Beiträge von
Kategorien
Archiv
15.05.2012 21:25
Klare Kante
Immer mehr Politiker, ob CDU, SPD, Grüne oder FDP, wollen jetzt klare Kante zeigen. Sie haben gelernt: Wer keine klare Kante zeigt, dem droht eine klare Niederlage.
Diese Entwicklung ist zu begrüßen. Lange genug haben sich Politiker davor gedrückt, klare Kante zu zeigen. Die einen zeigten nur eine unklare Kante, andere eine verschwommene, wieder andere sogar eine völlig verrutschte Kante. Ja, es gab sogar Politiker, die zeigten überhaupt keine Kante.
Man nahm das nicht weiter krumm, weil man davon ausging, dass sie keine Kante besaßen, die sie hätten zeigen können. Und nun erfahren wir, dass sie ihre Kante bisher nur versteckt haben, weil sie glaubten, das Publikum wolle sie nicht sehen. Sie waren offenbar der Meinung, dass der kantenlose Politiker die Idealfigur besaß. Darum quetschten sie ihre eventuell vorhandene Kante verschämt in ein konservatives, sozialdemokratisches, grünes oder liberales Korsett.
Und nun wird allerorts das …
11.05.2012 16:07
Das Leben im Jahr 2092
Der Club of Rome hat unser Leben im Jahr 2052 beschrieben. Wie es scheint, müssen wir dann alle Fahrrad fahren. Und das Fliegen wird so teuer, dass sich nur noch Ölscheichs und Mitglieder des Club of Rome Flugreisen leisten können. Das sind düstere Aussichten. Aber ist der Blick auf das Jahr 2052 nicht zu kurz? Das ist ja praktisch schon übermorgen. Im Grunde kann man heute schon anfangen, das Auto zu entsorgen und das Fahrrad zu putzen und aufzupumpen. Wäre es nicht lohnender, einen Blick auf das etwas fernere 2092 zu werfen?
Natürlich. Und es geschieht auch, nur wird die Analyse des Jahres 2092 noch nicht veröffentlicht. Offenbar will man abwarten, ob die Sache mit dem Fahrrad im Jahr 2052 auch klappt. Es zeichnet sich ein Problem ab: Da in 40 Jahren die Eiskappen der Pole weitgehend abgeschmolzen sind und der Meeresspiegel dramatisch angestiegen ist, gibt es praktisch …
14.04.2012 16:10
Sonne aus Griechenland
Kann sich Griechenland sanieren, indem es das nördliche Europa mit Sonnenenergie versorgt? Dieser vielversprechende Plan ist schwieriger zu verwirklichen als gedacht.
Offenbar hat Griechenland seit Jahren über seine Sonnenverhältnisse gelebt. Wie es heißt, hat das Land den Brüsseler Behörden regelmäßig eine Sonnenscheinquote von 24 Stunden pro Tag gemeldet. Erst ein kürzlich nach Griechenland entsandter Sonnenkommissar hat festgestellt, dass Griechenland in Wahrheit über höchstens acht Stunden täglichen Sonnenschein verfügt. Die griechischen Falschmeldungen blieben in Brüssel so lange unentdeckt, weil der für Griechenland zuständige Norweger jahrelang die Mitternachtssonne einkalkuliert und darum keinen Verdacht geschöpft hat.
Die so entstandenen Fehlbuchungen haben sämtliche Kalkulationen über künftige Sonnenenergielieferungen Griechenlands über den Haufen geworfen. Statt eines Sonnenüberschusses, der nach Nordeuropa geleitet werden könnte, hat das Land einen riesigen Sonnenschuldenberg angehäuft, der erst einmal abgetragen werden muss.
Die Griechen weisen den Vorwurf, falsch gerechnet zu haben, energisch zurück. Sie hätten nie …
13.04.2012 08:19
Fröhlichen Hafturlaub!
Mehrere Bundesländer haben auf den Vorstoß, lebenslang Verurteilten nach fünf Jahren Gefängnis einen ersten Hafturlaub zu geben, mit Kopfschütteln reagiert. “Wollen wir anständige Mörder wirklich fünf Jahre lang warten lassen, bis sie ihre Lieben daheim besuchen können?” fragt ein Sprecher der skeptischen Länder mit Tränen in den Augen. Er plädiert dafür, die lebenslange Haftstrafe statt dessen gleich mit einem Urlaub beginnen zu lassen.
Die meisten verurteilten Mörder hätten beträchtliche U-Haft-Zeiten hinter sich. Da sei es nur angemessen, ihnen vor Antritt ihrer eigentlichen Strafe die Gelegenheit zu geben, sich von ihren Familien und den Angehörigen ihrer Opfer anständig verabschieden zu können. Nach einem solchen Start-Urlaub bliebe den Mördern noch ausreichend Zeit, ihre Strafe zu verbüßen.
