Unterstützung für achgut

Archiv

Beiträge von  

  17.04.2014   09:17   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Siebzehnter April 1989

Die polnische Gewerkschaft Solidarność wird nach ihrem Verbot 1981 wieder legalisiert. Wobei es sich genau genommen nicht um eine Wiederzulassung, sondern um eine Neuzulassung handelt. Das war ein Zugeständnis an die Kommunisten, die nicht allzu deutlich eingestehen wollten, dass sie seinerzeit das Recht gebrochen hatten.

In den Medien der DDR wird dieses Ereignis nicht erwähnt. Das Neue Deutschland berichtet von „allseitiger Planerfüllung“ zu Ehren der Wahlen am 7. Mai.

Achtzehnter April 1989

In Leipzig berät die SED-Führung über den Einsatz von Kampfgruppen gegen oppositionelle Demonstranten. Sie werden für Einsätze vorgesehen, bei denen Polizei oder Staatssicherheit aus Gründen der Gesichtswahrung gegenüber dem Ausland nicht eingesetzt werden soll. Jeder Chef der Bezirksparteileitung ist...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland 

  14.04.2014   08:54   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Elfter April 1989

Große Ost-West-Ost-Reisetätigkeit. Der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel trifft in Moskau ein. Er will mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow Gespräche zu Abrüstungsfragen führen.
Gorbatschow wird kein Wort verloren haben über die enormen materiellen Schwierigkeiten, in die das ambitionierte Hochrüstungsprogramm die Sowjetunion gebracht hat. Er verhandelt immer noch aus einer Position der Stärke heraus.

In Ostberlin wird der Generaldirektor der UNESCO im Staatsrat der DDR empfangen. Er könnte sich außerhalb des offiziellen Besuchsprogramms vom erfolgreichen „Ruinen-Schaffen ohne Waffen“ in der DDR überzeugen.
Stattdessen hört er sich brav an, was die DDR zum Erhalt der Weltkulturerbe-Stätten wie Quedlinburg tut. Wie es gleich daneben aussieht, will der UNESCO-Chef lieber nicht wissen.

...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland 

  09.04.2014   21:43   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Achter April 1989

Nach der Aufwartung bei Oskar Lafontaine wird der DDR-Wirtschaftsminister Günter Mittag heute von Bundeskanzler Kohl empfangen. Auch über dieses Gespräch ist nicht viel zu erfahren.

Über den wahren Zustand der DDR-Wirtschaft wird Mittag den Kanzler trotz seiner Bitte um einen Kredit sicher nicht aufgeklärt haben. Aber es wäre interessant zu wissen, welche Begründung Mittag für den Finanzbedarf der „zehntstärksten Industriemacht der Welt“ gegeben hat. Vermutlich hat er mit den „menschlichen Erleichterungen“, die sich aus dem neuen Reisegesetz ergeben haben, argumentiert.

Eines haben Kohl und Mittag garantiert nicht besprochen: die revolutionären Neuerungen, die das Polnische Parlament am Vortag verabschiedet hat. In Polen geht es nicht um auf Gutsherrenart gewährte „menschliche...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland 

  06.04.2014   21:17   Leserkommentare (2)

Die zweitschönste Folge der Friedlichen Revolution

Einen passenderen, vor allem schöneren Ort für die erste Lesung meines neuen Buches, „Tagebuch der Friedlichen Revolution“ hätte ich mir nicht aussuchen können.
Das Günderodehaus in Oberwesel hoch über dem Rhein, mit dem Siebenjungfrauenblick, gäbe es ohne den Mauerfall nicht.

Am 9. November war der Regisseur Reitz, bekannt durch seine Heimat- Filme zufällig zu Dreharbeiten in Berlin. Er wies seinen Kameramann an, die Freudenszenen auf den Straßen zu filmen. Kurz darauf entstand die Idee zum Film Heimat 3.

Es sollte eine Ost-West- Geschichte werden und ihr Mittelpunkt ein altes, verfallenes Fachwerkhaus, das westdeutsche Liebende erwarben und von ostdeutschen Handwerkern zu neuem Leben erwecken ließen.

