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  29.10.2014   16:55   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Achtundzwanzigster Oktober 1989

Noch ein Zugeständnis der Politbüro-Greise: Alle DDR-Bürger sollen Pässe bekommen und pro Jahr dreißig Tage in den Westen reisen dürfen. Dass nur privilegierte Personen im Arbeiter- und Bauernstaat über Pässe verfügten, war der Öffentlichkeit im Westen gar nicht klar. Das Ausmaß der Lügen und des Betrugs wird erst nach und nach sichtbar. „Die SED steht mit ihrer Lügerei absolut im Regen“, notiert Kempowski in seinem Tagebuch. „Es geht nicht weiter, die Macht zerbröckelt. Und so wird’s kommen: Andere politische Gruppierungen (Parteien) werden zugelassen, freie Wahlen, Wiedervereinigung. Das alles wäre in zwei, drei Jahren denkbar.“ An einer Stelle kommt der Wille zur Wiedervereinigung bereits zum Ausdruck, bevor er auf der Straße artikuliert wird: Bei den Behörden liegen...

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Kategorie(n): Inland 

  26.10.2014   19:52   Leserkommentare (3)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Fünfundzwanzigster Oktober 1989

Während die Regierung Krenz offiziell eine Politik des „Dialogs“ verkündet, ist hinter den Kulissen die Vorstellung von gewaltsamer Beendigung der Demonstrationen längst nicht ad acta gelegt. Erich Mielke weist erneut die „erhöhte Kampfbereitschaft“ und das Tragen von Waffen an.  Mit der angekündigten „Dialogpolitik“ versucht die Regierung Krenz, dem immer sichtbarer werdenden Volkszorn ein Ventil zu geben. Sie macht allerdings den Fehler, die Bedingungen dieses „Dialoges“ allein festlegen zu wollen. So gingen die Funktionäre nicht in die Kirchen, um mit den Menschen zu sprechen, sondern luden zu Gesprächen in große Säle ein, bei denen viel örtliche Politikprominenz auf dem Podium saß und die Claqueure im Saal verteilt waren. Bestimmte Themen, wie die Notwendigkeit von Reformen...

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Kategorie(n): Inland 

  26.10.2014   12:13   Leserkommentare (7)

Mit Ramelow zurück in die DDR

Die SED- Linke ist noch nicht an der Macht, da geht es in Thüringen schon zu, wie in der DDR. Die Funktionäre der rot-rot-grünen Front fassen einstimmige Beschlüsse, Andersdenkende werden ausgegrenzt. Stefan Sandmann, ein aufrechter SPD- Genosse, darf diesen Brief nach Rücksprache mit Landesgeschäftsführer René Lindenberg nicht über die SPD Geschäftsstelle an alle Mitglieder verteilen. Deshalb gab er ihn mit Bitte um Veröffentlichung an die Presse.

Offener Brief an alle SPD Mitglieder in Thüringen

Liebe SPD Mitglieder,

beim Wahlkampf war die größte Sorge der Menschen an den Infoständen und Haustüren, dass wir als SPD mit den SED Nachfolgern koalieren könnten. Durch die fehlende Positionierung bzw. Abgrenzung hat unsere SPD viele Wählerinnen und Wähler und viel Vertrauen in der Bevölkerung verloren. Ich war...

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Kategorie(n): Inland 

  24.10.2014   18:36   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Einundzwanzigster Oktober 1989

Kempowski notiert in seinem Tagebuch: „Krenz benimmt sich wie ein schauspielernder Arzt, der dem Patienten zuredet, es sei doch gar nicht so schlimm.“  Die „Patienten“ gehen im ganzen Land erneut auf die Straße. Allein in Plauen sind es 30.000, die für freie Wahlen, Reise- und Meinungsfreiheit demonstrieren. In der Woche vom 16. bis zum 22. Oktober muss das Ministerium für Staatssicherheit 24 Demonstrationen mit insgesamt 140.000 Teilnehmern registrieren. So etwas hat es bisher in keinem anderen sozialistischen Land gegeben.  In Berlin bildet sich eine Menschenkette vom Palast der Republik bis zum Polizeipräsidium in der Keibelstraße. Die Teilnehmer fordern die Entlassung aller am 7. und 8. Oktober in der DDR Inhaftierten. Wenig beeindruckt zeigen sich die Demonstranten von Politbüromitglied...

