende Früchte, Körner und Weizen dürfen geerntet werden. »Keine Gettos, egal ob für Mensch, Tier oder Pflanze, darum nein zu Weizenfeldern und nein zu Schweineställen!«“

(Auf diese beiden Zitate gehe ich später noch ein.)

Letztes Jahr habe ich einen Roman geschrieben, der sich mit der deutschen Protestkultur beschäftigt. Warum er...

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Kategorie(n): Inland