Eine eventuelle Fluchtgefahr angesichts langer Haftstrafen könne man am besten dadurch verringern, dass dem Start-Urlaub ein regelmäßiger Jahresurlaub folgt. Der Urlaub solle sich an den Tarifvereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern orientieren. Zu …
10.04.2012 14:40
Der schweizerisch-deutsche Krieg - Eine Vorschau
Nach der Osterkrise eskaliert der Krieg zwischen Deutschland und der Schweiz um die gestohlenen Steuersünder-CDs auf vorhersehbare Weise. Es wird Ernst, als drei deutsche Steuerfahnder in Zürich verhaftet werden. Die Steuerfahnder wollten wissen, ob die Haftbefehle gegen sie vollstreckt würden und fuhren über die Grenze. Sie werden zu ihrer Überraschung tatsächlich ins Gefängnis gesteckt. Die deutsche Regierung beschließt, mit einer Kommando-Aktion der GSG 9 die Inhaftierten zu befreien und nach Deutschland zurück zu bringen. Dies gelingt, allerdings nur vorübergehend. Ein gegnerisches Geheimkommando holt wenig später die drei Beamten in einer spektakulären Helikopter-Aktion wieder zurück in das Züricher Gefängnis. Damit nicht genug: Bei dieser Aktion gelingt es dem Kommando auch, die umkämpften CDs zu finden, sicherzustellen und zurück in die Schweiz zu schaffen. Diese Aktion wird so perfekt durchgeführt, dass sofort das Gerücht aufkommt, sie sei in Wahrheit vom Mossad ausgeführt worden. Günter Grass schreibt ein Gedicht, in dem er Israel …
05.04.2012 20:36
Noch ‘n Gedicht
Am neuen Gedicht von Günter Grass fällt sofort das ungewöhnliche Versmaß auf. Der Dichter fügt Elemente des vierhebigen Jambus, des einsilbigen Trochäus und des frei schwebenden Daktylus zu einer Phrasierung zusammen, die Anklänge an einen lyrisch gelifteten Leitartikel erzeugt und damit exakt den zum Thema passenden Ton trifft. Thema ist das perfide Israel. Grass lässt den Judenstaat allerdings nicht im Ungewissen schweben, sondern stellt ihn in eine konkrete Situation, indem er als Kontrast den reinen, wenn auch verführten Iran in Szene setzt.
Wir haben es zweifellos mit einem neuzeitlich-nahöstlichen Echo des Faust-Motivs zu tun: Hier Ahmadinedschad als Reinkarnation des Gretchen. Dort das Mephistophelische, das unbeugsam auf seinem Existenzrecht beharrt.
Denkbar ist, dass Grass sich selbst in der Rolle eines alternden Faust sieht, der sich zu lange von Mephisto hat verführen lassen. ("Warum schweige ich, verschweige zu lange ...") In diesem Fall stellt sein Gedicht einen tragisch …
02.04.2012 17:49
Bald noch mehr Schweizer Haftbefehle?
Mit Empörung haben einige deutsche Politiker darauf regiert, dass die Schweiz gegen deutsche Finanzbeamte Haftbefehle erlassen hat. Die Maßnahme richte sich gegen den völlig falschen Personenkreis.
Zwar sei es richtig, dass deutsche Finanzbeamte digitale Hehlerware aus der Schweiz bei der Ausübung ihrer Arbeit benutzt hätten. Aber sie hätten dabei nur Anweisungen befolgt. Die in der Schweiz gestohlenen CDs mit den Namen deutscher Steuerhinterzieher seien ja nicht von den Finanzbeamten erworben worden sondern von verschiedenen Landes- und Bundespolitikern. Daraus folge, dass sich nicht die Finanzbeamten sondern die Regierungspolitiker des Aufkaufs der gestohlenen Waren, also der Hehlerei schuldig gemacht hätten.
Die Finanzbeamten, die sich der CDs bedient haben, könnten allenfalls wegen sekundärer Hehlerei in minder schweren Fällen belangt werden. Darauf stehe schlimmstenfalls eine Bewährungsstrafe. Im Allgemeinen käme man mit einigen Stunden Sozialdienst in Familien davon, die ihre Steuererklärung nicht verstehen und aus Verzweiflung an die Eröffnung eines Nummernkontos …
01.04.2012 17:18
VdS meldet dramatischen Sitzenbleiberschwund!
Das Statistische Bundesamtes meldet: Immer weniger Schüler bleiben sitzen. Die Zahl derer, die eine Klasse wiederholen, sei innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte zurückgegangen.
Diese Mitteilung hat den bisher in der Öffentlichkeit wenig bekannten Verband deutscher Sitzenbleiber (VdS) auf den Plan gerufen. Wenn das so weiter geht, warnt der Präsident des VdS, Professor Dr. mult. Adalbert von Schmidt, dann bleibt in wenigen Jahren gar keiner mehr sitzen. Von Schmidt wörtlich: “Schon jetzt leidet unser Verband unter Mitgliederschwund und Überalterung. Es gibt einfach keinen Nachwuchs mehr. Wie lange will sich unser Land das noch leisten?”
Den Vorwurf, nur die eigenen Verbandsinteressen im Auge zu haben, weist von Schmidt zurück. Es gehe um mehr. Von Schmidt sieht einen gefährlichen Paradigmenwechsel in der gesamten Bildungspolitik: Früher sei es völlig normal gewesen, dass Schüler, die etwas auf sich hielten, mindestens einmal sitzenblieben. Der heutige Sitzenbleiberschwund sei im Wesentlichen darauf …