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Kategorie(n): Inland 

  19.10.2014   05:12   Leserkommentare (2)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Achtzehnter Oktober 1989
Die ganze Welt spricht über den Machtwechsel in der DDR. Auch andernorts hat man die zustimmende Reaktion des neuen Generalsekretärs auf das chinesische Massaker noch im Ohr. Die Erwartungen sind dementsprechend niedrig. Die westliche Presse reagiert zurückhaltend bis kritisch. Bundeskanzler Helmut Kohl und Oppositionsführer Hans-Jochen Vogel begrüßen mit eignen Erklärungen die Ablösung Honeckers und fordern schnelle Schritte zur Demokratisierung der DDR. Das will der neue Generalsekretär unter Beweis stellen. Krenz räumt ein, dass es erhebliche Störungen im Verhältnis zwischen Parteiführung und Volk gibt. Er gibt zu, dass die Wirtschaft Mängel aufweist. Er kündigt ein neues Reisegesetz an und einen „Dialog“. Allerdings mit dem Ziel, den „Sozialismus in der DDR weiter auszubauen“. Krenz ist...

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Kategorie(n): Inland 

  16.10.2014   11:36   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Siebzehnter Oktober 1989

Nach der gestrigen Erschütterung durch die Bilder von der Leipziger Demonstration folgt auf der wöchentlichen Politbürositzung für SED-Chef Honecker die nächste Katastrophe. Er wird von seinen Genossen als Parteivorsitzender und Regierungschef kurzerhand abgesetzt. Sein engster Getreuer, Willy Stoph, stellt den Abwahlantrag. Selbst Stasichef Mielke bringt Argumente vor, warum Honecker gehen muss. Da der Noch-Parteichef die Sitzung leitet, muss er am Schluss die Frage, wer dafür sei, dass der Genosse Honecker von seinen Funktionen entbunden wird, selbst stellen und hebt aus alter Gewohnheit die Hand, um Einstimmigkeit zu gewährleisten. Mit Honecker müssen auch Günter Mittag und Joachim Herrmann, der Chefredakteur des Neuen Deutschland, gehen.

Honeckers Nachfolger wird Egon Krenz. Noch am selben Abend...

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Kategorie(n): Inland 

  15.10.2014   14:32   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Fünfzehnter Oktober 1989

Die Reformwelle erfasst jetzt auch die staatstragenden Schichten der DDR. An der Humboldt-Universität wird eine unabhängige Studentenvertretung gegründet. Damit ist die Vorherrschaft der Freien Deutschen Jugend auf diesem Gebiet gebrochen. Außerdem wird bekannt, dass seit Öffnung der Grenze in Ungarn mehr als 40.000 Ausreisewillige in den Westen geflüchtet sind.

In Halle trifft sich eine Delegation des Neuen Forums mit Oberbürgermeister Eckhard Pratsch. Das Neue Forum verlangt eine Antwort auf seine Erklärung vom 12. Oktober, muss aber feststellen, dass die SED die Forderungen nach wie vor ignoriert. Der Oberbürgermeister verweist auf den illegalen Status des Neuen Forums und warnte vor weiteren Demonstrationen. Der Demokratische Aufbruch fordert in einem Offenen Brief an den Berliner...

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Kategorie(n): Inland 

  14.10.2014   10:54   Leserkommentare (7)

So schön war die DDR: Jugendwerkhof Gebesee in Thüringen

Karin war vierzehn, als in ihrer Schule das Gerücht aufkam, ihr Vater sei bei der Staatssicherheit. Die Mitschüler wandten sich ab, sie wurde fortan gemieden, als hätte sie einen ansteckenden Ausschlag. Sie schloss sich einer Gruppe älterer Jugendlicher an, die sich in Karins Heimatstadt Saalfeld regelmäßig traf. Man sang die Lieder von Wolf Biermann, las Rainer Kunze, Erich Loest und andere verbotene Schriftsteller, veranstaltete Partys und Diskussionsabende in der Kirche.

Als Karins Eltern den neuen Umgang ihrer Tochter bemerkten, versuchten sie, das Mädchen zu überzeugen, von ihren Freunden abzulassen. Vergebens. Als treue Genossen und überzeugte Unterstützer der DDR, glaubten sie, sich an die Jugendhilfe wenden zu können, um ihre Tochter auf den rechten Weg zurück zu bringen. Sie ahnten nicht, dass sie damit ihr...

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Kategorie(n): Inland