Nachdem lange kein passendes Haus gefunden werden konnte, entschlossen sich Edgar Reitz und sein Co-Autor Thomas...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland  Kultur 

  06.04.2014   12:51   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch 1989

Fünfter April 1989

In Polen unterzeichnen Regierung und Opposition als erstes Zwischenergebnis der Verhandlungen am Runden Tisch einen „Gesellschaftsvertrag“ über Reformen. Dieser Vertrag war noch nicht viel mehr, als eine erste Einigung über die Ausgangspositionen, die bisher aus Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Kommunisten noch nicht publiziert worden waren. Das Erstaunlichste an der Entwicklung in Polen ist, wie weitsichtig die kommunistischen Machthaber auf die sich verändernden Verhältnisse reagiert haben. So wurde der Runde Tisch, an dem nach dem Vorbild der Artusschen Tafelrunde die künftigen Verhandlungen mit der Opposition auf gleicher Augenhöhe stattfinden sollten, schon im Spätsommer bei der renommierten Möbelfirma Henrykow in Auftrag gegeben.

Das Unternehmen hatte bereits Erfahrung mit besonderen...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland 

  01.04.2014   15:45   Leserkommentare (2)

Tagebuch 1989

Erster April 1989

Kein Aprilscherz: Nur zwei Tage nach der Ankündigung, das Reisegesetz zu novellieren, veröffentlicht das SED-Regime eine Bestimmung, nach der zukünftig auch Ehepaare gemeinsam zu besonderen Anlässen wie runden Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen Verwandte in der Bundesrepublik besuchen dürfen. Bisher durfte immer nur ein Partner fahren. Der andere blieb sozusagen als Pfand zurück. Was dem Zurückgebliebenen angetan wurde, wenn der Ehepartner im Westen blieb, kann man sehr gut im Film „Good bye Lenin“ nachvollziehen. Die Genossin, deren Mann im Westen blieb, musste sich von ihm lossagen und unterschreiben, dass sie künftig jeden Kontakt mit dem Vater ihrer beiden Kinder ablehnen wird. Vorher muss sie aber glaubwürdig versichern, dass sie nicht die geringste Ahnung von den Plänen ihres Gatten...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland 

  29.03.2014   18:19   Leserkommentare (2)

Tagebuch 1989

Achtundzwanzigster März 1989

In der DDR geht oberflächlich alles noch seinen sozialistischen Gang. In der Hauptstadt wird der Bundesbürger Gerald Knoch wegen Fluchthilfe zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Er kommt anschließend in den „Ausländerstrafvollzug“, denn das größere Deutschland gilt ja als Ausland. Vielleicht wird er zur Arbeit in einem der vielen Gewächshäuser eingesetzt, die manchen Haftanstalten angeschlossen sind. Das Größte stand neben der Elbe, direkt an der Autobahn. Es wurde mit der Abwärme des danebenliegenden Kraftwerkes Vockerode betrieben. Die Vorüberfahrenden konnten sich bei dem Gedanken gruseln, nur durch Glaswände von den Schwerverbrechern getrennt zu sein.

Nun wird in Berlin-Marzahn das „modernste Gewächshaus“ der DDR eröffnet. Die Gewächshauskapazität der DDR müsste...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland 

  28.03.2014   13:31   Leserkommentare (3)

Staatlich geförderte Geschichtsfälschung: Stasi als Heilanstalt

Die Karl- Marx- Alle in Friedrichshain hat eine turbulente Nachkriegsgeschichte.Die zerbombten Gründerzeitbauten der ehemaligen Frankfurter Allee wurden nach dem Krieg platt gemacht, um einer Musterwohnsiedlung für Arbeiter Platz zu bieten. Die ursprüngliche Ausführung im Bauhausstil, ein Referenzbau unterbricht bis heute, unansehnlich braun, die Reihe weißer Kachelbauten, wurde von Walter Ulbricht persönlich verworfen.

Stattdessen wurde der Architekt Henselmann beauftragt, Wohnpaläste im stalinistischen Zuckerbäckerstil zu errichten. Am Ende zogen kaum Arbeiter in die repräsentativen Wohnungen mit großen Entrées, hellen Bädern, die noch nichts mit den Nasszellen der künftigen Plattenbauten gemein hatten, großen Balkonen und geräumigen Zimmern ein. Sie wurden von SED-Funktionären und staatsnahen Kulturschaffenden...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland  Kultur  Wissen